Kopfporträt eines Grünen Leguans

Makrofotografie:
So gelingen perfekte Nahaufnahmen

Mit der Makrofotografie tauchen Sie ein in fremde Welten! Ohne zu reisen, einfach im heimischen Garten, in Parks oder auf Wiesen. Sie entdecken Neues und machen Objekte oder Lebewesen mit der Fotografie sichtbar, die gewöhnlich im Verborgenen liegen. Alles ist möglich, was gefällt. Das geht bis hin zu abstrakten Kunstwerken, auf denen das fotografierte Objekt gar nicht mehr zu erkennen ist.

Um die Kunst der Makrofotografie ernsthaft betreiben zu können, brauchen Sie geeignetes Werkzeug und das Know-how, dieses optimal einzusetzen. Diese grundlegenden Voraussetzungen lernen Sie in diesem Artikel.

Eine 10-Cent-Münze in unterschiedlicher Größe

Wird ein Motiv in exakt derselben Größe wie in der Realität auf einem Vollformatsensor abgebildet, spricht man von einem Abbildungsmaßstab von 1:1 (links). Mitte: 1:2, rechts: 2:1 – die Darstellungsgrößen variieren je nach Bildschirm

Eine festgelegte Definition für die Makrofotografie gibt es nicht. Meist wird von Makrofotografie gesprochen, wenn der Abbildungsmaßstab mindestens 1:1 beträgt, das Motiv auf dem Sensor also mindestens so groß dargestellt wird, wie es in der Realität ist. Bei einem Abbildungsmaßstab von 2:1 wird das Objekt doppelt so groß abgebildet und bei 1:2 nur halb so groß. Mit dem Begriff der Nahfotografie ist in der Regel ein Abbildungsmaßstab von 1:10 bis etwa 1:1 gemeint.

Makrofotografie – Welche Fototechnik und Ausrüstung benötige ich?

Entdecken Sie die technischen Voraussetzungen für spannende Nah­ und Makroaufnahmen, und steigen Sie selbst in die faszinierende Fotografie der kleinen Dinge ein! Lesen Sie im Folgenden, was für die Makrofotografie zu beachten ist.

Fotografin mit Systemkamera

Beispiel einer für Makroaufnahmen bestens geeigneten Systemkamera: die Fujifilm X-T30

Kamera mit Touchdisplay in der Hand eines Fotografen

Schnelle und intuitive Scharfstellung der Herbstblätter mit dem Touch-Auslöser im Livebild-Modus der DSLR

Kameras für die Makrofotografie

In der Makrofotografie geht es darum, kleine Dinge groß und knackscharf abzubilden. Sie müssen nah an Ihr Motiv herangehen oder es heranzoomen. Grundsätzlich klappt das mit verschiedenen Kameratypen: Kompaktkameras, spiegellosen Systemkameras und Spiegelreflexkameras. Bedingt lassen sich auch Smartphones für Makrofotos nutzen, wie Sie im Folgenden sehen werden. Im Einzelnen:

Die Kompaktkamera für einen guten Start

Digitale Kompaktkameras inkl. Bridgekameras mit fest eingebautem Zoomobjektiv bieten einen großen Funktionsumfang und decken auch Aufnahmen im Nahbereich ab. Die kleinen Sensoren der Kompaktkameras erzeugen per se eine hohe Schärfentiefe. Für die scharfe Darstellung eines Insekts auf einer Blüte ist das vorteilhaft, weil dadurch das ganze Tier ohne Unschärfe abgebildet werden kann. Allerdings bewirkt die hohe Schärfentiefe auch, dass der Hintergrund scharf abgebildet wird und unruhig wirkt – was oft nicht erwünscht ist. Die Vergrößerung kommt jedoch nicht an diejenige von Systemkameras mit einem Makroobjektiv heran und ist oft nicht stark genug für eine formatfüllende Darstellung.

Spiegellose Systemkameras sind flexibel

Spiegellose Systemkameras sind relativ klein, leicht und handlich, aber dank Wechselobjektiv in der Anwendung wesentlich flexibler als Kompaktkameras. Über einen Adapter können Sie die Objektive aus dem Spiegelreflexsortiment bei vollem Funktionsumfang anbringen. Dies eröffnet ganz andere Möglichkeiten bezüglich Vergrößerungsmaßstab und Bildqualität gegenüber Kompaktkameras.

