Weidenzweige über einem See

Landschaftsfotografie:
So gelingen spektakuläre Landschaftsaufnahmen

Egal, wo wir uns draußen bewegen, wir sind immer in einer Landschaft: Berge, Ebenen, Schluchten, urbane Regionen, Wälder, Wüsten, Ozeane – all dies sind Formen von Landschaften. Wenig verwunderlich ist es daher, dass Landschaften zu den beliebtesten Motiven in der Fotografie zählen; schließlich gibt es davon reichlich.

Tatsächlich ist es einfach, Landschaften zu fotografieren. Smartphone aus der Tasche, Kamera aktivieren, klick! – Und schon hat man die Umgebung im Bild festgehalten und kann seinen Eindruck direkt mit Freunden überall auf der Welt teilen. So einfach Landschaftsfotografie einerseits sein kann, so anspruchsvoll ist sie, wenn es darum geht, in Bildern mehr zu vermitteln als topografische Fakten. Hier bekommen Sie Tipps für Ihre besten Landschaftsfotos!

Landschaftsfotografie als großartige Facette der Naturfotografie

Landschaftsfotografie ist überall möglich und keineswegs nur an den vielbesuchten touristischen Hotspots. Jede Form von Landschaft von der Industriebrache bis zum entlegenen Hochgebirgszug kann großartige Motive Landschaftsbilder liefern – wenn Sie nur Ihr »geistiges Auge« immer offenhalten.

Erle an der Lippe bei Hamm

Erle an der Lippe bei Hamm: Frühmorgens kommt es nach kühlen Nächten oft zu Nebelbildung. Zusammen mit dem Licht der aufgehenden Sonne können sich außergewöhnliche Lichtstimmungen für Ihr Motiv ergeben, die sehenswerte Bilder ermöglichen. Von Hans-Peter Schaub [80 mm | 1/40 s | ƒ 14 | –0,3 LW | ISO 100]

Eine Landschaft ist geprägt von der Topografie, von geologischen Gegebenheiten und der Vegetation, die sie bedeckt. Für unsere Wahrnehmung von Landschaften sind aus Sicht der Fotografie weitere Faktoren von mindestens ebenso großer Bedeutung: Tageszeit, Jahreszeit, das sich mit diesen beiden Faktoren und dem jeweiligen Wetter permanent wandelnde Licht, zuweilen auch Tiere oder Menschen, die sich in der Landschaft bewegen.

Wir verstehen die Landschaftsfotografie als wichtige Teildisziplin der Naturfotografie, die wiederum auch die Fotografie von Tieren und Pflanzen einschließt.

Licht »lesen« und gestalterisch nutzen

Licht ist in der Landschaftsfotografie das wirkungsvollste Gestaltungsmittel, und gleichzeitig ist der Einfluss, den Sie als Fotograf darauf haben, auf den ersten Blick scheinbar gering. Während Sie im Fotostudio oder auch in der Makrofotografie Licht nahezu nach Belieben formen und beeinflussen können, sind Sie in der Landschaftsfotografie im Wesentlichen auf das Licht angewiesen, das die Natur hergibt und buchstäblich vom Himmel kommt.

Unsere Möglichkeiten der Lichtführung bestehen in erster Linie darin, zu genau der Tageszeit vor Ort zu sein, die das für die beabsichtigte Bildwirkung geeignete Licht verspricht, oder den Standpunkt so zu wählen, dass der Bildausschnitt exakt so ausgeleuchtet wird, dass es der Bildidee gerecht wird. Daher ist eine gute Planung wichtig, das Studieren von Landkarten, die Analyse von Wetterprognosen kombiniert mit dem Wissen um den sich mit der Tages- und Jahreszeit ändernden Lichteinfall der Sonne. Eine Reihe speziell an den Bedürfnissen von Landschaftsfotografen orientierter Smartphone-Apps wie »The Photographer’s Ephemeris«, »PlanIt Pro« oder »PhotoPills« machen das relativ einfach und erleichtern das Planen ungemein.

