Richtig fokussieren lernen

Richtig fokussieren lernen:
So meistern Sie den Autofokus und den manuellen Fokus!

Schärfe ist eine Grundvoraussetzung für gute Fotos. Aber nur Scharfstellen ist nicht alles: In vielen Fällen ist es gerade das Zusammenspiel von Schärfe und Unschärfe, das aus Ihrem Foto einen Hingucker macht. Wie Sie den Autofokus Ihrer Kamera einstellen, um perfekt zu fokussieren, erfahren Sie im Folgenden. Außerdem finden Sie einen ersten Einblick in das manuelle Fokussieren.

1. Schärfe und Unschärfe

Was ist Schärfe? In einem scharfen Bild sollte ein Punkt in der Schärfeebene auch exakt punktförmig auf dem Sensor abgebildet werden. Dann ist das Foto scharf. Die Schärfeebene ist der Bereich des Motivs, auf den Sie fokussieren. Alle anderen Motivbereiche, die vor oder hinter dieser Schärfeebene liegen, werden zunehmend unscharf dargestellt. Aus einem Punkt wird ein mehr oder weniger großer Kreis. Diese Unschärfe ist allerdings ein Gestaltungsmittel und kein Fehler wie eine ungewollt verwackelte Aufnahme.

Portrait einer Eule mit scharfgestelltem Gefieder und unscharfem Hintergrund

Ein hochauflösender Bildsensor in Kombination mit einem hochwertigen Objektiv kann feinste Federstrukturen noch detailliert und extrem scharf darstellen.

Die Schärfentiefe eines Bildes ist eines der zentralen Gestaltungsmittel in der Fotografie. Über die Schärfentiefe können Sie steuern, welche Bereiche vor und hinter dem Hauptmotiv ebenfalls scharf abgebildet werden. Treffen Sie die folgende Entscheidung bewusst, auch als Einsteiger: Wollen Sie Ihr Motiv mit einer geringen Schärfentiefe – also einer selektiven Schärfe – oder mit hoher Schärfentiefe – und damit durchgängigen Schärfe – aufnehmen? Mit einer geringen Schärfentiefe ist oft nur ein Bildelement scharf abgebildet, wodurch der Blick bewusst auf ebendieses Objekt gelenkt wird. Der Hintergrund bildet dabei eine unscharfe Kulisse.

Übrigens: Wenn Ihnen der Begriff Tiefenschärfe begegnet, ist die Schärfentiefe gemeint. Korrekt heißt es »Schärfentiefe« – gemeint ist schließlich die Tiefenausdehnung der Schärfenzone, nicht die Schärfe in der Tiefe. ;-)

Praxistipp für Porträts: Porträts, auch Tierporträts, werden gern mit selektiver Schärfe fotografiert, also mit offener Blende. Damit stellen Sie als Fotograf sicher, dass der Hintergrund unscharf ist und wenig »stört«. Alles zur Schärfentiefe und dem Zusammenhang mit der Blende finden Sie in den technischen Grundlagen der Fotografie.

Durchgehend scharfe Landschaft

Praxistipp für Landschaften: Landschaftsaufnahmen erfordern meist durchgängige Schärfe, um das Foto an unsere Wahrnehmung anzupassen. Idealerweise fokussieren Sie auf die sogenannte Hyperfokaldistanz, um die höchste Schärfentiefe für eine bestimmte Brennweiten-Blenden-Kombination zu erreichen. Wie Sie diese Distanz für die Fokussierung bestimmen, lernen Sie in unserem Ratgeber zur maximalen Schärfentiefe mit der hyperfokalen Distanz.

Hinweis: Für den Schärfeeindruck eines Fotos kommt es auch auf die Auflösung Ihres Bildes an. Diese ist abhängig von der Pixelzahl des Sensors, den Eigenschaften Ihres Objektivs sowie des Bildformats. Je höher die Pixelzahl Ihrer Kamera bzw. je kleiner das endgültige Bildformat, desto schärfer wirkt das Bild. Aber Achtung: Ein falsch fokussiertes Bild wird auch durch eine hohe Pixelzahl nicht scharf.

2. Scharfstellen mit dem Autofokus

In dem Moment, in dem Sie Ihren Auslöser antippen, stellt die Kamera bei aktiviertem Autofokus auf das anvisierte Objekt scharf. Wie der Autofokus dabei arbeitet, können Sie mit der Kameraeinstellung beeinflussen. Im Folgenden lesen Sie, was dabei zu beachten ist.