Digitale Spiegelreflexkamera: der Alleskönner

DSLRs sind in der Welt der Makrofotografie sehr weit verbreitet. Sie bieten eine ausgereifte Technik und enorm viele Möglichkeiten, um sich dem Thema »Nähe« fotografisch zu widmen. Dazu gehören ein ausreichend großer Sensor für hohe Bildqualität, ein schneller Autofokus mit wählbaren Fokusfeldern und ein großes Sortiment an Objektiven, das auch Makroobjektive von Fremdherstellern einschließt.

Makrofotografie mit dem Smartphone

Makrolinse auf einem Smartphone

Wir haben unser Smartphone fast immer zur Hand, wenn spannende Motive unseren Weg kreuzen. Allerdings erreichen Smartphones in der Regel keine hohen Abbildungsmaßstäbe, auch wenn Sie damit recht dicht ans Motiv herankommen. Das liegt an der weitwinkligen Optik, die für Landschaften ideal ist, den Einsatzbereich in der Nah- und Makrofotografie aber stark einschränkt.

Die Vergrößerungsleistung lässt sich jedoch verbessern. Neben dem digitalen Zoom, der natürlich zulasten der Bildqualität geht, können Sie eine Lupe vor das Handy-Objektiv halten oder eine spezielle Makrolinse anbringen, die das Motiv etwa 10­fach vergrößert. Allerdings müssen Sie damit sehr dicht ans Motiv heranrücken, und die Bildränder werden deutlich unscharf abgebildet. Aufgesteckte Makrolinsen sind daher für flächige Motive, die bis in den Randbereich scharf aussehen sollen, ungeeignet. Auch das Fokussieren bewegter Objekte wie Insekten gestaltet sich sehr schwierig. Smartphones sind also bestenfalls etwas für gelegentliche Ausflüge in die Welt der Makrofotografie.

Nahlinsen, Zwischenringe und Makroobjektive

Wenn Sie für Ihre ersten Versuche in der Nah- und Makrofotografie nicht gleich ein spezielles Makroobjektiv für Ihre Kamera kaufen wollen, können Sie Ihre vorhandenen Objektive mit entsprechendem Zubehör für den Nahbereich fit machen.

Viele Zoomobjektive erlauben, recht nah an Ihr Motiv heranzugehen und zu fokussieren. Man sagt, sie haben eine geringe Naheinstellgrenze. Für echte Makroaufnahmen reicht diese Naheinstellgrenze aber nicht aus. Wenn Sie sehr kleine Objekte groß ins Bild setzen wollen, muss diese noch weiter verringert werden. Dafür gibt es verschiedene Hilfsmittel, die sich in ihren technischen Möglichkeiten, vor allem aber im Preis unterscheiden. Grundsätzlich können Sie jedes Objektiv für die Nah- und Makrofotografie verwenden, wobei sich längere Brennweiten für Ihr Makro besser eignen als kurze Brennweiten.

Nahlinsen


Vorsatzachromat und Nahlinse

Vorsatzachromat mit einer Stärke von 5 Dioptrien (links) und einfache Nahvorsatzlinse mit 4 Dioptrien (rechts)

Nahlinsen oder auch Nahvorsatzlinsen sind für den Einstieg in die Nahfotografie gut geeignet. Sie werden einfach in das Filtergewinde des Objektivs geschraubt. Daher bleiben alle Funktionen des Objektivs erhalten, auch der Autofokus arbeitet ganz normal. Bei einfachen Nahlinsen leidet die Bildqualität sichtbar. Sehr gute, sogenannte achromatische Nahlinsen oder Vorsatzachromate, bieten eine gute Bildqualität, sind aber auch deutlich teurer. Nahlinsen gibt es in verschiedenen Stärken, die unterschiedliche Abbildungsmaßstäbe erlauben.

Zwischenringe

Drei Zwischenringe für die Makrofotografie

Zwischenringsatz: Die Ringe der Größen 36 mm, 20 mm und 12 mm sind frei miteinander kombinierbar.