Zum Thema Wetterprognose empfehlen wir Ihnen unseren Bestseller Fotografieren mit Wind und Wetter – Wetter verstehen und spektakulär fotografieren!.

Der Darßwald im letzten Licht

Der Wald am Weststrand des Darß im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft leuchtet an klaren Tagen für kurze Zeit im Licht der untergehenden Sonne. [135 mm | 0,8 s | ƒ 14 | ISO 100]

Der Darßwald nach Sonnenuntergang

Exakt zwei Minuten und 9 Sekunden später: Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden, das Licht entsprechend weniger kontrastreich, und die Farben sind kühler. [40 mm | 0,6 s | ƒ 16 | ISO 100 | −1,3 LW]

Merke: In den Tagesrandzeiten, also Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, sind die Optionen am größten, um mit Licht zu gestalten.

Für Sie gilt: Emotional ansprechende Landschaftsfotografie wird von der Lichtstimmung im Bild geprägt. Freundlich, trist, dramatisch, melancholisch, bedrückend – es ist letztendlich immer das Licht, das für die vom Betrachter empfundene Stimmung verantwortlich ist. In diesem Zusammenhang empfehlen wir Ihnen unseren Artikel Licht in der Fotografie.

Landschaftsmotive überall vor der Haustür


Regenbogen

Landschaftsfotografie braucht Ruhe und Entschleunigung. Viele Fotografen finden diese besondere Zutat auf Reisen und lassen sich erst dann auf die Umgebung, die Lichtstimmung und die Farbspiele ein. Jedoch: Vor der eigenen Haustür geht das auch! Überall warten spannende Motive auf Sie.

 

Landschaften spektakulär fotografieren

»Nichts ist schlimmer als ein scharfes Bild mit einem verschwommenen Konzept«, sagte Ansel Adams, der große Meister der Landschaftsfotografie, einmal. Gutes Fotografen-Handwerk und gekonnte Bildgestaltung können fehlenden Bildinhalt und Emotionen nicht ersetzen. Technik und Gestaltung sind lediglich Hilfsmittel, um dem Betrachter die Inhalte und Emotionen besser zugänglich zu machen.

Landschaftsfotografie: Spiel mit dem Horizont

Die Grafik eines Bildes, die Verteilung von Formen und Linien, führt den Blick des Betrachters durch das Bild. Gekonnt eingesetzt, ist sie ein wirkungsvolles Mittel, um die Prioritäten im Bild zu vermitteln. Und um deutlich zu machen, was Ihnen wichtig ist und was nur als Beiwerk dient.

Landschaften mit hohem und tiefem Horizont

In der Landschaftsfotografie geht es häufig um die Position des Horizonts. Enthält ein Foto einen Horizont, stellt er eine mehr oder weniger deutliche Trennlinie zwischen meist höchst unterschiedlichen Bildelementen dar. Himmel und Erde oder Himmel und Meer beziehungsweise die ausgedehnten Wasserflächen eines Sees oder großen Flusses werden durch den Horizont getrennt. Ein tief liegender Horizont betont den Himmel, und interessante Wolkenformationen sowie spektakuläre Farbspiele am Morgen- oder Abendhimmel sind gute Argumente dafür, den Horizont weit unten im Bild zu platzieren. Ist hingegen der Vordergrund Ihres Motivs besonders interessant, zum Beispiel eine bunte Blumenwiese oder eine interessant strukturierte Sandfläche am Strand, bietet es sich an, den Horizont weit nach oben zu verlagern. Solche Landschaftsbilder ziehen den Betrachter in ihren Bann!

Alle Regeln der Bildgestaltung, vom Goldenen Schnitt bis zur Linienführung im Bild, gelten natürlich universell – so auch in der Fotografie von Natur und Landschaften. Wir empfehlen Ihnen unseren Artikel zur Bildkomposition in der Fotografie.