Die Messfelder des Autofokus im Sucher bzw. im Live-View

Spiegelreflexkameras haben viele Autofokus-Messfelder, in diesem Fall 45. Das reicht, um den Fokuspunkt genau an der richtigen Stelle im Bild zu positionieren.

Autofokus-Messfelder

Mit der Wahl des richtigen Autofokusfeldes stellen Sie sicher, dass Ihr Motiv an der gewünschten Stelle scharf ist. Einige Kameras bieten nur ein zentrales Fokusfeld an, andere 50 unterschiedliche Felder oder noch mehr. Sie können natürlich für jede Aufnahme das Autofokusfeld individuell einstellen. Sie werden merken, dass diese Methode gerade bei bewegten Motiven wie Menschen oder Tieren äußerst langsam und daher unpraktisch ist.

Porträt einer Frau mit aktivem Fokus auf dem vorderen Auge

Im fotografischen Alltag hat sich dabei die Nutzung des zentralen Autofokusfeldes bewährt – mit folgendem Trick: Stellen Sie mit dem mittleren Autofokusfeld auf das gewünschte Bildelement scharf, und halten Sie den Auslöser halb gedrückt, ohne auszulösen – die Fokussierung wird dadurch gespeichert. Danach können Sie die Kamera schwenken, und wenn Sie den idealen Bildausschnitt gefunden haben, lösen Sie aus.

Tipp: Bei Fotos von Lebewesen – ob Mensch oder Tier – gilt die Regel: Die Augen müssen scharf sein! Achten Sie darauf, dass je nach Gesichtshaltung mindestens ein Auge richtig scharf ist – nach Möglichkeit jenes, das der Kamera am nächsten ist, wenn Sie das Gesicht schräg von der Seite fotografieren.

Autofokusmodi

Statische Motive wie eine Landschaft oder bewegte Motive beim Sport stellen ganz unterschiedliche Anforderungen an die Steuerung des Autofokus. Ihre Kamera bietet Ihnen dafür drei Betriebsarten an:

  • Schärfepriorität
  • Schärfenachführung
  • Intelligenter Autofokus

Die gängigste Autofokusmethode ist die sogenannte Schärfepriorität. Sie ist für statische, unbewegte Motive gedacht. Sie stellt einmal auf das Motiv scharf und löst nur bei richtiger Scharfstellung aus. Bei Nikon-Kameras heißt dieser Modus AF-S (S steht für single), bei Canon One Shot.

Springender Hund in Bewegung, scharf abgebildet

Der Autofokusmodus Schärfenachführung verändert die Schärfe kontinuierlich, um einem bewegten Motiv zu folgen. Bei Nikon heißt dieser Modus AF-C (C steht für continuous), bei Canon AI Servo. Anders als bei der Schärfepriorität löst die Kamera in diesem Modus auch dann aus, wenn keine 100 %ge Scharfstellung erreicht wurde. Dies ist vor allem bei Serienbildern von Vorteil, da die Kamera hier kontinuierlich auslöst.

Die dritte Autofokusmethode, der sogenannte intelligenten Autofokus, kombiniert die beiden zuvor genannten Methoden miteinander. Die Kamera soll selbstständig erkennen, ob das Motiv in Bewegung ist oder nicht, und den passenden Autofokusmodus einschalten. Bei Nikon heißt dieser Modus AF-A (A steht für auto), bei Canon AI Focus.

Tipp: Viele Fotografen präferieren die beiden erstgenannten Autofokus-Methoden, denn sie wissen dann genau, wie sich die Kamera verhält.

Fokussieren im Gegenlicht


Porträt im Gegenlicht, also mit Licht von hinten Richtung Kamera

Haben Sie schon einmal beobachtet, dass Ihre Kamera beim Scharfstellen im Gegenlicht oder bei schlechten Lichtverhältnissen Schwierigkeiten hat? Grund dafür ist der geringe Kontrast, den die Kamera zum Fokussieren zwingend benötigt. Am schwierigsten ist es, wenn die Sonne direkt ins Objektiv scheint. Der Autofokus fährt vor und zurück, die Kamera »pumpt« und findet keinen Schärfepunkt. Versuchen Sie in einem solchen Fall, eine klar definierte Kante mit möglichst großem Hell-Dunkel-Kontrast zu finden, und stellen Sie auf diese scharf.

