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Drohnenfotografie
Kaufberatung und Drohnenregeln

Wir alle erfreuen uns an den neuen und spektakulären Perspektiven, die uns Drohnenfotos bieten. Damit wir mit der »richtigen« Drohne abheben können, braucht es das nötige Know-how. Gleiches gilt, um keine rechtlichen Fehler zu machen. Genau dieses Know-how finden Sie im folgenden Beitrag.

Kaufberatung: Die richtige Drohne finden

von Julius Krebs und Sebastian Sperner

Der Markt für Fotodrohnen wächst stetig, und es gibt sowohl für den Einsteiger als auch für den Profi das passende Modell. Im Folgenden beschreiben wir Ihnen die Unterschiede zwischen den Preisklassen und zeigen Ihnen Beispielmodelle.

Für Einsteiger Es gibt inzwischen kamerabestückte Drohnen, die mehr sind als ein Spielzeug: sogenannte Minidrohnen. Sie sind handlich und leicht, haben aber nur eine geringe Reichweite und eine sehr kurze Akkulaufzeit. Preislich liegen diese etwa zwischen 500 und 800 €. Zu den Features, auf die Sie beim Kauf achten sollten, gehören die Hinderniserkennung, die dafür sorgt, dass die Drohne nicht am nächsten Baum zerschellt, und die Rückkehrfunktion (RTH für Return to Home), die sicherstellt, dass die Drohne ihren Weg zurück zum Piloten findet, bevor der Akku abläuft oder falls die Funkverbindung abreißt.

Ansonsten bieten die verschiedenen Hersteller eine ganze Reihe von Funktionen an. Manche Minidrohnen können dank intelligenter Flugprogramme einen markierten Ort autonom ansteuern und Objekte umkreisen oder solche verfolgen, die sich bewegen (beispielsweise ein Auto oder Fahrrad). Solche Programme sind hilfreich, da Sie Ihre ganze Konzentration auf die Kamera richten können. Ein Gimmick, das Spaß macht, ist die Gestensteuerung. Damit lassen sich von überall her schnelle Selfies schießen, die Drohne folgt auf Handzeichen und landet auf der flachen Hand wie ein abgerichteter Vogel. Die Gesichtserkennung sorgt dafür, dass die Drohne ihren Besitzer findet. Hochwertige Minidrohnen funktionieren auch über FPV (First Person View), wobei die Perspektive der Drohne live auf das Steuerungsgerät oder die Videobrille übertragen wird.

Was allerdings einen entscheidenden Qualitätsunterschied ausmacht, der sich im Preis niederschlägt, ist die Qualität der Aufnahmen. Ob eine Minidrohne zu mehr taugt als zu einem witzigen Schnappschuss, zeigt sich an der Bildauflösung. Wenn Sie Ihre Drohnenfilmaufnahmen mit anderen Videoclips zusammenschneiden wollen, kommen Sie um Full HD nicht herum. Da eine Minidrohne klein und leicht ist, kann man auch bei den hochpreisigen Modellen keine Profiqualität erwarten. Dafür sind sie nicht gedacht.


Spark
Die DJI Spark mit Gimbal und Full-HD-Videoauflösung ist eine typische Einsteigerdrohne und bietet einfache Handhabung bei kompakter Größe. (Bild: DJI)

 

Für Fortgeschrittene Wer wirklich hochwertige Luftaufnahmen machen will, sollte sich genau ansehen, welche Kamera in der Drohne verbaut ist. Sie sollte mit einem 1-Zoll-Sensor ausgestattet sein, da der Sensor einen unmittelbaren Einfluss auf die Bildqualität hat. Ein größerer Sensor ist nur nötig, wenn Sie mit wenig Licht arbeiten. Da Nachtflüge ohnehin nur mit einer speziellen Ausnahmegenehmigung erlaubt sind, kommen Sie gut mit dem 1-Zoll-Sensor zurecht.

Filmaufnahmen sind in Full-HD-Qualität (1920 × 1080 Pixel) oder in besseren Drohnenkameras auch in Ultra-HD-Qualität (3840 × 2160 Pixel) möglich. Während die Full-HD-Qualität für Facebook und Instagram ausreicht, sollten Sie für anspruchsvollere Filme besser Ultra-HD verwenden.

Neben Auflösung und Sensor sollten Sie unbedingt die Stabilisierung beachten. Die Aufhängung der Kamera nennt sich Gimbal und sorgt mit sehr schnellen, sogenannten bürstenlosen Elektromotoren für verwacklungsfreie Bilder. Ein integrierter dreiachsiger Gimbal (3D-Gimbal) ist in den meisten Modellen schon Standard und empfehlenswert.

Abgesehen von den Flugfunktionen, die schon bei den Modellen für Einsteiger beschrieben wurden, bieten Drohnen für Fortgeschrittene auch Features wie eine hohe Geschwindigkeit (60 km/h und mehr), eine hohe Übertragungsreichweite und eine längere Akkulaufzeit. Sie sind zudem größer und schwerer als Minidrohnen. Weitere Aspekte, die bei der Drohnenwahl von Belang sein können, sind die angebotene Farbtiefe, die Einstellbarkeit der Blende und die Frage, ob Sie ein Zoomobjektiv möchten. Die Preisspanne liegt bei diesen Modellen etwa zwischen 850 und 2 000 €.


Phantom
Die DJI Phantom 4 Pro V2.0 ist der neueste Vertreter der meistverkauften Modellreihe des Marktführers. Sie verfügt über die Möglichkeit, Ultra-HD-Videos aufzunehmen, und bietet zudem viele elektronische Flughilfen und automatisierte Kameramodi. (Bild: DJI)

 

Für Profis Für Profis ist vor allem das RAW-Format entscheidend, das offen für alle Verarbeitungsschritte in der Postproduktion ist. Auch eine hervorragende Farbtiefe, Filmaufnahmen mit Ultra HD oder mehr und Wechselobjektive sind Merkmale professioneller Drohnensysteme. Für Werbefilme oder größere Kinoproduktionen reichen die integrierten Kameras nicht aus, hier verwendet man professionelle Filmkameras. Um das hohe Gewicht dieser Kameras zu tragen, wird ein großer Multikopter mit mindestens sechs Rotoren benötigt, damit im Fall, dass ein Rotor ausfällt, die anderen seinen Wegfall kompensieren können.

Drohnen im Profibereich schaffen Spitzengeschwindigkeiten von über 80 km/h und sind in der Lage, sehr schnell zu beschleunigen. Ihr Preisniveau beginnt bei 3 400 € aufwärts.


