Landschaftsaufnahme mit Steinen im Vordergrund und Bergen im Hintergrund, vollständig scharf

Die hyperfokale Distanz

In der Landschaftsfotografie wünschen sich viele Fotografen, dass die Bilder durchgängig scharf sind – im Vordergrund wie im Hintergrund. Das entspricht unserer Sehgewohnheit, wenn unser Auge über die Tiefe einer Landschaft gleitet. Sie wollen also die maximale Schärfentiefe. Fokussieren Sie in diesen Fällen auf die sogenannte hyperfokale Distanz.

1. Definition: Was ist die hyperfokale Distanz?

Die hyperfokale Distanz ist die Entfernung, die Sie am Objektiv einstellen, um eine Schärfentiefe vom Vordergrund bis unendlich zu erzielen. Sie ist keine feste Größe. Für jede Brennweiten-Blenden-Kombination gibt es genau eine Fokusdistanz, die die Schärfentiefe optimal ausnutzt. Dabei reicht der scharfe Bereich im Bild von der halben Fokusdistanz bis unendlich.

Ein Rechenbeispiel aus der Praxis:

Wenn der Autofokus Ihrer APS-C-Kamera das Objektiv mit 50 mm Brennweite auf eine Entfernung von 12 Metern scharfstellt und Sie Blende ƒ8 benutzen, erstreckt sich die Schärfe von etwa 7 Meter bis 51 Meter. In diesem Beispiel wäre die Person im Vordergrund scharf abgebildet, der Wald im Abstand von 80 Metern, also im Hintergrund, dagegen nicht.

Infografik mit Mensch und Tier im Vordergrund und Bäumen in der Ferne

Bei einer Fokusdistanz von 16 Metern sind bei gleicher Blendenöffnung die Person und der Wald scharf. Sie vergrößern den scharfen Bereich durch einen bewusst anders gelegten Fokuspunkt. Die eingestellte Entfernung von 16 Metern ist die hyperfokale Distanz. Damit ist der Punkt gemeint, ab dem auch Objekte, die in der Unendlichkeit liegen, noch scharf abgebildet werden. Der gesamte scharfe Bereich erstreckt sich in diesem Fall von der halben fokussierten Distanz (im Beispiel also etwa 8 Meter) bis unendlich.

Praxistipp: Wenn Sie Ihre Landschaftsaufnahme nicht manuell auf die hyperfokale Distanz fokussieren wollen, können Sie sich ein Objekt suchen, das groß in der hyperfokalen Entfernung liegt – im Beispiel oben ist das der Hund. Fokussieren Sie per Autofokus auf den Hund und damit in diesem Beispiel auf die hyperfokale Distanz! Know-how zum Fokussieren und zum Autofokus finden Sie in unserem Ratgeber Richtig fokussieren lernen.

 

2. Wovon hängt die Hyperfokaldistanz ab?

Die hyperfokale Entfernung ist abhängig von drei Faktoren:

  • Zerstreuungskreis
  • Blende
  • Brennweite

Der Zerstreuungskreis wird von der Größe des Bildsensors und seiner Auflösung bestimmt. Er definiert, wann ein Punkt noch als scharf wahrgenommen wird. Je größer der Sensor, desto kleiner ist die hyperfokale Entfernung. Mehr Infos zur Fototechnik inkl. Sensor und Blende finden Sie in unserem Ratgeber zu den technischen Grundlagen der Fotografie.

Eine weit geschlossene Blende verkleinert die hyperfokale Distanz. Deshalb sollten Sie bei dieser Technik mit Werten von ƒ8 oder höher arbeiten.

Je größer die Brennweite Ihres Objektivs ist, desto größer ist auch die Hyperfokaldistanz. Bei Telebrennweiten ist sie demzufolge sehr groß. Das heißt, Sie müssen auf ein weiter entferntes Objekt scharfstellen, um die größtmögliche Schärfentiefe zu erreichen. Bei einer Brennweite von 200 mm an einer Vollformatkamera reicht die Schärfentiefe auch bei Blende ƒ32 nur von etwa 25 Metern bis unendlich – der Vordergrund bleibt unscharf.

