Fotografieren im Urlaub

Spektakuläre Urlaubsbilder, Fotos von der Reise, die fesseln: Die ausgewählten Fototipps unserer Autoren werden Ihnen dabei helfen, mit eindrucksvollen Bildern aus dem Urlaub zu kommen. Holen Sie sich Ideen für Fotos, die anders aussehen als die typischen Postkartenmotive, und schöpfen Sie Inspiration dafür, wie Sie Klassiker wie Sonnenuntergänge oder Sehenswürdigkeiten ganz neu in Szene setzen können. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Entdecken, Nachmachen und Fotografieren!

Motivtipp 1: Morgenröte – von Hans-Peter Schaub

Früh aufstehen lohnt sich – besonders für Fotografen! Denn neben den sprichwörtlichen Goldtönen wartet der Morgenhimmel mit einer breiten, zuweilen unwirklich bunt erscheinenden Farbpalette auf, die freilich nur für kurze Zeit anhält und sich rasch verändert. Bei leichter Bewölkung reflektieren die Wolken die Rot-, Orange- und Purpurtöne der Sonne, noch bevor sie über den Horizont steigt. Von den Wolken wiederum fällt das farbige Licht zurück auf die Erde und wird, wenn Wasserflächen im Blickfeld sind, von diesen erneut reflektiert.

Sonnenaufgang fotografieren

In den Momenten kurz vor Sonnenaufgang kann man ein besonderes Farbspektakel erleben. Besonders schön werden Bilder dann, wenn man eine Wasserfläche hat, die die Farben spiegelt – hier in der Lippe-Aue bei Hamm, Nordrhein-Westfalen.

Kleinbildsensor | 25 mm | ƒ11 | 4 s | ISO 100 | –1 LW | Grauverlaufsfilter 0,9 ND

Früh am Morgen, der Frühnebel verzieht sich allmählich. Noch ist es ziemlich finster, denn bis zum Sonnenaufgang ist noch eine Stunde Zeit. Ich mag diese stillen, monochromen Morgenstunden in froher Erwartung eines farbigen Spektakels. Das kündigt sich kurz später an. Am Horizont zeigt sich ein rötlicher Streifen, der nach und nach breiter wird. Dort, wo gleich die Sonne über den Horizont steigt, wird das Rot immer heller und wandelt sich zu Orange. Jetzt beginnen die kleinen Wölkchen fast purpurfarben zu glühen. Die aufgehende Sonne strahlt sie an, noch bevor sie über den Horizont gestiegen ist. Die Wolken werfen das farbige Licht zurück auf den ruhig fließenden, nahezu spiegelglatten Fluss, der das himmlische Farbspektakel verdoppelt. Nur wenige Minuten dauert das Schauspiel. Die Sonne steigt über den Horizont, das Licht ist immer noch weich und warm, aber die intensiven Farben verblassen rasch.

Sonnenaufgang fotografieren 2

Der gleiche Aufnahmeort an einem anderen Tag zur selben Jahreszeit. An die Stelle des Farbspektakels treten Dunst und Reif. Kein Morgen gleicht dem anderen, trotzdem wird das frühe Aufstehen meist mit faszinierenden Bildern belohnt.

APS-C-Sensor | 24 mm | ƒ9 | 1/5 s | ISO 100 | –0,3 LW | Grauverlaufsfilter 0,9 ND

Interessant ist es, immer wieder zum selben Aufnahmeort zurückzukommen. Denn kein Tag gleicht dem anderen. Gerade bei Sonnenaufgang tauchen Wetter und Licht die Szene in völlig unterschiedliche Stimmungen. Man kann immer wieder staunen über das, was da in den wenigen Minuten vor Tagesanbruch geschieht, und ich kann mich daran nie sattsehen. Selbst banale Landschaften wirken plötzlich dramatisch, geradezu spektakulär. Vorhersehen lässt sich so etwas allerdings nicht. Denn jeder Morgen hat einfach sein eigenes Gesicht. Haben Sie im Urlaub nicht Zeit für solche Fotos

Landschaftsfotografie - Die große Fotoschule

Autor Hans-Peter Schaub geht es bei der Fotografie vor allem darum, sich auf ein Motiv richtig einzulassen. Heraus kommen atemberaubende Fotos. Suchen auch Sie neue Perspektiven, mehr Stimmung in Ihren Bildern und die besten Location-Tipps?
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Motivtipp 2: Sonne im Sand – von Hans-Peter Schaub

Es soll manchen geben, der ist süchtig danach: Sonnenuntergänge – vor allem solche am Meer. Das Motiv bietet viel. Doch wer es selbst ausprobiert, wird schnell erleben, wie die Faszination schon bald nachlässt. Sonnenuntergangsbilder sehen häufig alle gleich aus. Und doch kann man es anders machen, wenn man das Motiv mal anders interpretiert.