Freefly
Die leistungsstarke Drohne Freefly ALTA 6 kann bis zu 7 kg Gewicht tragen und eignet sich ideal für Filmaufnahmen mit den Kameras von RED, ARRI und anderen Anbietern professioneller Filmkameras. (Bild: Freefly)

Der erste Flug

Wenn Sie sich für ein Drohnenmodell entschieden haben, können Sie nun Ihre ersten Flugversuche starten. Das sollten Sie dabei beachten:

Fernbedienung Bevor Sie Ihre Drohne zum ersten Mal fliegen lassen, sollten Sie sich die Fernbedienung genau ansehen. Wenn die Fernsteuerung über ein mobiles Endgerät erfolgt, installieren Sie die geeignete Software. Allerdings ist eine externe Fernsteuerung dem Handy bzw. Tablet überlegen: Die Reichweite ist größer, und die Handhabung ermöglicht eine präzisere Steuerung. Falls der Drohnenanbieter einen Flugsimulator anbietet, können Sie die Steuerung hier ausprobieren. Ansonsten kommen Sie um das genaue Studium der Bedienungsanleitung nicht herum. Wenn die Drohne schon in der Luft ist, können Sie nicht schnell noch einmal nachlesen, wie Sie die Rückholfunktion oder andere wichtige Funktionen aktivieren.


Fernsteuerung mit einem Smartphone und der Fernbedienung der DJI Inspire 2
Fernsteuerung mit einem Smartphone und der Fernbedienung der DJI Inspire 2

 

Die meisten Drohnenmodelle sind bereits mit einer Fernbedienung ausgestattet. Wenn Sie die Fernbedienung separat kaufen oder eine vorhandene durch ein besseres Modell ersetzen wollen, ist neben einer guten Handhabung vor allem das Thema Reichweite entscheidend.

In Deutschland sind Drohnenflüge auf Sichtweite begrenzt. Das bedeutet, dass Fernsteuerungen, die mit dem EU-Kennzeichen »CE« versehen sind, unter Umständen eine größere Reichweite haben, die aber aus Sicherheitsgründen eingeschränkt wurde. Auch die Anzahl der Funkkanäle ist ein Aspekt, der eventuell eine Rolle spielt. Für Anfänger reichen hier für gewöhnlich sechs Kanäle, während Profis bis zu sechzehn Kanäle benötigen. Für ein störungsfreies Fliegen kann es unter Umständen Sinn ergeben, den Funkkanal zu wechseln.

Bei der Fernbedienung ist üblicherweise Modus 2 als Standard eingestellt. Hier gilt, dass der linke Hebel für die Höhe zuständig ist. Wird er nach vorne geschoben, gewinnt die Drohne an Höhe, wird er nach hinten geschoben, verliert sie an Höhe. Bewegt man ihn zur Seite, dreht sie sich auf der Stelle (Gier-Achse).

Dann erst ist der rechte Hebel an der Reihe. Er bestimmt die Neigung und damit den Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsflug. Wird er nach vorne geschoben, fliegt die Drohne vorwärts, nach hinten fliegt sie rückwärts (Nick-Achse), zur Seite seitwärts (Roll-Achse). Bedient man nur den rechten Hebel, verändern sich Höhe und Ausrichtung der Drohne nicht. Wenn beide Hebel in der Mitte stehen, schwebt die Drohne auf der Stelle. Je weiter Sie die Hebel aus der Mittellage schieben, desto schneller sind die Bewegungen der Drohne. Betätigen Sie die Hebel also eher sanft, um abrupte Bewegungen zu vermeiden.

Um die Drohne mit den verschiedenen Achsen richtig zu steuern, bedarf es einiger Übung. Außerdem sollten Sie beachten, dass die Hindernissensoren dünnere Äste und Stromleitungen nicht immer erkennen. Um einen Aufprall und Absturz der Drohne zu verhindern, ist die Beherrschung der Steuerung also entscheidend. Da bei vielen Drohnen im rückwärtigen Teil weniger Sensoren verbaut sind, ist Rückwärtsfliegen kritischer und am Anfang besser zu vermeiden. Erst wenn Sie die Drohne sicher steuern können, sollten Sie sich mit den Kamerafunktionen auseinandersetzen.

Die Fernbedienungen sehen je nach Hersteller und Modell etwas anders aus. Im Folgenden zeigen wir Ihnen beispielhaft, wie die Fernbedienung einer Phantom 4 Pro V2.0 aufgebaut ist und stellen Ihnen die wichtigsten Hebel und Knöpfe vor:

Beispiel: Die Fernbedienung einer Phantom 4 Pro V2.0


Fernbedienung der Phantom
Die beim Drohnenkauf mitgelieferte Fernbedienung der DJI Phantom 4 Pro V2.0 (Bilder: DJI)

 

  1. Halterung für den Bildschirm, beispielsweise ein Smartphone
  2. Auslöser für Fotoaufnahmen
  3. Intelligent-Flight-Pausetaste: Mit dieser Taste können Sie intelligente Flugmodi beenden. Die Drohne bleibt dann an der aktuellen Position im Schwebeflug.
  4. Kamerarädchen: Damit lassen sich die Kameraeinstellungen (über die DJI-GO-App) anpassen.
  5. Benutzerdefinierte Taste: Funktion benutzerdefinierbar in der DJI-GO-App
  6. USB-Anschluss für die Verbindung mit dem Mobilgerät
  7. Micro-USB-Port: Über diesen Eingang können Sie die Drohne mit der Fernbedienung verbinden und beispielsweise ein Update ausführen.
  8. Benutzerdefinierte Taste: Funktion benutzerdefinierbar in der DJI-GO-App
  9. Linker Steuerhebel
  10. Einschalttaste
  11. Rückkehrtaste: Wenn Sie diese Taste gedrückt halten, fliegt die Drohne automatisch den Startpunkt an.
  12. Rechter Steuerhebel
  13. Antennen
  14. Flugmodusschalter: Zum Umschalten zwischen den Modi P (Positionsbestimmung), S (Sport) und A (ATTI-Modus). Mehr zu den einzelnen Modi erfahren Sie in der Bedienungsanleitung Ihrer Drohne.
  15. Gimbal-Rädchen: Hier steuern Sie die Neigung des Kamera-Gimbals.
  16. Start-/Stopptaste Videoaufnahme

Akkulaufzeit Bevor es losgeht, müssen die Akkus aufgeladen und richtig arretiert sein. Die Akkulaufzeit ist ohnehin so stark limitiert, dass es keinen Spaß macht, wenn sie nicht voll geladen sind, denn das bedeutet, nach wenigen Minuten wieder abbrechen zu müssen. Da auch bei Profidrohnen die Laufzeit auf etwa eine halbe Stunde beschränkt ist, sind Ersatzakkus sinnvoll. Bei niedrigen Temperaturen ist es sinnvoll, die Motoren nach dem Start kurz laufen zu lassen, damit sich die Akkus aufwärmen.

