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Zwei Füchse in der Natur

Wildtiere fotografieren im Frühling – Lebensräume entdecken, Momente festhalten

Der Frühling ist eine besonders spannende Zeit für Naturfotografinnen und Naturfotografen: Die Natur erwacht, es sprießt und grünt, und du kannst viele Wildtiere in ihrem natürlichen Lebensraum fotografieren.

In diesem Artikel zeigen dir die Wildtierfotografen Lea Milde und Anskar Lenzen, welche Tierarten du im Frühling im Wald, in Moor und Heide, an der Küste und in der Stadt findest. Sie erklären dir die Besonderheiten der verschiedenen Lebensräume, geben dir Tipps zu den besten Tageszeiten und liefern dir Motivideen für deine nächste Fototour. So bist du ideal auf die Wildtierfotografie im Frühling vorbereitet.

Fotografieren in frühlingshaften Wäldern

Die beste Jahreszeit zum Fotografieren in Wäldern ist, wie fast immer in der Tierfotografie, der Frühling. Die Tier- und Pflanzenwelt erwacht, Vögel und Säugetiere bereiten sich auf die kräftezehrende Brutzeit vor, und die Aktivität im Wald nimmt spürbar zu. Begegnungen mit Wildtieren werden jetzt wahrscheinlicher.

Ein großer Vorteil dieser Jahreszeit ist, dass die Belaubung zu dem Zeitpunkt noch nicht stark vorangeschritten ist und somit sowohl Sicht als auch Lichteinfall innerhalb des Waldes deutlich besser sind. Häufig bildet sich im Frühjahr bei feuchten Wetterbedingungen auch Nebel und sorgt für eine mystische Atmosphäre im Wald.

Die beste Tageszeit im Wald sind die frühen Morgen- und die späten Abendstunden, da hier das Aktivitätshoch der Tiere ist. Vögel kann man zu der Zeit auch besonders gut hören, da viele hier ihren Gesangshochpunkt haben. Auch wenn man die Vogelarten dann nicht direkt sieht, kann man so schon mal ihr Habitat und ihren Aktionsradius eingrenzen, um beim nächsten Besuch gezielt nach einer bestimmten Art zu suchen. Generell lässt es sich, je nach Jahreszeit, aber ganztägig in Wäldern fotografieren, denn durch die belaubten Dachkronen dringt teils nur wenig direktes, hartes Licht herein, und das kannst du dir zunutze machen.

Feldhase im Bärlauch
Ein Feldhase im Bärlauch. [600 mm | f6,3 | 1/320 s | ISO 640 | −1 EV]

Im April und Mai erwartet dich im Wald mit der Bärlauchblüte ein ganz besonderes Erlebnis. Zu dieser Zeit wird der Waldboden an geeigneten Standorten mit einem weißen Blütenteppich überzogen, und es duftet überall herb nach Knoblauch. Besonders feuchte, schattige Laub- oder Auwälder in der Nähe von Bachläufen bieten ideale Bedingungen für das Wachstum von Bärlauch. Jetzt brauchst du nur noch ein wenig Glück, und vielleicht kannst du ein Tier zwischen den weißen Blüten festhalten!

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In Moor und Heide mit der Kamera unterwegs

Im späteren Verlauf des Frühlings, wenn die Temperaturen im Tagesverlauf ansteigen, entstehen am Morgen oft ideale Nebelbedingungen. Der hohe Wasserstand und die ausgeprägte Feuchtigkeit im Moor oder in Talsenken bieten dafür beste Voraussetzungen. Besonders günstig sind Nächte mit deutlicher Abkühlung, gefolgt von einem spürbaren Temperaturanstieg am Tag. Kommt dazu noch Windstille, stehen die Chancen für die Bildung von Bodennebel besonders gut.

Rohrspatz auf Zweig
Im Frühjahr kommt Leben in das Moor. [600 mm | f6,3 | 1/1000 s | ISO 800 | +0,3 EV]

Moore wirken im Nebel oft besonders geheimnisvoll und zeitlos. Mit etwas Glück lassen sich unter diesen Bedingungen auch Tiere entdecken, die ruhig im Schutz des Nebels stehen oder lautlos über die stillen Moorseen gleiten. Nebel sorgt stets für ein sehr weiches, gleichmäßiges Licht und wirkt wie ein natürlicher Diffusor, der das harte Sonnenlicht weichzeichnet und Kontraste reduziert. Oft lohnt es sich, die gesamte Nebelphase auszukosten und geduldig zu warten, bis die Sonne schließlich durch die Nebeldecke bricht.