Wenn Sie die Sonne direkt ins Bild nehmen, sind die gestalterischen Optionen übersichtlich. Die Wellen im Meer sind mal mehr, mal weniger hoch, für Abwechslung könnten ein schönes Schiff, ein interessanter Fels im Vordergrund oder ein paar schöne Wolken sorgen, die, von der untergehenden Sonne angestrahlt, kräftige Farben ins Spiel bringen. Doch was tun, wenn sich nichts weiter anbietet als die große Weite auf dem Meer?

Sie können das »Problem« Sonnenuntergangsfoto auf ganz andere Art und Weise lösen – nämlich, indem Sie die Sonne gar nicht direkt ins Bild setzen, sondern sich mit ihrem Spiegelbild befassen. Spiegelbilder der Sonne bilden sich in unterschiedlicher Ausprägung auf sehr feuchtem oder noch von einem dünnen Wasserfilm überzogenen Sand – kurz nachdem die Wellen wieder zurück ins Meer geschwappt sind – oder auch auf nassen Felsen oder Kieseln.

Sonnenuntergang fotografieren Spiegelung

Mindestens genauso schön, wie die untergehende Sonne direkt ins Bild zu nehmen, ist ihr Spiegelbild im nassen Sand. Oft ergeben sich neben dem Sonnenabbild noch zahlreiche Reflexe und Lichtspiele in den Wellen. Diese Bilder wurden am Weststrand des Darß in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen.

Kleinbildsensor | 300 mm | ƒ9 | 1/125 s | ISO 200

Entscheidend bei der Suche nach schönen Sonnenspiegelbildern ist der eigene Standpunkt. Die Spiegelungen verändern sich erheblich mit der jeweiligen Augenhöhe. Suchen Sie leicht erhöhte Punkte, und gehen Sie in die Knie oder legen sich möglichst flach auf den Strand. Das mag zwar bei Passanten Verwunderung hervorrufen, meist sind die aber so damit beschäftigt, andächtig der Sonne beim Untergehen zuzusehen, dass sie Ihre vermeintlichen gymnastischen Übungen gar nicht bemerken. Also nur keine Hemmungen!

Mir gefallen meist die Spiegelungen am besten, bei denen ich die Kamera möglichst tief positioniere und dann nach Möglichkeit noch das Lichterspiel auf dem Wasser ins Bild einbeziehe. So habe ich gestalterisch mehr Optionen. Ich kann beispielsweise die Schärfe auf das sich spiegelnde Sonnenbild direkt im Vordergrund legen oder kann versuchen die Sonnenspiegelbilder im heranschwappenden Wasser einzufangen.

Sonnenuntergang fotografieren Hochformat

Im Hochformat gelingt es – trotz Telebrennweite – sowohl die untergehende Sonne als auch deren Spiegelung im feuchten Sand zu erfassen. Die Schärfe liegt hier auf dem Sand.

Kleinbildsensor | 175 mm | ƒ5,6 | 1/100 s | ISO 200 | +0,7 LW

Sonnenuntergang fotografieren fließen

Auch wenn Sie Sonne gar nicht ins Bild nehmen, können Sie mit dem Licht ihrer Farbe spielen. In diesem Bild fließen durch die Langzeitbelichtung Wasser und rotes Licht zusammen.