Start und Landung Das Erste, was Sie beim Start Ihrer Drohne beachten müssen, sind die Windverhältnisse und die Bedingungen vor Ort. Der Himmel über dem Startplatz sollte frei sein, ohne Stromleitungen und Bäume, und mit genügend Abstand zu anderen Hindernissen. Je kleiner die Drohne, desto instabiler fliegt sie bei Wind. Außerdem erschwert Wind nicht nur die Lenkung, sondern führt auch dazu, dass die Rückholfunktion, die keine Windverhältnisse einrechnet, eventuell zu wenig Akkuleistung für den Heimweg einplant. Ebenfalls ungünstig ist die Nähe zu Vogelschwärmen, die unter Umständen die Drohne angreifen. Der Start- und Landeplatz sollte eben sein und frei von Sand und von Wasser (kein Matsch, keine Pfützen).


Steuerung, Start und Landung
Julius Krebs beim Starten der Drohne. Zur besseren Sichtbarkeit und Kennzeichnung des Drohnenpiloten trägt er eine Warnweste.

 

Die meisten Drohnen haben eine Auto-Start-Funktion, mit der die Drohne auf eine bestimmte Höhe fliegt und dann auf weitere Kommandos wartet. Jetzt ist der Augenblick, um zu kontrollieren, ob das GPS funktioniert, ob ausreichend Satelliten verbunden sind oder starke Störsignale die Verbindung hemmen. Wenn Sie eine Drohne von DJI nutzen, zeigt Ihnen die DJI-GO-App mit dem Hinweis Bereit (GPS) an, dass die Drohne startklar ist. Bevor Sie größere Manöver wagen, sollten Sie erst einmal das sichere Starten und Landen üben. Auch für das Landen gibt es bei den meisten Drohnen eine automatische Funktion, die Sie dabei unterstützt.

Beim ersten Flug gibt es ein paar typische Anfängerfehler. Zum Beispiel sollten Sie sich klarmachen, dass die Links-Rechts-Steuerung seitenverkehrt ist, sobald die Drohne auf den Piloten zufliegt. Auch ist es am Anfang sinnvoll, nicht sehr hoch und weit zu fliegen. Generell sollten Sie die Drohne unbedingt immer in Sichtweite behalten! Hilfreich ist es, bei den ersten Flugversuchen eine zweite Person als Assistenz mitzunehmen, damit eine Person die Fernsteuerung und die andere die Drohne im Blick hat.

Drohnenverordnung Nun haben Sie sich mit Ihrer Drohne vertraut gemacht und sicherlich schon erste Motive im Visier, die Sie gerne aus der Luft fotografieren würden. Bevor Sie starten, sollten Sie sich jedoch zunächst mit der Rechtslage befassen und herausfinden, wo Sie fliegen dürfen und wo nicht.

Da sich Flugverbotszonen sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern ständig ändern können, sollten Sie sich vor jedem Flug neu informieren.

 

Drohnenregeln: Rechtliche Aspekte

von Rechtsanwalt Wolfgang Rau

Wer einen Multikopter aufsteigen lässt oder aufsteigen lassen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es sich dabei um ein Gerät handelt, das bei Nichteinhaltung vorgegebener Regeln sehr schnell zu einer potenziellen Gefahr für Leben und Gesundheit anderer werden kann und dessen Betrieb deshalb richtigerweise die Einhaltung bestimmter Regeln voraussetzt, nicht zuletzt, um sich als Betreiber eines solchen Geräts nicht selbst der Gefahr von Haftungsansprüchen Dritter oder der Verhängung empfindlicher Bußgelder auszusetzen. Die früher noch mögliche »Wildfliegerei« von Multikoptern liegt jetzt durch klare gesetzliche Bestimmungen außerhalb jeder Legalität.

Gerade erst im Dezember 2018 wurde auf dem Londoner Flughafen Gatwick für mehrere Tage der Betrieb lahmgelegt. Zehntausende Flugpassagiere konnten ihre Reisen nicht antreten, weil verantwortungslose »Täter« ihre Multikopter in der Sicherheitszone fliegen ließen, die es rund um jeden Flughafen gibt. Leider ist dies nicht nur ein einzelner Vorfall in England gewesen, auch in Deutschland hat die Behinderung des Flugverkehrs im Jahr 2018 gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2017 laut Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) um 80% zugenommen. Die Deutsche Flugsicherung berichtet für 2018 von 158 Fällen, davon 125 im Großraum von Flughäfen (Quelle: Bericht »Gefahr am Himmel« im General-Anzeiger für Bonn und Umgebung, 22.01.2019).

Wenn in diesem Zusammenhang von »Tätern« und damit von einem strafrechtlich relevanten Verhalten die Rede ist, so zeigt dies, was passieren kann, wenn solche Fluggeräte, die völlig auflagenfrei erworben werden können, in die Hände von denjenigen gelangen, die damit nicht verantwortungsbewusst umgehen können und in deren Hände sie deshalb zweifelsfrei nicht gehören!

Da ich jedoch sicher bin, dass der weitaus überwiegende Teil der Leser dieses Buches mit dem von ihm erworbenen Fluggerät verantwortungsvoll und unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften umgehen möchte, halte ich es für wichtig, die rechtlichen Aspekte, die für den Betrieb von Multikoptern von Bedeutung sind, in einem Überblick darzustellen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen den technischen und genehmigungsrechtlichen Vorschriften zum Betrieb eines Multikopters auf der einen Seite, geregelt im Wesentlichen in der Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (LuftVZO) und der Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO), im Wortlaut unter www.gesetze-im-internet.de, sowie den beim genehmigten Betrieb zu beachtenden Rechtsvorschriften und ‑grundsätzen auf der anderen Seite. Schließlich gelten noch viele regionale Besonderheiten, auf die ich nur kurz eingehen werde und die im Einzelnen hier nicht dargestellt werden können, sondern bezüglich derer sich der Betreiber eines unbemannten Fluggeräts selbst vor Ort erkundigen muss.