Den Sonnenuntergang fotografieren

Sonnenuntergang am Meer

Sie sollten Ihre Kamera vor Ort gleich auf einem Stativ installieren, denn zu Beginn erfordert die noch etwas moderate Beleuchtung längere Belichtungszeiten. Als Blende empfiehlt sich ein typischer Landschaftsfotografie-Wert von ƒ 8 bis maximal ƒ 16, um ausreichend Schärfentiefe ins Bild zu bekommen. Bei Aufnahmen vom Stativ aus nutzen Sie im Sinne einer ausgezeichneten Bildqualität eine geringe Lichtempfindlichkeit bis ISO 200. Zu guter Letzt wird ein reverser Grauverlaufsfilter vor der Linse installiert. Dieser dunkelt den Bereich über dem Horizont, in dem die helle Sonne zu erwarten ist, stärker ab als den Himmelsbereich darüber. Dadurch lassen sich die Kontraste am besten ausgleichen, und Sie können eine ausgewogene Belichtung Ihres Fotos erzielen. Ein Fernauslöser macht das Fotografieren bequem und verwacklungsfrei.

Das Bild des Sonnenuntergangs ist vom Vordergrund bis zum Horizont scharf, wie es Landschaftsfotografen häufig anstreben. Wie das geht, erklärt und zeigt Ihnen unser Artikel zur hyperfokalen Distanz.

Jahreszeiten – Landschaftsmotive gibt es das ganze Jahr

Eine Landschaft ist alles andere als statisch. Veränderungen ergeben sich im Tagesverlauf, während dessen zumeist das Licht für den veränderten Eindruck verantwortlich ist, aber auch längerfristig im Verlauf eines Jahres. Diesen Wandel mit Kamera und Objektiv zu verfolgen lässt ihn uns bewusster wahrnehmen und vermeintlich bekannte Motive in immer wieder neuen Facetten schimmern.

Frühlingsgefühle: Farben mit dem richtigen Filter in Szene setzen


Grüne Wiese im Südschwarzwald nach dem Winter: der Frühling kommt

Den Wandel vom Winter zum Frühling nehmen wir am intensivsten wahr, denn die austreibende Vegetation verändert besonders prägnant das Bild der Landschaft. Das zarte Grün der jungen Buchenblätter, die ersten Blüten, die oft dichte Teppiche bilden – all das lässt sich in tollen Landschaftsbildern festhalten. Polfilter für satte Farben nicht vergessen!

Summertime: die beste Zeit für die Goldene Stunde

Der Sommer ist für Landschaftsfotografen eine besonders anstrengende Jahreszeit. Die Tage sind sehr lang, und das schönste Licht in den frühen Morgen- und späten Abendstunden – die sogenannte Goldene Stunde – lässt nur wenig Zeit für Schlaf.

Tipp: Gehen Sie an regnerischen Sommertagen in den im Wald! Die Feuchtigkeit bringt intensive Farben in die sommerliche Vegetation, die an trockenen Tagen gar nicht erkennbar sind. Die Borken der Bäume glänzen dunkel, das Moos leuchtet kräftig grün, während es an trockenen Tagen nur matt graugrün erscheint.

Die Farben des Herbstes im Foto einfangen


Landschaft des Oberrheintals im goldenen Licht

Ende Oktober oder Anfang November beginnt bei uns die »goldene« Jahreszeit. Sie hat natürlich vor allem in Regionen ihren Reiz, in denen Laubwälder dominieren. Herbstliche Wälder zählen zu den attraktivsten Motiven in der Landschaftsfotografie. Natürlich ist der Kontrast zwischen gelbem, rotbraunem und rotem Laub und einem stahlblauen, von kleinen weißen Wölkchen besiedelten Himmel ein klassisches Wunschmotiv.

Winter mit Eis und Schnee sorgt für farbliche Kontraste

Der Winter treibt Fotografen oft zur Eile, denn die Zeit ist knapp angesichts der kurzen Tage. Er hat hierzulande verschiedene Gesichter. Während im Flachland Schnee die Ausnahme ist, erleben die Bewohner der Mittelgebirge und der Hochgebirgsregionen den Winter, der dem Klischee gerecht wird: reichlich Schnee, verschneite Wälder, sich unter der Schneelast beugende Baumgestalten. Und damit tolle Landschaftsmotive!

