Warum gibt es nicht mehr Buch und E-Book im Bundle?

Das zu erklären ist leider kompliziert, weil die Rechtslage so kompliziert ist. Versuchen wir es trotzdem.

Wer ein gedrucktes Buch zusammen mit der E-Book-Ausgabe anbietet, bietet aus der Sicht des Finanzamts ein Bundle-Produkt an, das steuerrechtlich aus zwei verschiedenen Produkten besteht: aus einem Buchprodukt, für das ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 7% gilt, und aus einem elektronischen Produkt, für das der normale Mehrwertsteuersatz von 19% gilt.

Diese steuerrechtliche Bewertung eines Bundle-Produkts mit einem zweifachen, gesplitteten Mehrwertsteuersatz (7% und 19%) ist zwar nicht neu, sie wurde aber bis zum 1. Juli 2014 für die Buchbranche ausgesetzt. Die Buchbranche durfte bis dahin auch Bundle-Produkte ausnahmsweise mit einer einheitlichen MwSt. von 7% anbieten. Mit dem Ende dieser Ausnahmeregelung stand die Buchbranche vor unlösbaren Schwierigkeiten.

Zum einen waren und sind immer noch die Warenwirtschafts- und Kassensysteme des Buchhandles technisch auf die Berechnung eines gesplitteten Steuersatzes nicht eingestellt. Das heißt, der Buchhandel kann Bundle-Produkte gar nicht steuerrechtskonform zum Verkauf anbieten. Will ein Händler nicht zum Steuersünder werden, muss er Bundle-Produkte aus seinem Sortiment nehmen. Auf entsprechenden Protest hin hat die Finanzverwaltung die Ausnahmefrist bis zum 31. Dezember 2015 verlängert, um so der Buchbranche eine Umstellung auf die Berechnung eines gesplitteten Mehrwertsteuersatzes zu ermöglichen.

Doch dieser Aufschub bringt nicht die Rettung für verlegerische Bundle-Produkte. Es ist zweifelhaft, ob bis zum Ablauf der Frist die Händlersysteme tatsächlich auf Bundle-Produkte hin umgestellt sind. Denn eine solche Umstellung ist teuer und aufwändig. Und die wirtschaftliche Relevanz von Bundle-Produkten ist im Buchhandel bislang nicht sehr groß.

Für Verlage ergibt sich daraus die Konsequenz, keine neuen Bundle-Produkte mehr herzustellen. Denn in der Regel werden Bücher für einen längeren Verkaufszeitraum produziert. Das Risiko, dass nach Ablauf der Frist am 31.12.2015 ein bedeutender Teil der Auflage noch nicht verkauft ist und nicht weiter zum Verkauf angeboten werden kann, ist einfach zu groß.

Zu dieser technischen und marktpolitischen Schwierigkeit tritt nun noch eine steuerliche Schwierigkeit, die es wirklich in sich hat. Um den gesplitteten Mehrwertsteuersatz für ein Bundle-Produkt erheben zu können, muss das Finanzamt wissen, wie sich der Bundle-Preis zusammensetzt: Was ist der Verkaufspreis des Buchbestandteils, für den 7% MwSt. abzuführen sind, und was ist der Verkaufspreis des E-Book-Bestandteils, für den 19% MwSt. abzuführen sind? Da die Festsetzung der jeweiligen Verkaufspreise Einfluss auf die Höhe der Steuerschuld hat, wird es regelmäßig zu Konflikten zwischen den Verlagen und den Finanzämtern kommen. Dadurch werden Bundle-Produkte wirtschaftlich unkalkulierbar und zu steuerrechtlichen Risiko-Produkten für Verlage und Handel.

Dem Konflikt mit den Finanzämtern kann man natürlich dadurch aus dem Weg gehen, dass man den Preis für den E-Book-Bestandteil möglichst hoch ansetzt. Denn das steigert die Steuerschuld. Doch es würde auch spürbar die Erlöse für Autoren, Verlag und Handel schmälern. Bundle-Produkte müssten für den Kunden teurer werden, und es ist die Frage, ob sie dann noch für den Kunden attraktiv wären. So wäre also das Steuerrisiko nur um den Preis eines Absatzrisikos vermieden.

Kann man denn das E-Book zum Buch für Buchkäufer nicht einfach gratis zur Verfügung stellen? Nein, das kann man nicht. Für das Finanzamt wäre auch das Gratis-E-Book Bestandteil eines Bundle-Produkts, für den ein Preis und eine entsprechende Mehrwertsteuer zu erheben ist. Im Zusammenhang eines gesplitteten Mehrwertsteuersatzes erkennt das Finanzamt Gratis-Leistungen nicht an.

Kann man dann nicht das E-Book den Buchkäufern zu einem geringen Sonderpreis zur Verfügung stellen? Nein, auch das geht leider nicht. In Deutschland und Österreich gilt das Gesetz zur Buchpreisbindung. Das schließt Sonderpreise aus. Bücher wie auch E-Books dürfen von jedem Händler nur zum selben Preis angeboten werden.

So macht also die Ansetzung eines gesplitteten Mehrwertsteuersatzes für Verlagsprodukte das Bundle aus Buch und E-Book zu einem unmöglichen Produkt. Und am Ende gibt es nur Verlierer: die Autoren und Verlage, der Buchhandel und die Kunden und nicht weniger die Finanzämter selbst und unser Gemeinwesen, das auf Steuereinnahmen angewiesen ist.