Eine ebenfalls erschwingliche Alternative zum Makroobjektiv bietet der Einsatz von Zwischenringen. Sie werden zwischen Kameragehäuse und Objektiv geschraubt und verringern ebenfalls die Naheinstellgrenze. Dies führt zu der erwünschten vergrößerten Abbildung des Objekts. Die Zwischenringe sollten auf Ihr Kamera-Objektiv-System abgestimmt sein und die elektronischen Signale vom Kameragehäuse auf das Objektiv übertragen können. Nur dann können Sie den Autofokus und die kameraeigene Belichtungssteuerung beim Fotografieren nutzen.

Zwischenringe enthalten kein optisches System, sind also in der Mitte hohl. Es gibt sie in verschiedenen Längen, die auch problemlos miteinander kombiniert werden können. Bei Zwischenringen gilt: Je höher die Brennweite Ihres Objektivs, desto längere bzw. desto mehr Ringe müssen aufeinandergeschraubt werden, um eine stärkere Vergrößerung zu erzielen. Am besten lassen sich Zwischenringe mit Objektiven kombinieren, die ±70 mm Brennweite haben.

Makroobjektive

Der Platzhirsch im Kosmos der Makrofotografie ist das Makroobjektiv. Makroobjektive sind speziell für geringe Aufnahmeabstände konstruiert und haben dementsprechend eine geringe Naheinstellgrenze. Zudem ist die Abbildungsleistung, also die Bildqualität, eines solchen Objektivs in der Regel sehr gut. Die aufwendige Machart mit speziell für diesen Zweck gerechneten Linsen führt allerdings zu einem nicht unerheblichen Preis. Dennoch, wer sich wirklich ernsthaft mit diesem fotografischen Gebiet auseinandersetzen möchte, kommt um ein solches Spezialobjektiv letztlich nicht herum.

Makroobjektiv mit kurzer Brennweite

Das Sony 50 mm-Makro mit Blende ƒ2,8 für überzeugt mit guten Abbildungsleistungen, aber man muss recht nah an das Motiv heranrücken.

Viele aktuelle Makroobjektive besitzen einen Bildstabilisator, zu erkennen an der Abkürzung IS, VR, VC, OS oder OSS im Objektivnamen. Der Bildstabilisator ist sehr hilfreich, um noch verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren zu können, wenn die Belichtungszeiten etwa im Bereich von 1/20–1/100 s liegen. Bei noch längeren Belichtungszeiten sollten Sie aber auch mit solch einem Objektiv lieber vom Stativ aus fotografieren und in dem Fall den Bildstabilisator ausschalten. Grundlegendes Know-how zur Schärfe finden Sie in unserem Artikel »Richtig Fokussieren lernen«.

Makroobjektive ermöglichen normalerweise einen Abbildungsmaßstab bis 1:1. Möchten Sie über diese Vergrößerung hinauskommen, lassen sich die beschriebenen Zwischenringe oder Nahvorsatzlinsen natürlich auch am Makroobjektiv einsetzen. Beachten Sie aber auch hier die zuvor erwähnten bildqualitativen Einschränkungen, die ein solches Zubehör mit sich bringt.

Umkehrring bzw. Retroadapter


Objektiv andersherum an einer Kamera mittels Umkehrring

16‒35-mm-Zoomobjektiv in Retrostellung

Möchten Sie beispielsweise mit einem Normalobjektiv Vergrößerungen erzielen, die deutlich über die natürliche Größe des Objekts hinausgehen, kann auch ein Retroadapter gute Dienste leisten. Ein Retroadapter ermöglicht das umgekehrte Anbringen des Objektivs an der Kamera. Dabei zeigt die Frontlinse zur Kamera und der Bajonettanschluss des Objektivs in Richtung Motiv.

Sitzt das Objektiv umgekehrt an der Kamera, lässt sich die Blende nicht mehr verstellen und auch der Autofokus steht nicht mehr zur Verfügung. Daher müssen Sie bei solchen Makroaufnahmen auf jeden Fall manuell fokussieren.