Auch im Flachland werden Sie lohnende Motive für Ihre Landschaftsbilder entdecken. Knorrige Baumgestalten offenbaren erst ohne Blätterkleid ihre filigrane Aststruktur. Im diffusen Licht werden feinste Details und Strukturen erkennbar. So bildet sich in Gewässernähe nach klaren, kalten Nächten oft Raureif auf Bäumen und Büschen. Kommt dann noch die Sonne hinzu, ergeben sich durchaus atemberaubende Motive.

Berge und Gebirge fotografieren

Gebirgslandschaften sind für Fotografen harte Arbeit: extreme Dreidimensionalität, völlig unterschiedliche Witterungsbedingungen je nach Jahreszeit und Höhenlage sowie starke Wetterschwankungen. Dass sich die sportliche Anstrengung aber lohnt, beweisen die vielen beeindruckenden Fotos.

Gebirge

Was packen Sie ein? Aufgrund der teils langen Fußmärsche im Gebirge heißt es: jedes Kilo zählt. Dennoch: Um Landschaften aufzunehmen, ist natürlich ein Weitwinkelobjektiv mit Anfangsbrennweite von mindestens 24 mm die erste Wahl, aber auch ein Normalzoom um die 50 mm Brennweite leistet gute Dienste. Polfilter für gesättigte Farben sind zu empfehlen, genauso wie Graufilter für weiche Wasseraufnahmen. Hilfreich ist außerdem ein handliches Reisestativ aus Carbon mit einem möglichst leichten Stativkopf. Zusammen mit der Kamera plus Getränk, Futter und Schutzkleidung kommen einige Kilo zusammen. Weitere Tipps zur Ausrüstung

Fließendes Wasser mit Langzeitbelichtung fotografieren

Wasser spielt in unzähligen Aufnahmen die erste Geige. Welche Möglichkeiten gibt es nun, Wasser in der Landschaftsfotografie besonders attraktiv in Szene zu setzen? Da Wasser sich oftmals in Bewegung befindet und zudem an seiner Oberfläche Reflexionen erzeugt, gibt es zahlreiche Gelegenheiten für attraktive Bilder. Ein paar Anregungen und Tipps für starke Landschaftsfotos mit fließendem Wasser bekommen Sie im Folgenden.

Wasserwirbel eines Baches mit langer Belichtungszeit links und kurzer Belichtungszeit rechts

Ein fotografischer Klassiker: Schnellen Fließgewässern und Wasserfällen können Sie eine gänzlich unterschiedliche Ästhetik verleihen, indem Sie mit extremen Belichtungszeiten spielen. Um Wasser knackig scharf darzustellen, braucht es eine möglichst kurze Belichtungszeit. Im Allgemeinen sollten Sie eine Belichtungszeit von höchstens 1/1000 Sekunde verwenden, um spritzendes Wasser scharf darzustellen. Mit längeren Zeiten werden die Wassertropfen unscharf. Bei Bedarf müssen Sie mit dem ISO-Wert hochgehen, um die kurze Belichtungszeit realisieren zu können. Diesen Zusammenhang finden Sie in unserem Artikel zu den technischen Grundlagen der Fotografie genau erklärt.

Wenn Sie Wasser mit langen Belichtungszeiten verwischen möchten, müssen Sie Ihre Aufnahme bei hellem Tageslicht lang genug belichten. Selbst wenn Sie den ISO-Wert auf das Minimum setzen und die Blende maximal schließen, reicht es oftmals nicht aus, um wirklich lange Belichtungszeiten von mehreren Sekunden realisieren zu können – es trifft immer noch zu viel Licht auf den Sensor. Für eine solche Langzeitbelichtung tagsüber benötigen Sie einen Neutraldichtefilter. Wählen Sie die passende Stärke, sodass Sie je nach Umgebungshelligkeit ein für die gewünschte Belichtungszeit passenden Dichtegrad auswählen können.

