Bildkompostion mit Horizont und Bergen, die auf einen Fluchtpunkt zulaufen

Bildkomposition:
In wenigen Schritten zur guten Bildgestaltung

Goldener Schnitt und Symmetrie, Perspektive und Bildwirkung, Formen und Farben

Unter dem Begriff Komposition versteht man in der Fotografie im Wesentlichen die räumliche Anordnung, also die Aufteilung der Motivelemente innerhalb eines Bildes. Im Laufe der Zeit haben sich »Regeln« für die Bildkomposition herausgebildet, die in vielen Fällen zu überzeugenden Ergebnissen führen. Eine gute Bildgestaltung hilft dem Betrachter, Ihre Bilder zu lesen und von ihnen emotional angesprochen zu werden. Eine gelungene Komposition und ein interessantes Motiv schenken Ihrem Foto mehr Aufmerksamkeit und heben es aus der Masse hervor. Lenken Sie den Blick des Betrachters und steuern Sie die Bildwirkung! Wie das geht und welche Gestaltungsmittel Sie kennen sollten, lernen Sie in diesem Artikel.

Bildaufteilung: Regeln wie der Goldene Schnitt und Stilmittel wie die Symmetrie

Seit jeher gelten bei der Gestaltung von Bildern ganz klare und einfache Empfehlungen, die fast automatisch ein interessantes Bild erzeugen. Wenn Sie sich an diese Grundregeln halten, kann nicht mehr viel schiefgehen.

Eine mittige oder symmetrische Positionierung Ihres Hauptmotivs wirkt oft statisch und langweilig. Eine asymmetrische Bildkomposition dagegen wirkt wesentlich interessanter und spannender. Die wichtigsten gestalterischen Grundregeln, die Sie dabei befolgen sollten, sind der sogenannte Goldene Schnitt beziehungsweise seine Vereinfachung, die Drittelregel.

Die Drittelregel


Die Drittelregel hat sich als die vielleicht wichtigste Gestaltungshilfe in der Fotografie fest etabliert. Dabei stellt man sich das Bild gedanklich horizontal und vertikal in Drittel aufgeteilt vor. Für eine spannende Bildkomposition sollten Sie das Hauptmotiv möglichst an den Schnittpunkten oder entlang der gedachten Linien platzieren, beispielsweise waagerechte Linien wie der Horizont oder vertikale Linien wie ein Baum oder Ähnliches. Eine solche Bildaufteilung gilt als Sinnbild von Perfektion und Harmonie in der Fotografie, Kunst und Architektur.

Je zwei horizontale und vertikale Linien teilen das Bild

Bei der Drittelregel (links) und auch beim Goldenen Schnitt (rechts) wird das Foto in neun Teile aufgeteilt, an denen wichtige Bildelemente ausgerichtet werden sollten.

Landschaft mit dem Mond nahe eines Linienschnittpunkts nach Drittelregel

Praxistipp: Lassen Sie sich in Ihrer Kamera im Display oder Sucher Gitterlinien anzeigen. Viele Modelle unterstützen diese Funktion. So sehen Sie beim Fotografieren sofort, wie Sie Ihre Aufnahme anhand der Drittelregel ideal gestalten können, und sind gleichzeitig imstande, den Horizont in der Landschaftsfotografie exakt auszurichten. Oder den Mond gekonnt zu platzieren wie im nebenstehenden Bild.

Der Goldene Schnitt

Der Goldene Schnitt weicht leicht von der Drittelregel ab. Dabei wird eine Strecke so in zwei Teile geteilt, dass der kleinere Teil (Minor) sich zum größeren Teil (Major) genau so verhält wie der größere Teil zum Ganzen. Die beiden Strecken stehen zueinander in einem Verhältnis von ca. 1,6:1.

Seitenverhältnis beim Goldenen Schnitt

Dieses besonders ästhetische Seitenverhältnis tritt sehr häufig in der Natur auf. Im Goldenen Schnitt entsteht das Bild der Perfektion nicht durch Symmetrie, sondern durch Asymmetrie, also nicht durch die Gleichheit der Teile, sondern durch die Gleichheit der Proportionen. Eine solche Bildkomposition vermittelt den Eindruck der Vollkommenheit.

Mutter und Kind in perfekter Anordnung gemäß der Fibonacci-Spirale

Eine Steigerung des Goldenen Schnitts ist die sogenannte Goldene Spirale, auch Fibonacci-Spirale genannt, die auf dem Goldenen Schnitt basiert. Die Bildkomposition ist optimal gelungen, wenn sich das Hauptobjekt harmonisch in die Form der Spirale einfügt und seinen Höhepunkt am Ende der Spirale platziert hat.

Zum nebenstehenden Bild:
Der Bildaufbau mit Mutter und Kind greift die Linien der Goldenen Spirale auf und wirkt dadurch besonders ästhetisch, harmonisch und in sich ruhend. Der Blick des Betrachters führt auf direktem Wege zum Hauptelement, dem Baby. Die Aufteilung der Bildelemente unterstützt die Bildaussage der glücklichen Mutter und des zufriedenen Babys.