Stativ und Einstellschlitten – und weitere Helferlein

»Ohne Stativ gehen wir zur Makrofotografie gar nicht erst aus dem Haus«, sagt unsere Autorin Kyra Sänger. Sicherlich gibt es auch Situationen, die sich ohne Stativ meistern lassen. Ein Insekt wartet nicht, bis ein Dreibein ausgefahren und positioniert ist, und auch bei einem Eidechsenporträt 5 cm über dem Boden ist ein Stativ wenig hilfreich. Oft ist es aber sowohl aus Gründen der Bildgestaltung und präzisen Scharfstellung als auch zum Vermeiden von Verwacklungen unverzichtbar.

Stativ mit gekippter Mittelsäule

Stativ mit kippbarer Mittelsäule

Stativ mit umgekehrter Mittelsäule um Kamera mit ausgefahrenem Klapp-Display

Stativ mit umgekehrt angebrachter Mittelsäule

Achten Sie darauf, dass sich die Beinauszüge möglichst flexibel verstellen und von der Mittelsäule aus unterschiedlich weit abspreizen lassen. Sogenannte Reisestative sind besonders flexibel, da sich die Beine meist um 180 Grad neigen lassen. Damit können Sie die Kamera auch verkehrt herum nach unten hängen lassen und auf diese Weise knapp über dem Erdboden fotografieren. Bei anderen Modellen lässt sich die Mittelsäule seitlich kippen oder umgekehrt anbringen, was ebenfalls für bodennahe Aufnahmen praktisch ist. Auch der gute, alte Sandsack ist seit Jahren eine günstigste Möglichkeit, wenn Sie bodennah fotografieren.

Stativ mit montiertem Einstellschlitten

Der Komfort beim Ausrichten der Kamera lässt sich mit einem sogenannten Einstellschlitten erheblich vergrößern. Zum Fotografieren montiert man die Aufnahmeeinheit über das Stativgewinde der Kamera oder des Objektivs (wenn es über eine entsprechende Stativschelle verfügt) auf dem Einstellschlitten. Dieser besteht aus einer Schiene, auf der sich die Kamera über eine Feintriebschraube sehr präzise auf die gewünschte Entfernung zum Motiv bringen lässt, ohne dass man dazu das Stativ neu positionieren muss.

Tipp vom Naturfotografen Hans-Peter Schaub: Solide und gut zu handhaben ist das Modell Castel-Q von Novoflex. Dieser Schlitten ist Teil eines Systems, das sich auch zum Panoramaadapter ausbauen lässt.

Halteklammer mit biegbarem Arm

Tipp aus der Praxis: die Pflanzenklammer. Der größte Feind des Makrofotografen ist der Wind! Da sich dieser naturgemäß nicht kontrollieren lässt, können Sie eine Pflanzenklammer verwenden und diese z.B. am Stativ befestigen. Damit ist es möglich, eine Pflanze kurz zu fixieren. Die Pflanzenklammer passt in jede Fototasche.

 

Das Licht im Griff mit Taschenlampe, Reflektor und Blitz

Die Lichtbedingungen für Makrofotografen sind oft schwierig: Im Frühjahr, wenn die Bäume noch laublos sind, fällt viel Licht auf den Waldboden – schnell des Guten zu viel. Anderseits herrscht, sobald sich das Blätterdach geschlossen hat, grünliches Dämmerlicht vor. Morgens und abends dringt die tief stehende Sonne zumindest in die Randbereiche des Waldes vor. An trüben, bedeckten Tagen aber ist es im Inneren des Waldes häufig sehr finster.

Da hilft »selbst machen«! Wenige einfache Hilfsmittel genügen, um hinsichtlich der Lichtführung und -gestaltung weitgehend unabhängig von der Sonne agieren zu können: eine Taschenlampe, ein kleiner Faltreflektor und ein bis zwei Erdnägel mit kleinem Kugelkopf und Schraubklemme.

Blüte in harmonischem Licht

Die warmen Farbtöne im Hintergrund liefert der von der Taschenlampe angestrahlte Goldreflektor. Die Blüte selbst erhält kein direktes Taschenlampenlicht, sondern wird lediglich vom Tageslicht beleuchtet.

Setup mit Taschenlampe und Reflektor

So sieht das »Ministudio« für dieses Motiv in der Praxis aus. Mit der Taschenlampe wird der Lichtakzent auf das Motiv gesetzt und die Goldfolie des Reflektors sorgt für den warmen Hintergrund.