Ich möchte allen Lesern nahelegen, sich aus eigenem Interesse mit der Rechtslage zu befassen, bevor der erste Start eines Multikopters erfolgt.

Die technischen und genehmigungsrechtlichen Vorschriften

Am 07.04.2017 ist die Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten in Deutschland als Änderung und Ergänzung der LuftVZO und der LuftVO in Kraft getreten und gilt für alle unbemannten Fluggeräte im nachfolgend geschilderten Umfang.

Kennzeichnungspflicht Alle Modellflugzeuge und alle sonstigen unbemannten Fluggeräte, die eine Startmasse (gleichbedeutend mit dem Abfluggewicht) von mehr als 0,25 kg haben, müssen gekennzeichnet sein (§19 Abs. 3 LuftVZO).

Bereits diese Regelung dürfte die Mehrzahl aller Multikopter betreffen, insbesondere dann, wenn sie mit einer Kamera bestückt sind. Diese Kennzeichnungspflicht verlangt, dass Name und Adresse des Eigentümers feuerfest mit einer Plakette oder auf ähnliche Weise fest am Flugobjekt angebracht werden. Damit ist eine Identifizierung des Eigentümers des Fluggeräts, selbst bei einem Absturz, jederzeit möglich und verbotswidriges Handeln des Betreibers wesentlich leichter aufklär- und verfolgbar.

Kenntnisnachweis Ist das Abfluggewicht bzw. die Startmasse eines Multikopters größer als 2 kg, so ist zudem seit dem 01.10.2017 ein besonderer Kenntnisnachweis erforderlich (§§21a Abs. 4, 21d LuftVO). Damit wurde der sogenannte Drohnenführerschein eingeführt. Grundlegende Kenntnisse in der Anwendung und der Navigation, der einschlägigen luftrechtlichen Grundlagen und der örtlichen Luftraumordnung sind in Form einer Prüfung bei einem Inhaber einer gültigen Pilotenlizenz oder vor einer vom Luftfahrtbundesamt anerkannten Stelle nachzuweisen. Außerdem ist dieser Kenntnisnachweis regelmäßig nach fünf Jahren zu wiederholen (§21d Abs. 2 LuftVO). Der Kenntnisnachweis kann von Personen ab Vollendung des 16. Lebensjahres erbracht werden (§21d Abs. 3 LuftVO). Für Mitglieder in Luftsportvereinen gilt zum Betrieb von Flugmodellen ein Mindestalter von 14 Jahren (§21e Abs. 2 LuftVO).

Erlaubnispflicht/Aufstiegserlaubnis Die gesetzlichen Regelungen beinhalten eine Reihe von Vorschriften zum Betrieb von unbemannten Luftfahrtsystemen (gewerbliche Nutzung) und Flugmodellen (nicht gewerbliche Nutzung). Der Betrieb von unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen bedarf in den folgenden Fällen einer kostenpflichtigen Erlaubnis, der sogenannten Aufstiegserlaubnis:

  • bei unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen mit mehr als 5 kg Startmasse (§21a Abs. 1 Nr. 1 LuftVO)
  • bei unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen mit Raketenantrieb, sofern die Masse des Treibsatzes mehr als 20 g beträgt (§21a Abs. 1 Nr. 2 LuftVO)
  • bei unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen mit einem Verbrennungsmotor, die in einer Entfernung von weniger als 1,5 km von Wohngebieten betrieben werden (§21a Abs. 1 Nr. 3 LuftVO)
  • bei unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen aller Art in einer Entfernung von weniger als 1,5 km von der Begrenzung von Flugplätzen; auf Flugplätzen bedarf der Betrieb von unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen darüber hinaus der Zustimmung der Luftaufsichtsstelle und der Flugleitung (§21a Abs. 1 Nr. 4 LuftVO)
  • bei unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen aller Art bei Nacht (§21a Abs. 1 Nr. 5 LuftVO)

Nur der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass im Raum der EU unbemannte Luftfahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 150 kg in die Kompetenz der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (European Aviation Safety Agency, EASA) fallen, was – wie ich glaube – für private Anwender wohl kaum relevant sein dürfte.

Aus der Formulierung der Verordnung (§21a Abs. 3 LuftVO) ergibt sich, dass die Erlaubnis dann erteilt wird, und damit gleichzeitig auch ein Anspruch auf Erteilung der Erlaubnis besteht, wenn der beabsichtigte Betrieb von unbemannten Fluggeräten und die damit verbundene Nutzung des Luftraumes nicht zu einer Gefahr für die Sicherheit des Luftverkehrs oder die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere nicht zu einer Verletzung der Vorschriften über den Datenschutz und den Naturschutz führen und der Schutz vor Fluglärm angemessen berücksichtigt ist.

Dabei kann die zuständige Behörde nach pflichtgemäßem Ermessen bestimmen, ob dem Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis weitere Unterlagen und Nachweise beigefügt werden müssen. Insbesondere kann sie verlangen, dass der Nachweis der Zustimmung des Grundstückseigentümers zum Aufstieg des Fluggeräts auf dessen Grundstück erbracht wird, dass ein Gutachten eines Sachverständigen über die Eignung des Geländes und des betroffenen Luftraumes eingeholt wird und dass gegebenenfalls weitere, fachspezifische Bewertungen oder Gutachten, insbesondere zum Natur- und Lärmschutz, vorgelegt werden müssen, sofern dies im Einzelfall aus Sicht der Behörde erforderlich ist (§20 Abs. 5 Nr. 1–3 LuftVO).

Macht die zuständige Behörde die Erlaubnis von solchen Auflagen abhängig, so kann davon ausgegangen werden, dass das Erlaubnisverfahren im Einzelfall mit nicht ganz unerheblichen Kosten für den Betreiber des Fluggeräts verbunden sein wird. Dies scheint mir auch gewollt zu sein, denn es sieht so aus, als ob der Gesetzgeber für Privatpersonen, die einen Multikopter von mehr als 5 kg Startgewicht aufsteigen lassen möchten, bewusst hohe Hürden setzen wollte.