Kleinbildsensor | 50 mm | ƒ16 | 1,3 s | ISO 100 | 0,9 ND

Ebenso spektakulär wie die Sonne selbst ist der Abendhimmel, wenn er sich im Meereswasser spiegelt. Das Licht erfährt vielfältige Brechungen und es entstehen unzählige Farbnuancen, die man effektvoll im Bild einfangen kann. Reizvoll kann es sein, in diesen Momenten das Fließen des Wassers durch längere Belichtungszeiten weichzuzeichnen. Schon bei einer halben Sekunde ergeben sich schöne Effekte, wenn nicht nur das Wasser selbst, sondern auch das Licht, das sich auf ihm spiegelt, zu »fließen« beginnt.

Die malerische Wirkung können Sie durch Belichtungszeiten von bis zu zwei Sekunden noch steigern. Darüber hinaus kann es passieren, dass sich die Wellen in einem milchigen Nebel auflösen und die Struktur verloren geht. Da ich mir bezüglich der Wahl der Belichtungszeit alle Optionen offen halten möchte, setze ich in solchen Situationen immer ein Stativ ein, denn selbst der beste Bildstabilisator liefert ab Belichtungszeiten von einer halben Sekunde keine scharfen Bilder mehr.

Lesetipp: In unserem Artikel zur Landschaftsfotografie finden Sie mehr über das Fotografieren von fließendem Wasser und Sonnenuntergängen – inkl. praktischer Tipps unserer Autoren.

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Motivtipp 3: Im Gegenlicht – von Kyra und Christian Sänger

Gegenlichtsituationen am Tage sind meistens nicht das, was sich der Landschaftsfotograf am meisten wünscht. Sie stehen für heftige Kontraste und ausgebrannte Bildareale, dort wo die Sonne im Bild auftaucht. Dennoch lässt sich aus der Not auch eine Tugend machen und die Sonne kreativ als spannendes Bildelement nutzen. Wenn Ihnen also wieder mal die Sonne von vorne entgegenscheint, suchen Sie Objekte wie Felsen oder auch Bäume, hinter denen Sie die Sonne verstecken können. Die Kunst besteht darin, die Sonne nicht vollständig hinter dem Motiv zu versenken, sondern sie nur teilweise abzudecken. Das führt zu interessanten Effekten wie Sonnensternen oder Lichtexplosionen und lässt meist auch genug Licht zu, damit die der Kamera zugewandte Seite des Motivs nicht völlig im Schatten abtaucht. Um die Strahlen der Sonne möglichst konkret ins Bild zu bekommen, schließen Sie die Blende am besten so weit wie möglich.

Felsen im Gegenlicht

Die Spitze des Felsens deckt nur einen kleinen Teil der Sonne ab. Es kommt zu einer etwas überirdisch wirkenden Lichtexplosion auf dem Gipfel, die aber nicht unangenehm überstrahlt.

13 mm | ƒ22 | 1/100 s | ISO 100 | –0,3 EV

Weiterer Tipp für Ihr Urlaubsfoto mit Gegenlicht: Bei lichtdurchlässigen Pflanzen bietet das Gegenlicht eine tolle Gestaltungsoption. Durch den Lichteinfall von hinten ergibt sich ein sanftes Spiel von Licht und Schatten in den Blättern, und die feinen Härchen des Stiels heben sich vom Hintergrund ab und bringen diese zum Leuchten. Probieren Sie es mal aus!

In unserem Artikel Licht in der Fotografie finden Sie alle Infos zur Lichtqualität, Lichtrichtungen und zum Weißabgleich. Und im Artikel Die hyperfokale Distanz lernen Sie, wie Sie Landschaften durchgängig scharf aufnehmen.

Naturfotografie – Der große Fotokurs

Unsere Autoren Kyra und Christian Sänger sind professionelle Fotografen und erfahrene Fachbuchautoren. Die Naturfotografie ist ihre Leidenschaft. In ihrem Buch »Naturfotografie – Der große Fotokurs«. verraten sie Ihnen viele Techniken und Ideen, die Ihre Landschafts- und Reisebilder auf ein neues Niveau bringen werden.

Motivtipp 4: Lange Belichtung am Wasserfall – von David Köster

Wasserfälle sind ein beliebtes Motiv in der Landschaftsfotografie. Viele Menschen sind fasziniert von den naturgewaltigen Fluten, die rauschend in die Tiefe stürzen. Die Bewegung des Wassers bringt Leben in jedes Naturfoto, weil es in dynamischem Kontrast zu den sonst statischen Landschaftselementen steht.