 

Fototechnik und Ausrüstung für Landschaftsfotografen

Kamera mit Filter

Eines vorweg: Landschaftsfotografie ist mit jeder Art von Kamera möglich. Gleichwohl ist es sinnvoll, sich einige Gedanken zur Ausrüstung zu machen, denn natürlich lässt sich durch eine wohlüberlegte Zusammenstellung das Spektrum an Möglichkeiten beträchtlich erweitern. Hier finden Sie einige Anregungen, wie Sie eine möglichst vielseitige Ausrüstung zusammenstellen können.

Die technischen Anforderungen an eine Kamera sind in der Landschaftsfotografie erheblich geringer als in anderen Bereichen der Naturfotografie, etwa in der Tier- oder Makrofotografie. Die Geschwindigkeit des Autofokus ist ebenso wenig von Bedeutung wie die maximale Bildfrequenz.

Welches Objektiv für Landschaftsbilder?

Objektive spielen die wichtigste Rolle in der Landschaftsfotografie. Und folgende Objektive sind für Landschaftsfotos besonders relevant:

Weitwinkelobjektiv


Landschaftsaufnahme eines Vulkans mit einem Weitwinkelobjektiv

Gerade wenn es um Landschaften geht, die großräumig beeindrucken, möchten wir dem Betrachter gerne dasselbe Gefühl von Wildheit und Weite vermitteln, das wir vor Ort selbst empfunden haben. Um solche Landschaften spektakulär in Szene zu setzen, sind Weitwinkelobjektive die richtige Wahl. Mit ihnen ist es möglich, einen besonders breiten Ausschnitt des Szenarios auf den Sensor zu bannen. Mit kurzen Brennweiten zwischen 12 und 35 mm sind Weitwinkelobjektive im Allgemeinen recht handlich, auch wenn es im High-End-Bereich durchaus auch schwere Vertreter ihrer Art gibt.

Wichtig zu wissen ist, dass mit Weitwinkelobjektiven aufgenommene Bilder generell eine hohe Schärfentiefe aufweisen, weil die Brennweite niedrig und der Abbildungsmaßstab gering ist. Beides bewirkt eine hohe Schärfenausdehnung im Bild. Daher ist es bei Landschaftsaufnahmen normalerweise gut möglich, alle Elemente des Bildes detailliert abzubilden, es sei denn, es wird auf ein sehr nahegelegenes Objekt fokussiert.

Standardobjektiv

Als Standardobjektive werden Optiken bezeichnet, die Brennweiten vom gemäßigten Weitwinkelbereich bis in den Telebereich hinein besitzen und um die sogenannte Normalbrennweite herum variieren. Vereinfacht: Objektive mit einer Brennweite von 50 mm werden als Normalobjektive im Vollformat bezeichnet. An einer APS-C-Kamera liefert ein Objektiv mit etwa 30 mm Brennweite einen vergleichbaren Bildausschnitt.

Der Brennweitenbereich von Standardzoomobjektiven liegt meist bei ca. 24 mm bis 70 mm (Vollformat) oder 18 mm bis 55 mm (APS-C). Standardobjektive sind bei Landschaftsaufnahmen immer dann gut einsetzbar, wenn es darum geht, einen bestimmten Ausschnitt zu setzen, um z. B. störende Elemente auszublenden, die nicht auf dem Bild zu sehen sein sollen. Das können Stromleitungen, Windräder oder auch einfach ein Verkehrsschild sein.

Teleobjektiv


Baum vor Bergen, aufgenommen mit einem Teleobjektiv

Wenn Sie ganz bestimmte Komponenten eines Landschaftsszenarios genauer zeigen möchten, sind Teleobjektive die richtige Wahl. Sie lassen Motive näher und größer erscheinen. Dem Empfinden nach rücken das fokussierte Objekt und der Hintergrund näher aneinander, sodass die räumliche Ausdehnung des Hintergrunds enger wirkt, was zu einem komprimierteren Gesamteindruck der Landschaft beiträgt. Auch um Landschaftsbereiche darzustellen, an die Sie nicht näher herankommen, sind Teleobjektive hilfreich.