Es gibt zwei Arten der Aufstiegserlaubnis, und zwar eine allgemeine Erlaubnis und eine spezielle Erlaubnis bzw. Einzelerlaubnis. Während die allgemeine Erlaubnis den Besitzer eines Multikopters berechtigt, diesen während des Gültigkeitszeitraumes beliebig oft unter Einhaltung der rechtlichen Vorschriften aufsteigen zu lassen, wird die Einzelerlaubnis – wie der Name schon sagt – für einen bestimmten Einzelfall erteilt und in der Regel an strengere Voraussetzungen und Nachweise geknüpft. Die Einzelerlaubnis kann gegebenenfalls die Ausnahme von einem der weiter unten geschilderten Betriebsverbote beinhalten und hat meist eine deutlich kürzere Dauer, sie ist manchmal nur auf wenige Wochen oder sogar nur auf einen Tag und einen ganz bestimmten Anlass beschränkt. Aufgrund seiner speziellen Luftraumstruktur gibt es übrigens in Berlin grundsätzlich keine allgemeine Aufstiegserlaubnis, sondern lediglich spezielle Erlaubnisse, die eine ganze Reihe qualifizierter Nachweise erfordern, auf die hier im Einzelnen nicht eingegangen werden kann.

Wichtig zu wissen ist, dass die Erteilung der Aufstiegserlaubnis, gleich in welcher der beiden Formen, Ländersache ist und dass die in der Regel von den Landesluftfahrtbehörden eines Landes erteilten Erlaubnisse auch nur in dem erteilenden Bundesland gelten. Wer also beispielsweise in Nordrhein-Westfalen eine Aufstiegserlaubnis erhalten hat, darf seinen Multikopter nicht ohne Weiteres auch in anderen Bundesländern aufsteigen lassen! Vielmehr muss er dort eine neue Erlaubnis oder die Anerkennung der im anderen Bundesland erteilten Erlaubnis beantragen.

Aus diesem Grund kann auch hier zu den Kosten bzw. Gebühren für eine Ausstiegserlaubnis keine allgemeingültige Aussage getroffen werden, denn diese variieren von Bundesland zu Bundesland, meist liegen sie zwischen 80 und 200 €. Einen hilfreichen Überblick über Antragsverfahren und Kosten in den einzelnen Bundesländern mit Verlinkung auf die entsprechenden Antragsformulare bietet die Website www.drohnen.de unter Aufstiegsgenehmigung beantragen.

Gewerbliche Nutzer von Multikoptern, wozu natürlich auch diejenigen gehören, die Fotos oder Filme zum Zweck des Verkaufs mit dem Multikopter herstellen, benötigen im Übrigen nach den neuen Regelungen für den Betrieb von unbemannten Luftfahrtsystemen unterhalb eines Startgewichts von 5 kg grundsätzlich keine Erlaubnis mehr, was bis zum Inkrafttreten der neuen Bestimmungen im Jahr 2017 noch der Fall gewesen ist.

Betriebsverbote Es gelten darüber hinaus gesetzliche Betriebsverbote, die von jedem Piloten eines Multikopters (das Gesetz spricht sprachlich etwas unschön vom »Steuerer«) auch im eigenen Interesse wegen der Gefahr drastischer Bußgelder bei einem Verstoß unbedingt und strikt beachtet werden sollten. Diese Verbote sind im Einzelnen in §21b LuftVO geregelt. Danach darf – wie schon bislang – ein unbemanntes Fluggerät keinesfalls außer Sichtweite des Piloten betrieben werden, und zwar gleichgültig, welche Startmasse das Fluggerät hat! Daneben gibt es eine Reihe von Bereichen, in denen – ebenfalls unabhängig von der Startmasse – ein Multikopter nicht betrieben werden darf, sofern nicht im Einzelfall eine ausdrückliche Einzelerlaubnis erteilt wurde. Diese Bereiche sind folgende:

  • über und in einem seitlichen Abstand von 100 m von Menschenansammlungen, Unglücksorten, Katastrophengebieten und anderen Einsatzorten von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie über mobilen Einrichtungen und Truppen der Bundeswehr im Rahmen angemeldeter Manöver und Übungen
  • über und in einem seitlichen Abstand von 100 m von Industrieanlagen, Justizvollzugsanstalten, Einrichtungen des Maßregelvollzugs, militärischen Anlagen und Organisationen, Anlagen der Energieerzeugung und Verteilung sowie über Einrichtungen, in denen erlaubnisbedürftige Tätigkeiten der Schutzstufe 4 nach der Biostoffverordnung ausgeübt werden
  • über und in einem seitlichen Abstand von 100 m von Grundstücken, auf denen die Verfassungsorgane des Bundes oder der Länder oder oberste und obere Bundes- und Landesbehörden oder diplomatische und konsularische Vertretungen sowie internationale Organisationen des Völkerrechts ihren Sitz haben sowie von Liegenschaften der Polizei und anderer Sicherheitsbehörden
  • über und in einem seitlichen Abstand von 100 m von Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Bahnanlagen
  • über Naturschutzgebieten
  • über Wohngrundstücken, wenn die Startmasse des Geräts mehr als 0,25 kg beträgt oder das Gerät oder seine Ausrüstung in der Lage sind, optische, akustische oder Funksignale zu empfangen, zu übertragen oder aufzuzeichnen
  • in Flughöhen über 100 m über Grund, sofern der Flug nicht auf dem Gelände eines Luftsportvereins stattfindet
  • innerhalb von Kontrollzonen von Flughäfen, es sei denn, die Flughöhe übersteigt nicht 50 m über Grund

Die Flugkontrollzonen für die internationalen deutschen Verkehrsflughäfen sind unterschiedlich. Sie werden von der Deutschen Flugsicherung (DFS) festgelegt und sind für jeden Flughafen anders geregelt. Sie können sich, um im Einzelfall eine Beurteilung vornehmen zu können, auf dem AIS(Aeronautical Information Service)-Portal der DFS (www.dfs-ais.de) anmelden und dort die jeweiligen Karten für die einzelnen Flughäfen kostenlos nutzen. Flugkontrollzonen sind die Zonen rund um einen Verkehrsflughafen, die von der Flugsicherung kontrolliert werden. Wer einen Multikopter starten lassen möchte und deshalb konkret wissen muss, wo genau Flugkontrollzonen in Deutschland liegen, sei auf die Website der DFS verwiesen (www.dfs.de), wo man nähere Informationen über die von der DFS betreuten Flughäfen findet, ebenso wie entsprechende Ausschnitte von Karten der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (International Civil Aviation Organization, ICAO) sowie weitere wertvolle Hinweise zum Thema.

Nur Sichtflug zulässig!Das Fluggerät muss sich grundsätzlich immer in Sichtweite des Piloten befinden! Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn der Pilot mit Videobrille fliegt, sofern dieser Betrieb unterhalb von 30 m erfolgt und entweder das Fluggerät nicht mehr als 0,25 kg wiegt oder wenn der Pilot von einer anderen Person begleitet wird, die das Fluggerät ständig in Sichtweite hat und die den Luftraum beobachtet und unmittelbar auf auftretende Gefahren hinweisen kann (§21b Satz 2 Nr. 1 und 2 LuftVO).