Ideale Motive für diese Art der Ausleuchtung im Nahbereich sind Pflanzen und Pilze. Ohne befürchten zu müssen, dass die anvisierten Motive die Flucht ergreifen, können Sie sich in aller Ruhe an die optimale Ausleuchtung heranarbeiten, können Streif-, Auf-, Frontal- oder Gegenlicht setzen und dabei feststellen, wie erstaunlich sich ein Motiv mit wechselnden Lichtsituationen verändert.

Taschenlampe und Reflektor

Viele Blumen haben eine eng begrenzte Blüh- oder Lebensdauer. Nicht immer ergibt sich in dem zur Verfügung stehenden Zeitfenster genau die Lichtsituation, die man sich für das jeweilige Motiv vorgestellt hat. Zuweilen lässt auch der Standort des Gewächses – beispielsweise mitten im Wald – nicht zu, dass die Sonne so einfällt, wie gewünscht. Die Taschenlampe hingegen liefert immer Licht, und dessen Einfallsrichtung auf Ihr Makromotiv können Sie selbst bestimmen.

Taschenlampe auf einem Erdnagel mit Kugelkopf montiert

Erdnagel mit montiertem Kugelkopf und Schraubklemme

Mit einer Taschenlampe ergeben sich schon erstaunliche Möglichkeiten der Lichtgestaltung. Ergänzt man diese noch durch ein kleines 5-in-1-Faltreflektor-Set, vervielfachen sich die Optionen in der Makrofotografie. So lassen sich die kleinen Motive wahlweise vor weißem, schwarzem, goldenem oder silbernem Hintergrund abbilden. Durch eine indirekte Lichtführung, bei der der Reflektor angestrahlt wird, der dann wiederum das Motiv beleuchtet, ergeben sich ganz andere Wirkungen als durch direkt auftreffendes Licht. Mit Hilfe des ebenfalls in solch einem Set enthaltenen Diffusors lässt sich eine, bezogen auf das Motiv, sehr große Lichtquelle simulieren. Damit kann man etwa die Formen von Blüten oder Pilzen besonders plastisch herausarbeiten oder Kontraste abmildern.

Tipp: Möchte man Reflektor und Taschenlampe gleichzeitig einsetzen, wünscht man sich oft eine dritte oder vierte Hand. Erdnägel, versehen mit einer Klemme und/oder einem kleinen Kugelkopf, sind ebenso praktische wie leicht zu transportierende Helferlein für Makrofotografen.

Dem Thema Licht haben wir einen eigenen Artikel gewidmet: Licht in der Fotografie.

Kann ich in der Makrofotografie auch mit einem Blitz arbeiten?

Rosenkäfer in weichem Licht und Glanz auf dem Panzer

Dank Blitzlicht konnte der permanent aktive Rosenkäfer scharf eingefangen werden. Die Softbox sorgte für weiches Licht, sodass der glatte Chitinpanzer sanft zum Leuchten gebracht wurde.

Immer wieder gibt es Situationen, in denen das natürliche Licht zum Aufhellen eines Motivs nicht ausreicht und auch kleine Tricksereien mit Reflektoren nicht die gewünschte Aufhellung bringen. In diesem Fall ist es angezeigt, das Szenario mithilfe eines Blitzgeräts auszuleuchten. Die modernen Blitzsteuerungen digitaler Kameras machen es einem dabei zum Glück recht leicht, die natürliche Stimmung des Makros auch mit dem Blitz weiter zu erhalten.

Viele Digitalkameras besitzen ein fest eingebautes Blitzlicht. Bauartbedingt lässt sich damit das Motiv allerdings nur direkt von vorn anblitzen, was die Anwendungsmöglichkeiten einschränkt. In der Makrofotografie hängt die Qualität einer Aufnahme wesentlich von der Richtung des Lichts ab. Eine gezieltere Führung des Blitzlichts ist nur mit einem beweglichen Systemblitz erreichbar, der in verschiedene Winkel geschwenkt werden kann. Der Systemblitz kann entweder am Blitzschuh der Kamera befestigt oder als individuell positionierbarer, von der Kamera getrennter Blitz verwendet werden. Diese Blitzmethode wird auch als »entfesseltes« Blitzen bezeichnet, weil der Systemblitz nicht mehr in direktem Kontakt mit der Kamera steht.