Mit 200 mm Brennweite lässt sich der weit entfernte Baum prominent ins Bild nehmen. Die räumlich gestaffelten Bildebenen verdichten sich durch die lange Brennweite zu einem fast flächigen Gebirgsmotiv.

In unserem Artikel zu den technischen Grundlagen der Fotografie bekommen Sie diese optischen Zusammenhänge der Fototechnik ausführlich erklärt. Außerdem empfehlen wir Ihnen unseren Artikel zur Mondfotografie.

Filter in der Praxis: die kleine Filterkunde

Trotz der vielfältigen Möglichkeiten, die uns die Bildbearbeitung und speziell die moderne RAW-Entwicklung mit Lightroom & Co. bietet, gibt es immer noch Anwendungen, die besser gleich beim Aufnehmen der Bilder mit optischen Filtern bewerkstelligt werden.

Polfilter


Polfilter zum Aufschrauben

Wenn bei schönem Wetter mit blauem Himmel ein paar Wolken unterwegs sind, können Sie den zirkularen Polfilter auf das Objektiv schrauben. Denn um den Himmel intensiver erscheinen zu lassen und die Wolken mit mehr Zeichnung darzustellen, ist der Polfilter genau das richtige Hilfsmittel. Zu beachten ist dabei lediglich, dass die Richtung, aus der die Sonne kommt, entscheidend für die Wirkung des Filters ist. Für eine starke Filterwirkung sollte die Sonne etwa im 90-Grad-Winkel von der Seite kommen, nicht von vorne oder von hinten. Allerdings ist bei Weitwinkelobjektiven etwas Vorsicht geboten, denn bei zu starker Filterung macht sich am Himmel ein ungleichmäßiger Helligkeitsverlauf breit, was unnatürlich aussehen kann.

Landschaft mit normalen Farben, aufgenommen ohne Filter

Ohne Polfilter zeigt das Bild normale Farben

Landschaft mit satten Farben und Konturen, aufgenommen mit Polfilter

Mit Polfilter werden die Farben satter

Auch beim Fotografieren von Blättern können Sie den Polfilter nutzen, da er die Grüntöne intensiver erscheinen lässt. Der Polfilter sorgt für ein frisches Grün und gibt Ihren Bildern mehr Esprit.

See mit Reflexion des Wassers, aufgenommen ohne Filter

Ohne Polfilter reflektiert das Wasser

See mit Blick auf den Grund, da weitgehend ohne Reflexionen des Wassers, aufgenommen mit Polfilter

Mit Polfilter erkennt der Betrachter den Grund des Sees

Spiegelnde Wasserflächen verbergen oft interessante Details. Mit dem Polfilter lassen sie sich sichtbar machen. Dabei können Sie über das Drehen des Filters sehr genau steuern, was sichtbar werden soll. Der Filter mindert die Reflexionen so weit, dass es einigermaßen möglich ist, zu erkennen, was sich unter der Wasseroberfläche tummelt.

In der Praxis ist zu bedenken, dass ein Polfilter eine eingefärbte Glasfläche besitzt und dadurch je nach Modell 0,5 (hochtransparente Filter) bis zwei Blenden (Standardfilter) Licht schluckt. Es ist also notwendig, einen der Belichtungsparameter Zeit, Blende oder ISO-Wert an der Kamera entsprechend anzupassen.

Neutraldichtefilter (Graufilter)

Der ND-Filter oder Graufilter ermöglicht trotz guter Lichtverhältnisse eine besonders lange Belichtung. In erster Linie nutzen Sie ihn, um Wasserbewegungen ineinanderfließen zu lassen. Anders ist das Verwischen von bewegtem Wasser oder Wolken für besonders ästhetische Aufnahmen oftmals nicht realisierbar, da das Bild bei Tageslicht und mit der Einstellung einer langen Belichtungszeit völlig überbelichtet wäre.