Sobald die Sonnenstrahlen den Dunst durchbrechen, entstehen häufig die eindrucksvollsten Lichtstimmungen. Dabei nimmt die Kamera solche Situationen oft anders wahr als das menschliche Auge. Es empfiehlt sich daher, immer wieder bewusst durch den Sucher zu schauen, um zu beurteilen, wie das spätere Bild tatsachlich wirkt.

Im Frühjahr erwacht zudem das Leben in Moor und Heide. Besonders bei den Vögeln herrscht nun intensive Brut- und Balzaktivität. Gesang und Rufe sind allgegenwärtig und verraten oft schon die Anwesenheit der Tiere, lange bevor du sie entdeckst. Nutze diese akustischen Hinweise gezielt zur Orientierung, um Standorte einzugrenzen und mögliche Motive frühzeitig zu erkennen.

Ein fotografisches Highlight im Frühjahr ist die Wollgrasblüte, wenn sich das Moor in ein weißes Meer verwandelt. Etwa im April und Mai kannst du die weißen Wattebausche beobachten, die allerdings nicht die eigentlichen Blüten der Pflanze sind, sondern die Fruchtstände.

Kraniche in Landschaft
Kraniche im Pietzmoor in der Lüneburger Heide. [600 mm | f6,3 | 1/1000 s | ISO 640 | −0,3 EV]

Zu dieser Jahreszeit lohnt sich ein genauer Blick auf die zahlreichen Kleingewässer, die sich durch das Moor ziehen. Sie dienen vielen Vogelarten als Rückzugsraum, Nahrungsquelle und Aufzuchtgebiet. Fotografisch bieten diese Gebiete großes kreatives Potenzial, insbesondere wenn du mit einer tiefen Perspektive arbeitest und dich so auf Augenhöhe mit dem Motiv begibst. Auch hier profitierst du von windstillen Bedingungen, da sie ruhige Wasseroberflächen und damit spannende Spiegelungen ermöglichen. Diese lassen sich gezielt in die Bildkomposition einbauen und verleihen den Aufnahmen zusätzlich Tiefe und Ruhe.

Versuche außerdem, umliegende Habitatstrukturen wie Gräser, Bäume und Äste bewusst in den Vorder- oder Hintergrund zu integrieren, um dem Bild mehr Struktur und räumliche Wirkung zu geben. Auch leichte Unschärfen im Vordergrund können dabei helfen, den Blick gezielt auf das Hauptmotiv zu lenken.

Heimischen Wildtieren zu begegnen ist immer ein besonderer Moment – ob im Morgengrauen auf einer Wiese, im Stadtpark oder hoch oben in den Bergen. Lea Milde und Anskar Lenzen nehmen dich in ihrem Buch »Wildtiere fotografieren« mit auf ihre Fototouren und zeigen, wie du Rehe, Eulen, Füchse und Steinböcke aufspürst, ohne ihnen zu nahe zu kommen. Anhand vieler Beispielbilder erklären die beiden Wildtierökologen, wie aus flüchtigen Begegnungen berührende Aufnahmen entstehen.

Fotografieren an Deutschlands Küste

Mit den ersten warmen Tagen erwacht das Leben in der Natur, das ist auch an der Küste nicht anders. Der Strandhafer wird saftig grün, und die ersten bunten Blumen sprießen am Strand. Über allem liegt eine besondere Aufbruchsstimmung – auch unter den Tieren. Zugvögel wie die Küstenseeschwalbe kehren von ihren langen Reisen in den Süden zurück, und die Strände füllen sich mit vertrauten Rufen von Rotschenkeln, Sandregenpfeifern und Kiebitzen. Sie alle beginnen zu balzen und ihre Reviere zu besetzen.

Der Frühling ist auch die beste Jahreszeit, um Schweinswale zu beobachten und mit etwas Glück auch zu fotografieren. Besonders geeignet sind die Gewässer vor Sylt und um Borkum sowie die westliche Ostsee, insbesondere in der Eckernförder und Kieler Bucht. Auch im Jadebusen in Wilhelmshaven kann man sie regelmäßig beobachten.

