Interview mit unserem Autor Wolfgang Rau

Wolfgang Rau
Pünktlich zur Neuauflage seines Buches »Recht für Fotografen« haben wir uns mit Wolfgang Rau über die Neuerungen im Fotorecht und seinem Buch unterhalten.

Frage 1: Was regelt die neue Verordnung, die am 7.4.2017 in Kraft getreten ist, zu Multicoptern?

Nach längeren politischen Diskussionen gibt es seit dem 7.4.2017 auch in Deutschland, nach Österreich und der Schweiz, eine gesetzliche Reglementierung für das Fliegen von Multicoptern, wodurch viele Fragen und Unsicherheiten, die bislang bestanden haben, nunmehr geklärt sind. Nicht zuletzt durch den enormen Anstieg der Verkaufszahlen von unbemannten Luftfahrtsystemen ist auch eine klare gesetzliche Grundlage für den Multicopterflug immer wichtiger geworden. Die Neuregelung sieht vor, dass alle Modellflugzeuge und sonstigen unbemannte Flugsysteme, die mehr als 0,25 kg wiegen, mit dem Namen und der Adresse des Eigentümers zu kennzeichnen sind, damit bei einem Schadensersatz der Eigentümer identifiziert werden kann. Wiegt ein unbemanntes Flugsystem mehr als 2 kg, ist darüber hinaus ein regelmäßig zu wiederholender Kenntnisnachweis erforderlich. Ein weiterer Bestandteil der neuen Gesetzesregelung ist ein ganzer Katalog von Erlaubnispflichten, der für bestimmte Einsatzzwecke und Einsatzarten von Multicoptern eine sogenannte „Aufstiegserlaubnis“ durch die Luftfahrtbehörden zwingend vorschreibt. Die Einzelheiten habe ich in Neuauflage meines Buches ausführlich beschrieben. Entfallen ist durch die Neuregelung die bisherige Erlaubnispflicht für gewerbliche Einsätze von Multicoptern bis zu 5 kg. Schließlich enthält die Neuregelung eine ganze Reihe von grundsätzlichen Betriebsverboten. Auch hierauf gehe ich im Einzelnen in meinem Buch ein.

Frage 2: Was gab den Anlass, dem Thema Straßenfotografie einen eigenen Absatz in der Neuauflage zu widmen?

An der Straßenfotografie streiten sich immer wieder die Geister. Während die einen diese Art als eigene Stilrichtung der Fotografie ansehen, gehen andere davon aus, dass die Straßenfotografie, soweit Personen fotografiert werden – grundsätzlich eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte darstellt, zumindest dann, wenn die Bildnisse der Personen veröffentlicht werden. Neue Brisanz hat das Thema Straßenfotografie in der jüngsten Vergangenheit durch den Fall der „Frau mit dem Leopardenmantel“ erfahren, der die Berliner Gerichte beschäftigt hat, und auf den ich ausführlich in meinem Buch eingehe. Der als Fotograf an den Verfahren beteiligte Espen Eichhöfer setzte sich dabei vehement für die Kunstfreiheit ein, die nach seiner Auffassung Vorrang vor dem Persönlichkeitsrecht haben müsse und beabsichtigt, das Bundesverfassungsgericht anzurufen. In der Tat wird dann das Bundesverfassungsgericht eine Abwägung zwischen dem Recht am eigenen Bild, also dem Persönlichkeitsrecht, und der Kunstfreiheit vornehmen müssen. Davon erhoffen sich viele eine grundsätzliche und rechtsverbindliche Aussage, wie weit Straßenfotografie, bei der üblicherweise Personen ohne ihre Einwilligung fotografiert und ihre Bilder danach veröffentlicht werden, zulässig ist und wo und inwieweit sie durch das Persönlichkeitsrecht eingeschränkt ist. Während viele Rechtsfragen, die das Foto und Bildrecht betreffen, rechtlich weitgehend geklärt sind, ist die Straßenfotografie noch immer von rechtlichen Unsicherheiten geprägt. Dies hat mich veranlasst, mich in einem eigenen Abschnitt diesem Thema zu widmen und mich mit dem Wertungskonflikt zwischen Persönlichkeitsrecht und Kunstfreiheit zu beschäftigen, insbesondere auch veranlasst durch die vielen Fragen, die gerade zu diesem Thema von Fotografen an mich herangetragen werden.

Frage 3: Was beinhaltet die Verschärfung der strafrechtlichen Vorschriften des § 201a StGB über die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen?

Während die Aufnahme von Personen in einem gegen Einblicke geschützten Raum bereits seit Jahren durch § 201a StGB unter Strafe gestellt ist, blieb bis zur Gesetzesänderung im Jahre 2015 das Fotografieren von hilflosen Personen weitestgehend strafrechtlich sanktionslos. So mussten diejenigen, die mit ihren Mobiltelefonen beispielsweise Unfallszenen und die verletzten Personen filmten und die Bilder anschließend im Netz verbreiteten, zwar mit zivilrechtlichen Maßnahmen rechnen, zu einer strafrechtlichen Verfolgung fehlte es jedoch an einer gesetzlichen Grundlage, zumindest dann, wenn dabei die Hilfskräfte nicht bei ihrer Arbeit behindert wurden. Dank der Gesetzesänderung müssen seit 2015 Personen, die sich zu derartigen Geschmacklosigkeiten hinreißen lassen, auch mit einer Strafverfolgung, d.h. mit einer Geldstrafe, und im Wiederholungsfall sogar mit einer Haftstrafe rechnen. Es bleibt zu hoffen, dass die gesetzlichen Verschärfungen so zu einer Eindämmung derartiger Abartigkeiten führen werden. Ein weiterer Punkt der Neuregelung in § 201 a StGB ist das Verbot der Herstellung und des Anbietens von Bildaufnahmen, die die Nacktheit von Personen unter achtzehn Jahren zum Gegenstand haben. Damit hat der Gesetzgeber eine bis dahin bestehende Regelungslücke geschlossen, denn dies war bislang nicht gesetzlich verboten, soweit es sich nicht um eine pornografische Aufnahme von Minderjährigen handelt, was bereits seit Jahren unter Strafe gestellt ist. Warum aber trotzdem Eltern keine Bedenken haben müssen, sich strafbar zu machen, wenn sie ihr nackt am Strand spielendes Kleinkind fotografieren, ist ebenfalls Gegenstand meiner ausführlichen Darstellung in der Neuauflage des Buches.

 

Die Neuauflage von »Recht für Fotografen«

 


Wolfgang Rau
Recht für Fotografen
Der Ratgeber für den fotografischen Alltag

477 Seiten, gebunden, 39,90 Euro
ISBN 978-3-8362-4527-2