Blickrichtung und Bewegungsrichtung

Menschen oder Tiere benötigen in Blickrichtung etwas Raum, damit der Betrachter des Bildes diesem Blick folgen und etwas entdecken kann. Bei bewegten Motiven gilt das gleiche für die Bewegungsrichtung. Haben Blick oder Bewegung zu wenig Platz, wirkt das Bild unnatürlich und beklemmend.

Eisvogel links im Bild mit Blick nach rechts

Der kleine Eisvogel im nachfolgenden Bild hat in Blickrichtung deutlich mehr Raum zum rechten als der Rücken zum linken Bildrand. Sein Blick führt in die Weite des Raums. Sie haben sicherlich bereits bemerkt, dass die Aufnahme nach der Drittelregel komponiert wurde. Hier wurden also zwei Aspekte der Bildkomposition in einer Weise kombiniert, die zu einer harmonischen Gesamtwirkung in der Fotografie führt.

Landendes Flugzeug kommt von rechts ins Bild mit einer Bewegung nach links

Das landende Flugzeug bewegt sich von rechts nach links in das Bild. Nach links hin hat es genügend Raum in Bewegungsrichtung. Man hat sofort das beruhigende Gefühl, dass die Landung gelingen wird.

Symmetrische oder asymmetrische Bilder als perfekte Bildgestaltung?


Außermittige Motive, Drittelregel, Asymmetrie ... Keine Regel ohne Ausnahme, denn es gibt Motive, die gerade durch ihre perfekte Symmetrie besonders stark wirken. Solche Motive strahlen Stabilität und Erhabenheit aus, ihre Mittelachse »ruht« in sich. Bei Bauwerken finden wir diese Symmetrie häufig mit einer vertikalen Achse, sodass die linke und rechte Seite identisch ist, und die Natur beschert uns zum Beispiel mit der Spiegelung eines Sees eine horizontale Achse.

Begegnet Ihnen ein symmetrisches Motiv, dann sollten Sie es auch entweder perfekt symmetrisch abbilden oder bewusst stark von der Symmetrie abweichen. Bei einem Gebäude heißt das, Sie stellen sich exakt frontal davor und fotografieren es ganz gerade. Eine Wasserwaage leistet beim exakten Ausrichten der Kamera gute Dienste. Es gibt Modelle, die Sie im Blitzschuh Ihrer Kamera montieren können, und manche Kameras haben bereits elektronische Wasserwaagen integriert, die Sie bei Bedarf zuschalten können. Nur wenn das Motiv ganz exakt gerade abgebildet ist, kann die Symmetrie ihren Reiz voll ausspielen und die Aufmerksamkeit des Betrachters fesseln.

 

Bildformat, Bildausschnitt und Perspektive

Das Format eines Bildes beeinflusst ganz entscheidend seine Wirkung und sollte deshalb immer gut überlegt sein. Gleiches gilt für den Bildausschnitt, der unmittelbar Ihre Bildaussage unterstützt und hilft, den Blick des Betrachters zu lenken, wie Sie es als Fotograf wünschen. Die jeweils gewählte Perspektive erhöht die Spannung im Bild und eröffnet ganz neue Blickwinkel.

Bildformate


Spricht man von Bildformat, ist im Regelfall ein Querformat oder ein Hochformat gemeint. Das genaue Seitenverhältnis wird dabei bestimmt durch die Größe des Kamerasensors. Generell gilt, dass hohe, senkrechte Motive eher im Hochformat aufgenommen werden und breite, waagerechte Motive eher im Querformat. Aber gerade das Brechen dieser Regel kann besonders spannend wirken!

Das Querformat oder Landschaftsformat


Skyline einer Stadt

Das Querformat kommt unserer normalen Sehweise, die sich aus der waagerechten Anordnung unserer Augen ergibt, am nächsten und wird deshalb in der Fotografie besonders häufig eingesetzt. Es wirkt ruhig und stabil. Vor allem für Landschaften ist das Querformat meist die richtige Wahl. Aber auch für Innenräume, ausgedehnte Gebäudekomplexe oder für angeschnittene Porträts ist das Querformat wunderbar geeignet.

Das Hochformat oder Porträtformat


Ein Löwe schreitet auf die Kamera zu

Wie der Name Porträtformat vermuten lässt, wird vor allem in der Porträtfotografie sehr häufig im Hochformat fotografiert. Irgendwie logisch, wenn man zunächst an die senkrechte Gestalt eines Menschen und die typische Form eines Kopfes denkt. Wollen Sie eine Person also formatfüllend ablichten, wählen Sie den Rahmen des Hochformats. Aber auch andere hochformatige Motive wie hohe Gebäude, Blumen oder Bäume bieten sich als Hochformat an.