Flussregenpfeifer an der Küste
Flussregenpfeifer haben den Winter über in Afrika verbracht und sind zur Brut im Frühjahr wieder zu uns zurückgekehrt. [600 mm | f6,3 | 1/500 s | ISO 500]

Für uns Fotografinnen und Fotografen ist der Frühling eine Zeit der Neugier und der Geduld. Oft liegt man stundenlang im feuchten Sand und beobachtet aus der Distanz. Man möchte die Tiere in dieser aufregenden Zeit nicht stören. Und dennoch möchte man am liebsten jeden Moment fotografisch festhalten. Die Tage werden länger, das Licht wird weicher, aber die Bedingungen bleiben herausfordernd: Sand, Wind und plötzlich aufziehender Seenebel oder Regen sind nicht nur eine Herausforderung für das Equipment, sondern auch die eigene Geduld und Ausdauer sind gefragt. Doch wenn dann ein Rotschenkel im Gegenlicht die ersten warmen Sonnenstrahlen genießt oder ein Basstölpel mit Nistmaterial vorbeifliegt, weiß man: Der Frühling ist da – und mit ihm beginnt ein neues, aufregendes Jahr an der Küste.

Lea Milde & Anskar Lenzen

Wildtierfotografen Anskar Lenzen und Lea Milde

Lea Milde hat ihre Leidenschaft für Natur und Wildtiere während ihres Wildtierökologie-Studiums vertieft. Ihre Arbeit als Fotografin führte sie in unterschiedliche Lebensräume, von den Regenwäldern Sri Lankas bis zu den offenen Ebenen Afrikas. Lea setzt sich für einen respektvollen Umgang mit Natur und Wildtieren ein. Ihre Bilder teilt sie bei Instagram.

Anskar Lenzen ist Wildtierfotograf und studierter Wildtierökologe. Vor rund zehn Jahren entdeckte er die Fotografie für sich. Mit seinem kreativen Blick und seinem einzigartigen Bearbeitungsstil hat Anskar sich auf Instagram eine große Community aufgebaut. Dort vermittelt er auch Wissen über Natur- und Artenschutz.

Mehr über Anskar Lenzen und Lea Milde erfährst du auf ihrer Website.

Wildtierfotografie in der Stadt

Im Frühling beginnt die Zeit der Jungtiere, und ein Stadtpark oder Garten kann hier schnell zu einem Brut-Hotspot werden. Fuchswelpen, Amselküken, balzende Vögel und tollende Eichhörnchen prägen das Stadtbild. Während Elterntiere in der freien Natur versuchen, ihren Nachwuchs gut versteckt und geheim zu halten, kannst du in der Stadt außergewöhnlich gut Balzverhalten, Nestbau und Jungtierpflege beobachten und sogar fotografieren. Aber vergiss bitte nicht: Auch in der Stadt sollte man immer Abstand halten, auf den Wegen bleiben und Tiere, vor allem mit Nachwuchs, nicht bedrängen!

Besonders im Frühling und Sommer locken Botanische Gärten und historische Parkanlagen mit Blumenfülle, strukturreicher Vegetation und künstlichen Gewässern. Blühende Blumen und saftig grünes Laub eignen sich besonders gut, um das Motiv in Szene zu setzen.

Jungfuchs im Frühling
Dieser Jungfuchs scheint die Blütenpracht im Frühling genauso zu genießen wie wir. [600 mm | f6,3 | 1/500 s | ISO 1600 | −0,7 EV]
Waschbär in der Stadt
Waschbär auf seinem routinemäßigen Beutezug bei einer Fast-Food-Filiale. [28 mm | f2,8 | 1/200 s | ISO 4000 | −0,3 EV]

Auch die langen Tage und lauen Nächte bieten Chancen auf nachtaktive Arten, die tagsüber den Menschen und die Hitze meiden: Waschbären, die durch Hinterhöfe schleichen, Wildschweine, die Vorgärten durchwühlen, und Fledermäuse, die Insekten an einer Straßenlaterne fangen. Jetzt lohnt es sich, mit den Lichtern der Stadt zu spielen und diese gekonnt mit in Szene zu setzen.

Die Texte und Bilder auf dieser Seite stammen aus dem Buch »Wildtiere fotografieren – Die Tierwelt vor deiner Haustür entdecken«.
Oben stehende Fotos: © Anskar Lenzen (1, 3, 4, 5, 7), © Lea Milde (2, 6)

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Neben Wildtieren gibt es in der Natur noch viele weitere Motive, die es zu fotografieren lohnt. Wie dir Nahaufnahmen von Insekten, Blüten und Pilzen gelingen, erfährst du in unserem Artikel zur Makrofotografie. Auf unserer Seite zur Urlaubsfotografie findest du Inspiration für Landschaftsaufnahmen auf Reisen.

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