Heute gibt es aber bereits Multikopter auf dem Markt, die sich über GPS programmieren lassen und die über einen sogenannten Follow-me-Modus verfügen, der bewirkt, dass der Multikopter automatisch seinem Piloten folgt, wenn dieser beispielsweise einer sportlichen Betätigung (Skiabfahrt, Wildwasserfahrt etc.) nachgeht. In diesen Fällen erfolgt der Betrieb in der Regel jedoch ohne unmittelbaren Sichtkontakt, allein schon deshalb, weil sich der Betreiber ja in erster Linie auf seinen Sport konzentriert. Ein solcher Betrieb erfolgt nicht mehr in Sichtweite und ist folglich auch nicht zulässig!

Die Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten legt in §21b Abs. 1 Nr. 8 LuftVO weiter fest, dass der Betrieb in Flughöhen über 100 m über Grund verboten ist. Nicht geregelt ist jedoch, wie weit seitlich vom Piloten sich der Multikopter entfernen darf, um sich noch in Sichtweite zu befinden. Hier lassen sich allerdings auch nur schwer allgemeingültige Regelungen aufstellen, da es im Einzelfall sehr von der Geländebeschaffenheit abhängt, wie weit der Pilot seinen Multikopter noch im Auge behalten kann. Ansonsten gilt die allgemeine Bestimmung in §21b Abs. 1 Satz 2 LuftVO, wonach der Betrieb dann außerhalb der Sichtweite des Piloten erfolgt, wenn dieser das unbemannte Fluggerät ohne besondere optische Hilfsmittel nicht mehr sehen oder seine Fluglage nicht mehr eindeutig erkennen kann.

Dass Multikopter niemals Vorfahrt vor anderen Fluggeräten haben, sei nur klarstellend erwähnt und versteht sich eigentlich von selbst.

Es ist dringend angeraten, diese Betriebsverbote strikt zu beachten, denn ein Verstoß kann sehr teuer werden. Das Luftverkehrsgesetz sieht Bußgelder von bis zu 50 000 € vor.

Weitere Einschränkungen beim Betrieb eines Multikopters

Hat man die Aufstiegserlaubnis erhalten und seinen Multikopter gestartet, so ist gleichwohl die Freiheit am Himmel keineswegs grenzenlos. Vielmehr müssen auch dann Regeln eingehalten werden, die ich nachfolgend kurz darstellen werde.

Alkohol und Drogen Nahezu selbstverständlich und kaum erwähnenswert, wenngleich auch gesetzlich nicht eindeutig für den Piloten eines Multikopters geregelt, ist das Postulat, dass Multikopter niemals unter Alkohol- oder Drogeneinfluss geflogen werden dürfen. In §4 LuftVO, der nach meiner Meinung auf den Piloten eines Multikopters entsprechend anwendbar sein dürfte, gerade weil auch vom Multikopter eine nicht unerhebliche Betriebsgefahr ausgeht, heißt es: Derjenige, der infolge geistiger oder körperlicher Beeinträchtigungen in der Wahrnehmung der Aufgaben als Führer eines Luftfahrzeugs behindert ist, darf kein Luftfahrzeug führen.

Eine Promillegrenze wie bei Führen von Kraftfahrzeugen auf der Straße ist jedoch gesetzlich nicht normiert. Das OLG Frankfurt hat zwar in einem Urteil, bei dem es allerdings um den Piloten einer Verkehrsmaschine ging, geurteilt, dass es grobfahrlässig ist, mit 0,65 Promille ein Flugzeug zu steuern. Ob jedoch die Rechtsprechung auch eine bestimmte Promillegrenze für Multikopterpiloten festsetzen wird und ob das überhaupt praktikabel wäre, wage ich eher zu bezweifeln.

Privatsphäre Es versteht sich von selbst, dass auch beim Betrieb von Multikoptern die Persönlichkeitsrechte und die Privatsphäre Dritter, strikt zu respektieren sind. Ein Flug eines Multikopters beispielsweise über die Terrasse des Nachbarn oder an dessen Fenster vorbei, mag für den einen oder anderen vielleicht spaßig und ein toller Gag sein, für den betroffenen Nachbarn ist es das sicher nicht, und so etwas ist natürlich ohne Einwilligung des Nachbarn ausnahmslos verboten.

Hausrecht Nach §905 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) gehört der Luftraum über dem Grundstück (sowie der Boden unter der Erdoberfläche) zum Grundstück und unterliegt dem alleinigen Verfügungs- und Hausrecht des jeweiligen Eigentümers, sodass hier neben dem Persönlichkeitsrecht auch das Hausrecht des Nachbarn greift (den Wortlaut des Paragrafen im Bürgerlichen Gesetzbuch finden Sie unter www.gesetze-im-internet.de/bgb). Der Eigentümer kann nur Einwirkungen nicht verbieten, die in solcher Höhe und Tiefe vorgenommen werden, dass er an der Ausschließung bei objektiver Betrachtung kein Interesse haben kann, z. B. beim Überfliegen eines Verkehrsflugzeugs oder bei staatlichen Vorrechten, wie z. B. niedrig fliegenden Rettungs- und Polizeihubschraubern oder dergleichen.

Ob darunter auch der Überflug mit einem Multikopter fällt, wurde von der Rechtsprechung – soweit erkennbar – noch nicht entschieden. Jedenfalls muss dann der Multikopter aber in einer solchen Höhe fliegen, dass für den Grundstückseigentümer kein objektives Interesse an einem Überflugverbot über sein Grundstück besteht, und dies dürfte ohnehin meist zum Konflikt mit der maximal zulässigen Flughöhe von 100 m führen. Auch hier ist es wie in vielen anderen Fällen deshalb grundsätzlich geraten, die Einwilligung des Grundstückseigentümers einzuholen, wenn man auf der sicheren Seite sein will.