Sie kennen sicherlich die Motive aus Kalendern und Postkarten, bei denen das Wasser ein geheimnisvolles, seidiges Aussehen hat. Diese märchenhafte Anmutung gelingt, indem Sie mit längeren Verschlusszeiten fotografieren. Tagsüber sind diese ohne Filter kaum zu realisieren, da das Bild dann überbelichtet werden würde. In diesen Fällen kommt der Neutraldichtefilter (ND-Filter) zum Einsatz. Er reduziert das Licht, das durch das Objektiv einfällt, und erlaubt längere Verschlusszeiten.

Langzeitbelichtung am Wasserfall

Wasserkaskaden aus der Froschperspektive ergeben eine dramatische Impression.

19 mm | ƒ11 | 1 s | ISO 100 | ND8­Filter, Grauverlaufsfilter

Tipp: Große Wasserfälle versprühen nicht nur viel Charme, sondern meist auch viel Wasser in der Luft. Das gefährdet Ihre Ausrüstung und Ihre Fotos. Wassertropfen auf der Frontlinse oder auf Filtern machen die Aufnahmen meist unbrauchbar. Daher sollten Sie vor jeder Auslösung prüfen, ob Ihre Optik frei ist von Feuchtigkeit, und sie bei Bedarf mit einem fusselfreien Tuch (zum Beispiel Mikrofaser) abwischen. Idealerweise suchen Sie sich eine windabgewandte Fotoposition oder warten windfreie Momente zum Auslösen ab.

Wasserfall im Herbst

Der Herbst ist eine ideale Jahreszeit, um Wasserfälle aufzunehmen.

22 mm | ƒ13 | 3 s | ISO 30 | Polfilter, GND8­Filter

Verschlusszeit? Blende? Die technischen Zusammenhänge finden Sie auf unserer Infoseite Technische Grundlagen der Fotografie. Tipps zur Drohnenfotografie, speziell eine Kaufberatung und Drohnenregeln, lesen Sie hier.

Fotografieren in der Natur

Landschaftsfotograf David Köster inszeniert in seinen Arbeiten am liebsten wilde Naturkulissen. Sein Markenzeichen sind epische Perspektiven, dramatische Lichtstimmungen und eine atmosphärische Bildsprache. Im Buch »Fotografieren in der Natur« sehen Sie, wie auch Ihre Reisefotos besonders spektakulär werden.

Motivtipp 5: Den Mond fotografieren – von Katja Seidel

Ob am Strand, auf der Bergalm oder in heimischer Natur – ein sternenklarer Himmel mit einem imposanten Vollmond ist für Fotografen immer ein Spektakel und besonders faszinierend. Haben Sie sich schon mal daran versucht? Wenn ja, werden Sie gemerkt haben, dass es gar nicht so einfach ist, den Vollmond in seiner ganzen Pracht aufs Bild zu bannen. Schnell scheitern Autofokus und Automatikmodus Ihrer Kamera, und am Ende haben Sie nicht mehr als einen enttäuschenden hellen Fleck auf dem Bild. Dabei können Sie schon mit wenig Aufwand alles richtig machen, und Sie benötigen noch nicht mal eine besonders teure Kamera.

Mondkrater

Diese Detailaufnahme des Mondes entstand zehn Tage vor Vollmond und zeigt eindrucksvoll die Krater und Gebirge auf der Mondoberfläche. Für solch ein Ergebnis muss die Kamera ganz still stehen und die Belichtungszeit auf den Punkt eingestellt werden.

300 mm (480 mm im Kleinbildformat) | ƒ8 | 1/200 s | ISO 200

Sie benötigen gar nicht viel für ein tolles Mondbild: ein möglichst stabiles Stativ, eine Kamera mit manueller Belichtungseinstellung und Live-View-Funktion, ein Teleobjektiv mit mindestens 200 oder 300 mm (alternativ einen Telekonverter) und einen Fernauslöser, wobei hier auch der kamerainterne Selbstauslöser eingesetzt werden kann.