Aufnahme einer Landschaft mit Wolkenwischer, aufgenommen tagsüber mit einem Graufilter

Um Wolken bewegungsunscharf abzubilden, sind schon ziemlich lange Belichtungszeiten erforderlich, die tagsüber ohne Neutralgraufilter nicht zu erreichen sind. [36 mm | 30 s | ƒ 16 | ISO 200 | +0,3 LW | Neutralgraufilter ND 3,0]

Achten Sie in der Praxis auf den sogenannten ND-Wert. Beim ND-Wert handelt es sich um einen Verlängerungsfaktor für die Belichtungszeit. Diese muss um den Faktor des ND-Wertes verlängert werden – bei ND2 also um das Doppelte, bei ND10 um das Zehnfache. Die Tabelle unten erfasst die relevanten Faktoren. So können Sie die zwischen den einzelnen Herstellern nicht immer einheitlichen Angaben interpretieren, um letztendlich den passenden Filter zu finden. Praxistipp: Besonders universell und variabel ist der ND 1,8/64× (siehe Fettung in der Tabelle), der bei sehr hellem Tageslicht und nur mäßig geschlossener Blende bereits recht lange Belichtungszeiten ermöglicht.

FilterdichteVerlängerungsfaktorBlendenstufen
ND 0,321
ND 0,642
ND 0,983
ND 1,8646
ND 3,01.00010
ND 4,010.00013
ND 6,01.000.00020

So nutzen Sie den Graufilter richtig:

Der Einsatz eines starken Graufilters setzt eine besondere Arbeitsweise voraus, denn es kann sein, dass Sie im Sucher überhaupt nichts mehr sehen können. Daher folgende Tipps:

  1. Stativ aufstellen
    Wenn Sie einen Graufilter benutzen, wollen Sie eine möglichst lange Belichtungszeit ereichen. Also gehört die Kamera auf das Stativ.
  2. Bildausschnitt wählen
    Legen Sie den Bildausschnitt fest, bevor Sie den Graufilter vor das Objektiv setzen. Denn sobald das Sucherbild dunkel wird, kann es schwierig bis unmöglich werden, den Bildausschnitt zu beurteilen.
  3. Fokussieren
    Sie können den Autofokus nutzen, um den Schärfepunkt festzulegen. Danach sollten Sie den Autofokus abschalten, da er bei aufgesetztem Graufilter nicht mehr funktionieren wird und es zu einer Fehlfokussierung kommen könnte.
  4. Belichtung messen
    Auch die Belichtung sollten Sie messen, bevor der Filter aufgesetzt wird. Benutzen Sie den manuellen Belichtungsmodus M, da die Automatik eventuell nicht funktioniert.
  5. Graufilter aufsetzen
    Jetzt können Sie den Graufilter vor das Objektiv setzen. Ein starker Graufilter ist so dunkel, dass eventuell weder der Autofokus noch die Belichtungsmessung funktionieren.
  6. Belichtungszeit berechnen
    Für eine korrekte Belichtung müssen Sie die Belichtungszeit berechnen. In der Anleitung zu Ihrem Filter finden Sie eine entsprechende Tabelle.
  7. Belichten
    Nun können Sie Ihr Foto aufnehmen. Nutzen Sie einen Fernauslöser und bei Spiegelreflexkameras die Spiegelvorauslösung.

Tipp: Geld sparen mit Adapterringen und Filterhaltern

Set von Adapterringen

Wenn Sie den Filter auf Objektiven mit unterschiedlichen Frontlinsendurchmessern verwenden möchten, kommt es deutlich günstiger, einen Filter mit dem Durchmesser Ihres größten Objektivs zu erwerben. Diesen können Sie dann mit günstigen Step-up-Adapterringen auch an Objektiven mit geringerem Durchmesser befestigen. Alternativ können Sie sich natürlich auch für ein Stecksystem entscheiden, bei dem die rechteckigen Filterplatten in einen Filterhalter geschoben werden.