Datenschutz Es kommt ein weiterer Aspekt hinzu, der sich aus dem Datenschutzrecht ergibt: Fotografiert oder filmt man mit der Bordkamera eines Multikopters Personen, Gleiches gilt im Übrigen auch für das normale Fotografieren von Privatpersonen mit einer Digitalkamera, so erhebt man Daten nach den Datenschutzvorschriften. Seit dem 25.05.2018, dem Tag des Inkrafttretens der Datenschutz-Grundverordnung der EU (DSGVO) und dem daran angeglichenen deutschen Datenschutzgesetz (BDSG neu), wurden die Regeln für das Verarbeiten von Daten in einigen Bereichen deutlich verschärft. Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, die Datenschutzaspekte tiefer gehend zu betrachten, deshalb soll hier nur der dringende Rat erteilt werden, zur Vermeidung unnötigen Ärgers keine Personen ohne deren vorherige Einwilligung und die zwingend erforderlichen Belehrung nach den Datenschutzvorschriften zu filmen und zu fotografieren, jedenfalls solange die Personen erkennbar sind.

Urheberrecht Auch dort, wo das Fliegen grundsätzlich zulässig ist, sind die urheberrechtlichen Vorschriften beim Fotografieren oder Filmen von Sachen mittels Multikopter zu beachten, insbesondere ein Urheberrecht an Gebäuden oder anderen urheberrechtlich geschützten Werken. Denn die Panoramafreiheit findet bei Aufnahmen aus der Luft schon vom Gesetzeswortlaut her keine Anwendung, da das Erfordernis, dass die Aufnahmen von öffentlichem Grund aus ohne Hilfsmittel gemacht werden müssen, erkennbar nicht erfüllt ist. Wer also ein Gebäude aus der Luft filmen möchte, muss, sofern es sich nicht um ein historisches Gebäude handelt, für das die urheberrechtlichen Schutzrechte bereits abgelaufen sind, den Architekten des Gebäudes um Erlaubnis bitten. Gleiches gilt natürlich für die Einwilligung des Urhebers anderer Kunstwerke, die noch urheberrechtlich geschützt sind.

Haftung und VersicherungGrundsätzlich haftet der Betreiber eines Multikopters für alle Schäden, die durch seinen Multikopter verursacht werden, etwa wenn dieser aus technischen Gründen abstürzt oder außer Kontrolle gerät und damit Dritten einen Schaden zufügt, und zwar, dies sei ausdrücklich betont, gleichgültig, ob den Betreiber ein Verschulden trifft oder nicht. Denn es handelt sich um eine sogenannte Gefährdungshaftung, die allein dadurch entsteht, dass ein Gerät betrieben wird, von dem durch seinen Betrieb ein nicht unerhebliches Gefährdungspotenzial ausgeht.

Deshalb stellt sich die Frage, ob man sich gegen Fremdschäden, die mit dem Multikopter verursacht werden, versichern kann oder vielleicht sogar muss. Um es vorwegzunehmen: Eine Versicherung für Betreiber von unbemannten Flugobjekten, gleichgültig, ob gewerblich oder privat genutzt, ist bereits seit dem Jahr 2005 Pflicht. Nach §43 Abs. 2 LuftVG müssen alle Luftfahrzeuge versichert werden. Jeder, der ein solches Luftfahrzeug starten lässt, muss im Vorfeld eine Versicherung abgeschlossen haben und dies auf Verlangen auch nachweisen können. Entweder man versichert sich selbst oder tritt einem Modellflugverband bei, wo mit der Mitgliedschaft zumeist auch eine Versicherung im Rahmen sogenannter Gruppenversicherungen erworben werden kann.

Für diejenigen, die sich selbst um eine Versicherung kümmern müssen, stellt sich als Nächstes die Frage, ob Schäden, die durch den Betrieb von Multikoptern verursacht werden, von einer möglicherweise bereits bestehenden Haftpflichtversicherung abgedeckt werden. Dies ist in aller Regel nicht der Fall! Lediglich Modellflugzeuge ohne Motor sind vereinzelt, aber auch nicht grundsätzlich, in den Deckungsumfang von Haftpflichtversicherungen einbezogen. Von solchen Fluggeräten ist hier jedoch nicht die Rede. Schäden, die mit Multikoptern verursacht werden, sind dagegen standardmäßig vom Umfang einer normalen Haftpflichtversicherung ausgeschlossen. Allenfalls besteht die Möglichkeit, eine entsprechende Zusatzversicherung zur bestehenden Haftpflichtversicherung abzuschließen. Hier ist jeder Betreiber eines Multikopters aufgerufen, sich im eigenen Interesse mit seiner Versicherungsgesellschaft in Verbindung zu setzen und sich ausreichend zu versichern sowie den Versicherungsnachweis beim Betrieb des Multikopters mitzuführen.

Mittlerweile haben sich die Versicherungsgesellschaften auch dem insoweit veränderten Markt angepasst und bieten spezielle Versicherungen für den Betrieb von Multikoptern, auch im privaten Bereich, an. Die Prämien hängen davon ab, welche Tarifvarianten im Einzelfall gewählt werden. Es gibt teilweise erhebliche Unterschiede im Leistungsangebot der Versicherer und bei den Prämien, je nachdem, welches Startgewicht der Multikopter hat, ob er gewerblich oder privat genutzt wird, wie hoch die Deckungssumme gewählt wird, ob Dritte das Flugobjekt ebenfalls benutzen, ob Foto- oder Videoflüge, Flüge bei öffentlichen Veranstaltungen und Flugwettbewerben, Indoor-Flüge etc. mitversichert werden sollen. Außerdem hängt die Prämienhöhe davon ab, ob eine Selbstbeteiligung im Schadensfall vereinbart wird. Hier müssen Sie für sich zunächst entscheiden, was Sie versichern möchten oder müssen, um dann die entsprechenden Angebote verschiedener Versicherer miteinander zu vergleichen, wozu das Internet eine recht gute erste Informationsquelle ist. Allgemein kann man sagen, dass für den privaten Bereich Versicherungen zu einem Jahresbetrag ab ca. 80 € auf dem Markt angeboten werden, für gewerbliche Nutzung muss man schnell das Doppelte und mehr einkalkulieren.

Regionale Besonderheiten

Abgesehen von der Beachtung von Flugkontrollzonen muss man beim Überfliegen von Städten größte Vorsicht walten lassen, zumal die Regelungen, was das Betreiben eines Multikopters über einer Stadt betrifft, keineswegs einheitlich, sondern vielmehr von Bundesland zu Bundesland und auch von Stadt zu Stadt teilweise sehr unterschiedlich sind.