 

3. Theorie und Praxis: So ermitteln Sie die hyperfokale Distanz

Sie können die Hyperfokaldistanz auf unterschiedliche Weise ermitteln:

Schärfentiefeskala am Objektiv: Einen guten Richtwert liefert die Entfernungsangabe auf dem Entfernungsring Ihres Objektivs, sofern vorhanden – die Schärfentiefeskala. Sie zeigt an, wie weit sich die Schärfeebene bei einem gewählten Blendenwert erstreckt und erlaubt das relativ präzise Einstellen der hyperfokalen Distanz. So geht's: Stellen Sie das Unendlich-Symbol der Distanzskala, also die liegende Acht, auf den Wert der eingestellten Blende, im Beispiel unten Blende ƒ11. Nun sehen Sie auf der mittleren Skala eine 11 auf der linken und eine 11 auf der rechten Seite der Mittelstellung (Unendlich-Symbol). Die linke Angabe zeigt den Beginn des Schärfebereichs auf der oberen Skala, der rechte Wert dessen Ende.

Fokusdistanz am Objektiv ablesen

Links ist das Objektiv auf unendlich eingestellt. Bei ƒ11 beginnt der scharf erscheinende Bereich bei 1,5 Metern und endet – theoretisch – weit hinter unendlich. Stellen Sie nun das Unendlich-Symbol auf die rechte 11 der Skala, können Sie an der linken 11 ablesen, dass sich die Schärfentiefe nun von etwa 0,7 Meter bis unendlich erstreckt. Sie haben dadurch im Vordergrund nahezu einen Meter an Schärfentiefe gewonnen.

Smartphone-App Hyperfocal

Smartphone-App: Die perfekte Fokusdistanz können Sie per Smartphone-App ermitteln, etwa mit TrueDoF oder Hyperfocal oder HyperFocal Pro. Sie geben die Brennweite und die gewünschte Blende ein. Die App berechnet Ihnen die exakte Hyperfokaldistanz und die Schärfentiefe, die sich dabei ergibt. Der Screenshot zeigt die App Hyperfocal.

Faustformel: Die Objektivbrennweite in Millimetern geteilt durch 10 entspricht der Entfernung in Metern. Konkret: Bei 16 mm Brennweite stellt man das Objektiv auf ca. 1,6 Meter ein. Diese Regel gilt für kurze Brennweiten (< 35 mm) und für große Blendenwerte (> 11) und liefert in der Praxis eine brauchbare Näherung. Der Schärfebereich beginnt bei der halben Fokusdistanz, hier bei 80 Zentimetern, und reicht bis unendlich.

Mit der Abblendtaste die Schärfentiefe kontrollieren


Wenn Sie durch den Sucher oder aufs Display schauen, sehen Sie Ihr Motiv nicht mit der für die Aufnahme gewählten Blendenöffnung, sondern stets durch die maximale Blendenöffnung Ihres Objektivs.

Die Abblendtaste an der Kamera

Um beim Fotografieren ein Gefühl für die Schärfentiefe zu erhalten, können Sie bei Spiegelreflexkameras die sogenannte Abblendtaste nutzen. Durch das Drücken der Taste wird die Blende auf den eingestellten Blendenwert geschlossen, und Sie können die tatsächliche Schärfentiefe des späteren Fotos besser beurteilen. Sehr komfortabel lässt sich diese Technik im Live-View und in der Vergrößerung einsetzen. Sie zoomen sich in den relevanten Bildbereich hinein und erkennen schnell, ob die Schärfe dort ist, wo sie benötigt wird. Spiegellose Kameras simulieren diesen Effekt.


Der Naturfotograf Hans-Peter Schaub empfiehlt in seinem Buch Landschaftsfotografie – Die große Fotoschule folgende Methode ohne weitere Hilfsmittel: Fokussieren Sie bei Landschaftsaufnahmen mit einer großen Tiefenausdehnung nicht auf unendlich, sondern auf einen Punkt in etwa einem Drittel der Distanz zum entferntesten Bildbereich. Schließen Sie die Blende dabei auf maximal ƒ11 bei Four-Thirds-Sensoren, ƒ16 bei APS-C-Sensoren oder ƒ22 bei Sensoren im Kleinbildformat, so erstreckt sich die Schärfe im Bild über einen deutlich weiteren Bereich als beim Einsatz des Autofokus (abhängig vom anvisierten Fokuspunkt) oder einer Fokussierung auf den entferntesten Punkt. Wer unbedingt den Autofokus verwenden möchte, wählt ein Messfeld an, das in etwa in der genannten »Drittelentfernung« fokussiert. Durch Probieren entwickeln Sie mit der Zeit ein Gespür dafür, wie Sie bei welcher Brennweite fokussieren müssen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Um den Reiz von Landschaftsaufnahmen richtig einzufangen und wiederzugeben, brauchen Sie Schärfe von den vorderen Bildelementen bis zum Horizont. Die drei folgenden Fotos von Hans-Peter Schaub gehören zu seinen Lieblingsbildern. Und alle sind durchgehend scharf.

Sie wollen es beim Fotografieren noch genauer wissen?

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