Nehmen Sie die folgenden Einstellungen vor: Wählen Sie den manuellen Modus und einen ISO-Wert von 100 oder 200. Je nach Mondhelligkeit sollte die Blende zwischen f5,6 und f11 stehen und die Belichtungszeit zwischen 1/20 und 1/250 s eingestellt werden. Wenn Ihre Kamera die Möglichkeit bietet, aktivieren Sie die Spiegelvorauslösung. Hilfreich ist es außerdem, die Helligkeit des Displays zu dimmen.

Gehen Sie anschließend nach draußen an einen Standort mit Blick auf den Mond und setzen Ihre Kamera auf das Stativ. Stellen Sie den Objektivfokus auf »Unendlich«, die Feinjustierung erfolgt später. Platzieren Sie den Mond zunächst vertikal mittig in der linken Bildhälfte im Sucher der Kamera und fixieren Sie diese Position auf dem Stativkopf. Aktivieren Sie die Live View der Kamera, und stellen Sie die maximale Vergrößerung ein, z. B. »x10«. Hierbei sollten Sie die Hell-Dunkel-Grenze mit den Kratern in den Fokusbereich setzen. Stellen Sie die genaue Belichtungszeit anhand des Live-View-Bildes ein, wobei die Mondoberfläche nicht als überstrahlter Bereich, sondern mit entsprechender Struktur dargestellt sein sollte.

Fokussieren Sie als nächstes exakt in der maximalen Vergrößerung der Live-View-Ansicht. Häufig liefert der Autofokus auf einen stark strukturierten Bereich des Mondes bereits einen guten Ausgangspunkt. Vor der eigentlichen Aufnahme sollte der Autofokus jedoch deaktiviert sein. Achten Sie außerdem darauf, dass die Krater des Mondes auf jeden Fall möglichst scharf im Display erscheinen.

Mond fotografieren Liveview

Der abnehmende Mond auf dem Display der Kamera mit 5-facher Vergrößerung. In dieser Ansicht können Sie hervorragend die Belichtung einstellen. Die Mondkrater sollten dabei richtig zur Geltung kommen.

Verlassen Sie jetzt den Live-View-Modus der Kamera, und lösen Sie aus. Ideal ist ein Fernauslöser, im Falle eines Selbstauslösers sollte dieser auf mindestens 2 Sekunden eingestellt sein. Kontrollieren Sie die Aufnahme über die maximale Vergrößerung der Bildvorschau der Kamera. Wichtig ist hier neben der Schärfe auch die Helligkeit der Mondoberfläche. Es sollten keine Stellen überbelichtet sein, was Sie z. B. mit Hilfe des Histogramms oder der Überbelichtungswarnung in der Kamera überprüfen können.

Sie werden sehen, dass Sie mit dieser einfachen Vorgehensweise bereits an sehr gute Aufnahmen gelangen. Vielleicht müssen Sie Blende und Belichtungszeit noch ein wenig nachjustieren. Keinesfalls sollten Sie aber länger als 1/20 s belichten, denn dann führt die Bewegung des Mondes schon zu Unschärfe!

Lesetipp zum Thema Fokussierung: Richtig fokussieren lernen – So meistern Sie den Autofokus und den manuellen Fokus!

Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung

Autorin und Astrofotografin Katja Seidel ist ein Nachtmensch, denn nur zu später Stunde findet sie ihre spektakulären Motive am Himmel. Möchten Sie selbst Sterne, Startrails, Wetterleuchten oder die Milchstraße fotografieren? Ohne teure Spezialausrüstung? In ihrem Buch »Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung« erfahren Sie, wie es geht – und zahlreiche Tipps dazu.

Motivtipp 6: Tierfotos im Zoo – von Lambert Heil

Um einen Tiger vor die Kamera zu bekommen, müssen Sie nicht gleich eine Safari in Afrika antreten. Mein Rat: Beginnen Sie im heimischen Zoo oder einem Zoo auf Ihrer Reise damit, die Tiere kennen und fotografieren zu lernen. Beobachten Sie Bewegungsabläufe, Körperhaltungen und Kopfstellungen, um ein Stück weit voraussagen zu können, was die Tiere als Nächstes tun. Und nicht zuletzt ist ein Zoo oder Wildpark auch der ideale Platz, um neue Ausrüstung in Ruhe zu testen.