Neben den bereits oben erwähnten Flugkontrollzonen gibt es davon unabhängige Flugverbotszonen. So können die Bundesländer und Städte Verordnungen erlassen, nach denen es verboten ist, in bestimmten Gebieten mit Multikoptern zu fliegen. So gibt es Bundesländer mit strengeren Regeln, wie z. B. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Berlin, sowie Bundesländer, in denen weniger strenge Regeln gelten. Es besteht beispielsweise für das Stadtgebiet von Hamburg grundsätzlich ein Flugverbot für Multikopter, in Berlin sind ebenfalls weite Stadtgebiete für Multikopter generell gesperrt. Ähnliches gilt für viele andere Großstädte wie Köln, Dresden, Düsseldorf und Leipzig, um nur einige zu nennen. Auch dort gibt es starke bis sehr starke Einschränkungen für Flüge von Multikoptern. Hier ist es also dringend geboten, sich im Vorfeld eines Fluges genaue Informationen zu besorgen! Auch angesichts dieser lokalen Unterschiede können im Rahmen des Buches verständlicherweise nicht alle in Deutschland geltenden Regelungen dargestellt werden.

Auch beim Flug über unbewohnte Landschaften muss man sich vorher informieren, ob es sich bei dem Gebiet, das überflogen werden soll, nicht möglicherweise um ein Naturschutzgebiet handelt, da auch hier, wie bereits erwähnt, Flüge grundsätzlich verboten sind, um vor allem die Tiere, insbesondere brütende Vögel, zu schützen. Es ist deshalb dringend zu raten, sich vor einem Start des Multikopters über die jeweils örtlich geltenden Vorschriften zu erkundigen, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Die Rechtslage in anderen Ländern

Wenn Sie Ihr Fluggerät mit in den Urlaub im Ausland nehmen wollen, müssen Sie naturgemäß die dort geltenden Vorschriften und Gesetze beachten, die sich von Land zu Land teilweise deutlich unterscheiden. Aber auch etwaige Einfuhrbestimmungen müssen beachtet werden; die Einholung einer gegebenenfalls erforderlichen Einfuhrerlaubnis dauert oft lange und sollte rechtzeitig, am besten schon Monate vorher, beantragt werden.

Es ist nicht möglich, im Rahmen dieses Buches die Rechtslage in allen anderen europäischen Ländern oder sogar darüber hinaus darzustellen. Ich darf an dieser Stelle jedoch auf eine höchst informative Website verweisen, und zwar die Seite https://my-road.de. Die Betreiber dieser Website haben sich die Mühe gemacht, die Bestimmungen für Multikopterflüge in insgesamt 135 Ländern (Stand März 2019) darzustellen, darunter fast alle europäischen Länder. Hier dürfte jeder Interessierte ausreichende Erstinformationen darüber finden, was in den jeweiligen Zielländern erlaubt ist und was nicht, wobei ich natürlich weder eine Gewähr übernehmen, noch beurteilen kann, ob die Bestimmungen, die auf dieser Website wiedergegeben werden und die sich natürlich auch ändern können, tatsächlich immer auf dem neuesten Stand sind. Hier sollten Sie im Bedarfsfall, z. B. über die Botschaften, Konsulate oder Fremdenverkehrsverbände etc. der jeweiligen Länder, Erkundigungen einholen und den aktuellen Stand erfragen. Ergänzend sind natürlich vor Ort dann auch noch lokale Besonderheiten zu berücksichtigen, bezüglich derer Sie sich spätestens nach der Ankunft informieren sollten.

Weitere Perspektive

Ob und wie lange die nationale Regelung in Deutschland bestehen bleibt oder ob und wie sie in der Zukunft möglicherweise wieder abgeändert werden muss, kann derzeit nicht prognostiziert werden.

Die EU-Kommission arbeitet zwischenzeitlich mit der EASA an einer gesamteuropäischen Regelung für Drohnen und Flugmodelle mit dem Ziel, die Regeln, die derzeit in den einzelnen Ländern durch nationale Gesetze noch unterschiedlich sind, für den EU-Raum zu vereinheitlichen. Man spricht davon, dass diese einheitlichen Regeln und Gesetze im zweiten Quartal 2019 in Kraft treten sollen, allerdings wurde der Termin bereits verschoben, denn ursprünglich sollten diese Bestimmungen schon Ende 2018/Anfang 2019 verabschiedet werden. Hier bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten. Bis zur Verabschiedung gesamteuropäischer Vorschriften gelten natürlich die hier dargestellten nationalen Vorschriften Deutschlands weiter.

Fazit

Durch die seit 2017 geltende Rechtslage ist es nicht mehr möglich, einen Multikopter zu erwerben, gleich auszupacken und zu einem ersten Flug starten zu lassen, sofern man den Flug nicht auf den eigenen Garten in geringer Höhe beschränkt, z. B. zum Ausprobieren. Es sind nun bestimmte Rechtsvorschriften im dringenden eigenen Interesse eines jeden Betreibers einzuhalten, Vorschriften, die letztlich unser aller Sicherheit gewährleisten und deshalb die Freude am Betrieb von unbemannten Fluggeräten nicht beeinträchtigen sollten.

Jeder Betreiber sollte in einem ersten Schritt einmal seinen betriebsbereiten Multikopter exakt wiegen, um genau zu wissen, welche Startmasse er hat, einschließlich der daran montierten Kamera. Es gibt sowohl Multikopter mit eingebauter Kamera, die in vielen Fällen deutlich unter 5 kg wiegen, als auch solche, an denen man seine möglicherweise schon vorhandene Systemkamera anbringen kann. Das Gewicht seines Fluggeräts nur zu schätzen, kann nachvollziehbarerweise leicht zu späteren Problemen führen. Erst wenn die Startmasse genau bestimmt wurde, besteht Klarheit, welche Regeln im Einzelfall gelten.

 

Cover

Fotografieren mit Drohnen

Inspiration, Technik, Bildgestaltung

Ob dichte Wälder, raue Küsten oder gewaltige Berge: Fotografieren Sie atemberaubende Landschaften aus der Luft! In diesem Buch begleiten Sie sechs Fotografen bei spannenden Drohnenprojekten rund um den Globus. Erfahren Sie, wie Sie einen Flug optimal planen, die Kamera richtig einstellen, Ihre Bilder nachbearbeiten u. v. m. Stöbern Sie auch durch die zahlreichen Bildstrecken und lassen Sie sich für Ihren nächsten Flug inspirieren.

272 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-8362-6750-2

Leseprobe

Mit der Drohne um die Welt: Diese Leseprobe mit Bildern von André Alexander Baumann gibt einen Eindruck von diesem wunderschönen und informativen Buch. Lassen Sie sich für Ihren nächsten Drohnenflug inspirieren!

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