Kamera mit Ringblitz vorn am Objektiv

Makro-Ringblitz Yongnuo YN-14EX mit zwei Blitzröhren auf einem drehbaren Ring

Kamera mit Zangenblitz vorn am Objektiv

Beispiel eines Zangenblitzes: der Canon MT-24EX

Darüber hinaus gibt es spezielle Makroblitzgeräte – als Ringblitz oder Zangenblitz. Der Ringblitz besitzt eine kreisrunde Blitzröhre und wird an der Vorderseite des Objektivs befestigt. Er eignet sich in erster Linie zum schattenfreien Ablichten zweidimensionaler Motive, wie das beispielsweise in der Reprofotografie (Briefmarken, Münzen etc.) der Fall ist. Mehr Flexibilität bieten Zangenblitze, da die Blitzkörper weiter vom Objektiv entfernt sind und sich außerdem drehen und neigen lassen. Solche Systeme werden von allen größeren Kameraherstellern angeboten, sind aber nicht ganz billig.

 

Kreative Nahaufnahmen: Pflanzen, Insekten – und im Heimstudio

Pflanzen und kleine Tiere sind geradezu ideale Motive für die Makrofotografie! Es gibt wohl kein Gebiet in der Natur, das Ihnen eine solche Vielfalt an Farben und Formen bietet und sonst unsichtbare Details und Strukturen so wirkungsvoll in Szene setzt.

Im Nahbereich: Blumen und Pflanzen fotografieren

An jeder Ecke finden Sie hübsche Pflanzen, egal, ob mitten in der Stadt oder draußen auf dem Land. Das Schöne daran ist, dass Ihnen diese Fotomodelle nicht davonlaufen. Einmal entdeckt, können Sie Blüten und Blätter in Ruhe und ganz nach Ihren Wünschen in Szene setzen.

Blumen in Farbenpracht

Der Wirkung farbintensiver Blüten können wir fotografisch kaum widerstehen. Sie treiben uns an, immer wieder neue Aufnahmeperspektiven zu probieren, etwa einen starken Anschnitt. Für Sommerfrische sorgt eine leichte Belichtungskorrektur.

Scheuen Sie sich also nicht, vor der Haustür anzufangen, denn auch dort gibt es eine Menge lohnender Motive. Versuchen Sie auch einmal, auf die Umgebung zu achten und andere Blüten als unscharfe Farbtupfer mit ins Foto zu nehmen. Dabei können Sie mit der Blende und Schärfentiefe experimentieren, denn je offener die Blende, desto größer werden die Farbflächen im Hintergrund dargestellt. Den Zusammenhang von Blende und Schärfentiefe finden Sie in unserem Artikel zu den technischen Grundlagen der Fotografie.

Nahaufnahme eines Schaumkrauts

Das Wiesen-Schaumkraut ist nicht selten, aber immer wieder schön. Ein zweiter Blütenstand unscharf im Hintergrund verleiht dem Bild Tiefe.

Makro einer Kornblume

Für das Foto dieser Kornblume wurden die Grashalme vor und hinter der Blüte ein wenig zur Seite gebogen, damit sie nicht scharf im Bild auftauchen.

Inszenieren Sie Wassertropfen! Durch Regen können Blüten oder Grashalme eine ganz besondere Wirkung bekommen. Aufnahmen mit Wassertropfen als Hauptmotiv liefern faszinierende Einblicke in eine abstrakte und wunderbare Glitzerwelt, die es in jeder Wiese während und nach einem Regenschauer zigtausendfach zu bewundern gibt und die durch die Makrofotografie erst richtig zugänglich gemacht wird.

Spinnennetz mit Wassertropfen

Wassertropfen im Spinnennetz: Für den besonderen Farbkick wurde ein buntes Herbstblatt unter das Netz gelegt.

Grashalm mit Wassertropfen

Diesen über Nacht gefrorenen Tautropfen erwischten wir im Stadium des Auftauens an einem sehr kalten Oktobermorgen.

Tipp: Ein Frischekick in Form von Wassertropfen lässt sich auch künstlich erzeugen. Dazu können Sie eine handelsübliche Wassersprühflasche zum Shooting mitnehmen. Pumpen Sie am besten einen feinen Nebel, damit sich die Tropfen nach und nach aufbauen. Zu große Tropfen fallen schnell herunter und reißen andere mit.