Fotografieren im Zoo Tiger

Die beiden Tiger lagen ein paar Meter voneinander entfernt, als einer von ihnen plötzlich aufstand. Seien Sie auf solche Momente gefasst. Halten Sie den liegenden Tiger im Fokus, und drücken Sie im Serienbildmodus ab, wenn der andere ins Bild läuft. Tierpark Hellabrunn, München

300 mm | ƒ4 | 1/2000 s | ISO 400

In der Tierfotografie kommt es vor allem aufs Objektiv an. Sie sollten mindestens 200 mm Brennweite dabei haben. Noch besser sind 300 mm oder mehr, um die Tiere nah heran holen zu können. Auch eine hohe Lichtstärke – etwa f2,8 bei 200 mm oder f4 bei 300 mm – ist von Vorteil, gerade wenn Sie in dunklen Häusern fotografieren wollen. Nicht zuletzt sorgt ein schönes Bokeh dafür, dass Gitter und Gehege besser verschwimmen.

Als Grundeinstellungen in der Kamera habe ich mit einem mittleren AF-Punkt, Serienaufnahme mit mittlerer Bilderzahl und einem hohen ISO-Wert von mindestens ISO 800 gute Erfahrung gemacht. Von diesen Werten kann ich mich schnellstmöglich an situationsbedingte Einstellungen herantasten.

Der Vorteil des mittleren AF-Punktes ist, dass ich damit am schnellsten bin, wenn ich eine interessante Situation im Sucher sehe. Wenn Sie länger auf eine schnelle Bewegung eines Tieres warten, ist es hilfreich, mehrere Messfelder zu aktivieren und mit einem AF-Modus zu arbeiten, der die Schärfe nachführt. Ich nutze diese Einstellung allerdings nur bei fliegenden Vögeln, da sie mich sonst einschränkt und ich durch die vielen nahen und entfernten Hindernisse im Bild, die den Autofokus stören, mehr Ausschuss produziere.

Die meisten meiner Bilder mache ich mit der Blendenvorwahl (auch Zeitautomatik) und mit offener Blende, also kleiner Blendezahl, um die Tiere freistellen zu können. Die kurze Belichtungszeit wird dabei von der Kamera gewählt. Die Zeitvorwahl (Blendenautomatik) verwende ich nur bei Vögeln, um Schärfe und Unschärfe im Flug kontrollieren zu können. Wenn Sie in dunklen Häusern, im Wald eines Tierparks oder durch eine lichtschluckende Glasscheibe fotografieren müssen, sollten Sie dennoch versuchen, die Belichtungszeiten so kurz wie möglich zu halten. Um Verwacklungen zu vermeiden, halten Sie sich an die gute alte Regel, dass die Belichtungszeit nicht länger ist als der Kehrwert Ihrer Brennweite sein sollte. Etwa über 1/300 s lang ist eine Brennweite von 300 mm kaum hinreichend still zu halten.

Fotografieren im Zoo und Wildpark

Bei einem Übungsflug bleibt ein Falke fast über mir stehen. Schnell wechsle ich zur Zeitvorwahl, um den Vogel in seiner schnellen Flatterbewegung scharf zu bekommen. Tierpark Hellabrunn, München

200 mm | ƒ5 | 1/4000 s | ISO 800

Mein Rat: Wenn Sie schöne Tierfotos machen möchten, machen Sie den nächsten Zoo oder Tierpark zu ihrem zweiten Zuhause. Oder suchen Sie sich im Urlaub einen Zoo für besonders tolle Urlaubsfotos. Nutzen Sie einen guten Standort, an denen die Umgebung wenig stört. Sie werden viele Motive vor die Kamera bekommen, denen Sie nicht ansehen werden, dass sie in Gefangenschaft aufgenommen worden sind. Vor allem aber bekommen Sie ein Gefühl für die Tierfotografie, von dem Sie auch in freier Wildbahn ganz sicher profitieren werden.

Tierfotografie – Die Fotoschule in Bildern

Autor Lambert Heil ist als Tierfotograf und Zoopädagoge sowohl im Tierpark Hellabrunn als auch in Afrika zu Hause. In seinem Buch »Tierfotografie – Die Fotoschule in Bildern« gibt er Ihnen unzählige Tipps, mit denen Sie die Kunst erlernen, wilde Tiere vor die Kamera zu bekommen und in den richtigen Situationen auszulösen.