Verlaufsfilter

Felsen mit und ohne Verlaufsfilter

Ohne Filter (links) ist der Himmel stark überstrahlt, was sich auch in der RAW-Entwicklung nicht vollständig ausgleichen lässt. Mit einem Grauverlaufsfilter (rechts) bekommt der Himmel eine schöne Struktur und Farbe. [18 mm | ƒ 8 | 3,2 s | ISO 100]

Die dritte Filtersorte, die Fotografen immer wieder einsetzen, sind Verlaufsfilter und in erster Linie Grauverlaufsfilter. Verwendung finden sie vor allem bei stark kontrastierenden Motiven. Bestes Beispiel dafür ist das Szenario strahlend heller Himmel und verhältnismäßig dunkle Landschaft. Der Grauverlaufsfilter dunkelt den hellen Teil des Motivs ab und lässt das Licht des dunkleren Teils komplett durch. Dadurch werden die Helligkeitsunterschiede zwischen den beiden Bereichen ausgeglichen, sodass die Kontraste nicht aus dem Ruder laufen.

Weitere Ausrüstung: Vom Stativ bis zur Gegenlichtblende

Für die Landschaftsfotografie ist ein Stativ wärmstens zu empfehlen – trotz zunehmend leistungsfähigerer Bildstabilisatoren. Je nach Szenario und Lichtsituation kann der Einsatz eines Dreibeins unumgänglich werden, wenn mit Belichtungszeiten von etwa 1/30 s oder länger wirklich scharfe Aufnahmen auf der Speicherkarte landen sollen. Neben der Verwacklungssicherheit ist mit einem Stativ auch eine wesentlich präzisere Ausrichtung der Kamera möglich, was bei der Bildgestaltung von Vorteil sein kann.

Stative als festes Dreibein und als Biegestativ

Dreibein muss sein – alternativ und bei einer leichten Kamera auch als Biegestativ mit flexibel biegbaren Beinen, z.B. den GorillaPod. Diese lassen sich an Geländern, Ästen und allem, was die Beine umschlingen können, befestigen.

Das Stativ sollte einen soliden Stand sowie eine hohe Belastbarkeit aufweisen und wenig anfällig für windbedingte Vibrationen sein. Dies bieten vor allem die Doppelrohr-Stative, die häufig im Videobereich eingesetzt werden, sowie Einrohrstative mit besonders stabilen Standbeinen. Für das Aufstellen auf unebenem Gelände sollten sich die Beine unabhängig voneinander abspreizen lassen, denn das gewährleistet maximale Flexibilität.

Was brauchen Sie noch? Sicher einen Fotorucksack, um Ihre Ausrüstung sicher transportieren zu können. Stabil und wetterfest. Achten Sie auf einen Brust- und Hüftgurt, um schmerzenden Schultern und Verspannungen vorzubeugen – Rucksäcke werden schnell recht schwer. Eine Halterung außen für Ihr Stativ ist empfehlenswert.

Sinnvollerweise sollten Sie eine Gegenlichtblende (oft auch als Sonnen- oder Streulichtblende bezeichnet) verwenden, vor allem dann, wenn das Licht nicht direkt, sondern seitlich auf die Frontlinse trifft. Diese Sonnenblende schützt zudem ganz gut vor Regentropfen und hält sehr effektiv schädliche Dinge, wie Äste oder Ähnliches, von der Frontlinse fern, wenn man mal abseits der Wege durch Wälder streift.

 

Mehr in unseren Büchern:

Das vollständige Know-how für Ihre besten Bilder finden Sie in unseren Büchern! Sie machen gern Landschaftsfotos? Hier ist unser aktuelles Buchprogramm mit zahlreichen Tipps für Ihre Lieblingsmotive. Sie wollen einfach gut fotografieren lernen? Bitteschön!