Makrofotos von Insekten und Schmetterlingen

Tiere üben von jeher eine besondere Faszination auf uns Menschen aus. Das gilt auch für die Kleinsten unter ihnen – vor allem, wenn sie durch ein Makroobjektiv übergroß, scharf und detailreich ins Rampenlicht gerückt werden.

Makrofoto einer Libelle

Libellen zählen neben Schmetterlingen und Käfern zu den beliebtesten Insektenmotiven. Mit ihrem feingliedrigen Körperbau, der prachtvollen Färbung und den hervorstehenden Augen bieten diese Tiere viel Spielraum für die kreative Insektenfotografie.

Nehmen Sie Ihre Kameraausrüstung, und tauchen Sie ein in die Welt der kleinen Tiere! Besonders prägnant lassen sich Insekten auf grünen Blättern oder an Halmen kletternd in Szene setzen. Die Botanik ist meist üppig genug, um den Hintergrund in frischen Grüntönen erstrahlen zu lassen. Davon heben sich die Tierchen – sofern sie nicht grün getarnt sind – kontrastreich ab. So können Sie das Insekt als dominantes Hauptmotiv groß ins Bild bringen.

Makro von Libellenaugen

Die Augen einer weiblichen Gebänderten Prachtlibelle im Fokus – Focus Stacking aus 13 Bildern, siehe unten

Nahaufnahme eines Schmetterlings mit Tautropfen

Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg und bringen die Tautropfen auf dem Bläuling zum Glänzen.

Fototipp: Agile Tiere sind schwer zu fotografieren. Eine bewährte Methode für solche Insektenaufnahmen besteht darin, besondere Situationen auszunutzen, in denen die Tiere unaufmerksam sind und Sie samt Equipment vorübergehend einfach nicht beachten – etwa bei der Nahrungsaufnahme. Auch ein kräftiger Regenguss oder niedrige Temperaturen können die Tiere dazu bringen, ein Weilchen an Ort und Stelle zu verharren. Dann wird es möglich, näher an die winzigen Fotomodelle heranzukommen und Ihr Makro optimal zu komponieren.

Insekten im Flug

Hummel im Flug

Gartenhummel im Anflug auf eine Fingerhutblüte: Durch die extrem kurze Belichtungszeit von 1/2500 s wurden sogar die Flügel einigermaßen scharf eingefangen, und man sieht schön den ausgefahrenen Saugrüssel.

Fotografieren Sie Tiere bei ihrer typischen Verhaltensweise! Dazu zählen bei geflügelten Insekten natürlich actionreiche Flugaufnahmen. Suchen Sie sich dazu eine attraktive Blüte aus, die von Bienen oder Hummeln häufig angeflogen werden. Kurz vor der Landung manövrieren sich die Tiere mehr oder weniger geschickt in die Blüte hinein und »stehen« dabei kurz in der Luft. Haben Sie eine solche Stelle identifiziert, können Sie die Kamera auf das Actionshooting vorbereiten.

Schalten Sie am besten die Reihen­ oder Serienaufnahme Ihrer Kamera ein, um die schnelle Flugsequenz in möglichst vielen Bildern aufzunehmen und die Chance auf einen guten Treffer zu erhöhen.

Kreative Makrofotografie im Heimstudio

Nahezu unabhängig von Wetter, Jahres- und Tageszeit können Sie der Makrofotografie im heimischen Fotostudio auf vielfältige Weise frönen. Probieren Sie neue Techniken oder neues Zubehör aus! Der Kreativität beim Umsetzen makrofotografischer Motivideen sind kaum Grenzen gesetzt. Was halten Sie von einem kreativen Food-Makro?