Lesetipp: Hier erfahren Sie mehr zum Thema Licht in der Fotografie.

3. Manuell fokussieren

Nicht immer liefert der Autofokus ein perfektes Ergebnis. Unter Umständen sind die Kontraste im Bild zu gering, oder die Kamera verfügt in dem Bereich, in dem Sie scharfstellen möchten, nicht über ein geeignetes Autofokusfeld. Dann müssen Sie von Hand, also manuell, fokussieren.

So gehen Sie vor:

Schalter für den manuellen Fokus
Blüte mir Markierung für die Schärfe

  • Zunächst schalten Sie an Ihrer Kamera oder am Objektiv vom Autofokus (AF) in den manuellen Fokus (MF) um. Auch wenn es unlogisch klingt, stellen Sie ein Autofokusfeld ein, das nahe am gewünschten Schärfepunkt liegt.
  • Nutzen Sie den Fokusring am Objektiv, um die gewünschte Schärfeebene einzustellen.
  • Verwenden Sie neben dem Sucher auch die Vergrößerungsoption im Display. Die bis zu 10-fache Vergrößerung erleichtert Ihnen das exakte Scharfstellen.
  • Einige Kameras bieten das sogenannte Focus Peaking (von englisch focus = Bildschärfe und peaking = überspitzen). Dabei werden auf dem Kameradisplay im Live-View-Modus die scharfgestellten Bereiche Ihres Fotos mit eingefärbten Konturen angezeigt (siehe Foto). Auch dieses Hilfsmittel erleichtert das manuelle Fokussieren entscheidend.

Hinweis: Manuell fokussieren sollten Sie beispielsweise in der Mondfotografie.

Zwei Tipps aus der Praxis des manuellen Fokussierens:

  • Kontrollieren Sie bei manueller Fokussierung regelmäßig die Dioptrieneinstellung Ihres Suchers. Ist er falsch eingestellt oder hat er sich im Laufe der Zeit unabsichtlich verstellt, wird Ihnen der Sucher nicht die richtige Schärfe anzeigen.
  • Stellen Sie am Ende der Fotosession den Fokusschalter auf Autofokus (AF) zurück, damit Sie beim nächsten Einsatz nicht versehentlich im manuellen Fokus fotografieren. Vor allem bei weitwinkligen Objektiven und weit entfernten Motiven fällt Ihnen diese Einstellung unter Umständen nicht sofort auf, und in der Folge sind alle Bilder unscharf.

Fazit: So erstellen Sie das schärfste Bild der Welt

Knackscharfes Makro

Sie kennen nun die technischen Möglichkeiten, mit denen Sie knackscharfe Fotos aufnehmen können. Die folgende Übersicht stellt alle Methoden zusammen, die zum ultimativ fokussierten Bild führen:

  • Stellen Sie eine kurze Belichtungszeit ein.
  • Wählen Sie eine Blende, die eine ausreichende Schärfentiefe erzeugt.
  • Blenden Sie nicht zu stark ab, da sonst die sogenannte Beugungsunschärfe auftritt. Verwenden Sie für eine möglichst große Schärfentiefe Werte zwischen ƒ8 und maximal ƒ16.
  • Fokussieren Sie exakt auf das gewünschte Objekt Ihres Motivs – bei Bedarf auch mit manuellem Fokus.
  • Nutzen Sie den Live-View-Modus für eine genaue Platzierung des Fokuspunkts.
  • Stellen Sie die Kamera auf ein Stativ.
  • Lösen Sie mit Fernauslöser oder Fernbedienung aus.
  • Aktivieren Sie bei einer Spiegelreflexkamera die Spiegelvorauslösung.
  • Nutzen Sie die Streulichtblende, um Reflexionen zu verringern.


Lesetipps: In unserem Artikel Fotografieren lernen für Anfänger finden Sie praktische Tipps für den Start in das Hobby Fotografie. Und im Artikel zur Bildkomposition in der Fotografie lernen Sie alles zur guten Gestaltung Ihrer Bilder.


Sie wollen es beim Fotografieren noch genauer wissen?

Unsere Fotoschulen zeigen und erklären alles zur Schärfe und Unschärfe in der Fotografie sowie alles zu den Einstellungen rund um Fokus und Messfelder – und wie Sie dieses Wissen für die Gestaltung Ihrer Fotos anwenden können. Lernen Sie alles von Grund auf, um selbst richtig gute Fotos zu machen.