Früchte in saftigem Look

Kumquats mit Silikonüberzug und mit Wasser besprüht – Aufnahmen mit entfesseltem Blitz und Softbox, Silberreflektor und Stativ

Setup der Food-Aufnahme

Making-of: Blitz mit Softbox, Kumquats auf Steinfurnier, Primer, Öl, Tischstativ mit Silberreflektor, Kamera mit Blitzauslöser

In diesem Fotoprojekt geht es darum, Obst und Gemüse richtig frisch und lecker abzubilden. Dazu haben unsere Autoren Kyra und Christian Sänger zweieinhalb Kumquats auf einer Steinfurnierplatte arrangiert. Damit die Früchte schön glänzen, wurden sie zuvor mit einem weichen Tuch poliert und mit einer Silikonpaste eingerieben. Mit einer Wassersprühflasche wurden sie vorsichtig benetzt, sodass sich attraktive Wassertropfen auf der glatten Oberfläche bildeten. Damit das Fruchtfleisch schön glänzt, wurde es vorsichtig mit etwas Speiseöl betupft. Wenn Sie jetzt trotz der Silikonpaste Hunger bekommen, schauen Sie doch einmal in unseren Artikel zur Foodfotografie.

 

Focus Stacking in der Makrofotografie

Egal, ob es sich um eine Blüte, einen Pilz oder ein mit Regentropfen benetztes Blatt handelt – es gibt im Makrobereich viele Motive, die von einer durchgehenden Schärfe profitieren. Diese lässt sich am besten mit der Fusion unterschiedlich fokussierter Fotos in der Nachbearbeitung erreichen – dem Focus Stacking (auch Schärfentiefenerweiterung oder Deep Focus Fusion genannt).

Scharf abgebildeter Pilz in unscharfer Umgebung

Ergebnis der Schärfeüberlagerung aus zwölf Einzelbildern: Im Vordergrund wurden unscharfe Moosbereiche zurückübertragen, um nur den Pilz scharf abzubilden.

Das Ziel ist, die Schärfe genau auf den gewünschten Bildbereich auszudehnen und zugleich auf diesen Bereich zu begrenzen. Der rot gefärbte Täubling im Bild oben ist knackig scharf, während sich Vorder­ und Hintergrund des ihn umgebenden Moospolsters diffuser gestalten. Mit nur einer Aufnahme wäre der Pilz nur an wenigen Stellen wirklich scharf geworden. Würden Sie hingegen den Blendenwert erhöhen und damit den Schärfebereich erweitern, wäre der Hintergrund zu unruhig.

Die Aufnahme

Bauen Sie die Kamera stabil auf dem Stativ auf, zumal bei langen Brennweiten, und achten Sie beim manuellen Fokussieren darauf, dass sich nichts verschiebt. Fertigen Sie mehrere, mit dem manuellen Modus Ihrer Kamera identisch belichtete Bilder an. Dabei legen Sie den Fokus manuell zuerst auf das am dichtesten liegende Motivteil und verschieben die Fokusebene in regelmäßigen und engen Abständen bei jeder weiteren Aufnahme ein Stück weiter nach hinten. Dies können Sie komfortabel durch Verschieben der gesamten Kamera auf einem Einstellschlitten erledigen. Wie viele Bilder Sie benötigen, ergibt sich vor allem aus der Tiefe des anvisierten Motivs. Das Foto mit dem Pilz oben besteht aus zwölf Einzelbildern.

Stapeln und Ausrichten in Photoshop

Screenshots der Schritte und Einstellungen in Photoshop

Nachdem Sie die Einzelbilder fotografiert haben, können Sie diese am Computer mit einem Bildbearbeitungsprogramm fusionieren. Im Fall von Photoshop wählen Sie Datei > Automatisieren > Photomerge mit dem Layout Auto (1). Laden Sie alle benötigten Bilder (3) über die Schaltfläche Durchsuchen (4). Entfernen Sie das Häkchen bei Bilder zusammen überblenden (2). Drücken Sie OK, sodass die Bilder geöffnet und nach dem Inhalt ausgerichtet werden, um minimale Verschiebungen auszugleichen. Markieren Sie anschließend alle Bildebenen (5). Wählen Sie Bearbeiten > Ebenen automatisch überblenden, aktivieren Sie die Checkbox Bilder stapeln (6), und setzen Sie ein Häkchen bei Nahtlose Töne und Farben (7). Starten Sie die Bearbeitung wiederum mit OK. In Einzelfällen müssen Sie Details mit Ebenenmasken und dem Pinselwerkzeug per Hand nachbearbeiten.

 

Dieser Artikel ist ein guter Start in die Makrofotografie – von der Technik über die gekonnte Aufnahme bis zur professionellen Fotobearbeitung.

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