Praxistipp: Wenn Sie häufig im Hochformat arbeiten, sollten Sie in Erwägung ziehen, ein Batterieteil mit Hochformatauslöser zu erwerben. Die Kamera liegt dann besser in der Hand und lässt sich im Hochformat ebenso leicht bedienen wie im Querformat.

Das Quadrat


Bild mit einem Adler als Porträt

Im digitalen Zeitalter entstehen quadratische Bilder mit jeder normalen Kamera durch den nachträglichen Bildbeschnitt am PC. Einige Smartphone-Apps nehmen Fotos dagegen bereits im quadratischen Format auf. Quadratische Kompositionen wirken sehr harmonisch, aber unter Umständen auch schnell langweilig. Deshalb sollten Sie bei der Bildgestaltung noch sorgfältiger arbeiten und Ihre Motive durchdacht auswählen, denn nicht alles eignet sich gut für das quadratische Format.

Extreme Formate


Panorama mit Schwan im Flug

Besondere Motive erfordern besondere Formate. Ein Wolkenkratzer oder eine unendlich weite Landschaft lassen sich nur bedingt in ein klassisches Bildformat quetschen. Hier bieten sich ein entsprechender Bildbeschnitt in einer Bildbearbeitungssoftware oder auch eine echte Panoramaaufnahme an, die aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzt wird. Auf diese Weise und mit diesem Beschnitt arbeiten Sie die Dynamik Ihres Hauptmotivs gekonnt heraus.

Praxis: Oft wird der Einsatzzweck für Ihr Foto entscheiden, welches Format »richtig« ist. Vielleicht möchten Sie Ihr Foto als Poster an einem ganz bestimmten Platz in Ihrer Wohnung aufhängen, im Layout einer bestehenden Webseite verwenden oder in einer Klappkarte unterbringen etc. Dann sollten Sie bereits bei der Aufnahme das passende Format auswählen – oder auch das passende Motiv zu diesem Bildformat suchen.

Der richtige Bildausschnitt


Mit der Wahl des Bildausschnitts bestimmen Sie die Bildaussage. Sie legen fest, welches Element in Ihrem Foto das wesentliche ist – das große Ganze, die Totale oder auch nur ein winzig kleines Detail. Experimentieren Sie deshalb beim Fotografieren mit unterschiedlichen Bildausschnitten und Formaten. Ein schönes, aber eher normales oder gar langweiliges Bild wirkt durch einen engeren und gewagteren Bildausschnitt oft wesentlich spannender.

Ein liegender Hund mit weitem Bildausschnitt und viel Hintergrund

Ein zu weiter Bildausschnitt macht das Foto unruhig. Der Blick wandert immer wieder zu der Hand und den pinkfarbenen Blumen im Hintergrund.

Ein liegender Hund mit kleinem Bildausschnitt

Angeschnitten wirkt der Bildaufbau deutlich stimmiger. Der Blick fokussiert das Gesicht des Hundes.

Grundsätzlich sollten Sie bereits bei der Aufnahme auf die das Bildformat und den richtigen Bildausschnitt achten. Schnell ist zu viel »abgeschnitten«. Dazu gehören Fingerkuppen, Füße oder auch Flügelspitzen bei Vögeln. Ein falscher Beschnitt ist ärgerlich und das Bild eigentlich nicht mehr zu gebrauchen. Schneiden Sie dagegen zu wenig ab, sind unter Umständen unruhige Hintergründe oder störende Bildelemente zu sehen. Ein zu großer Bildausschnitt lässt sich zwar nachträglich problemlos in der Bildbearbeitung korrigieren, aber Sie verlieren dabei wertvolle Pixel. Deshalb sollten Sie schon beim Fotografieren die fertige Bildkomposition vor Augen haben.

Wichtig: Fotografieren Sie Mensch oder Tier, sollten Sie bei angeschnittenen Motiven immer auf die richtige »Schnittstelle« achten. Selbstverständlich sollten Sie niemals Anschnitte wählen, die direkt durchs Auge oder durch den Mund gehen. Das tut beim Hinsehen regelrecht weh. Dasselbe gilt für Körpergelenke. Schneiden Sie Arme und Beine nach Möglichkeit nicht direkt an den Gelenken ab, sondern stets irgendwo dazwischen.

Perspektive – und deren Bildwirkung


Kamerapositionen, die nicht unserem normalen Standpunkt auf Augenhöhe entsprechen, erscheinen uns besonders spannend. Von oben oder von unten – hier eröffnen sich ganz neue Blickwinkel.

Normalperspektive


Ein auf dem Waldboden liegendes Mädchen

Von der Normalsicht sprechen wir, wenn sich die Kamera auf derselben Höhe wie das Hauptmotiv befindet. Das Foto wirkt neutral, und es tritt keine optische Verzerrung auf. Der Betrachter empfindet diese Perspektive als gewöhnlich, Motive wirken normal und in ihrer Größe stimmig.

Praxistipp Porträtfotografie: Menschen fotografieren Sie am besten stets auf Augenhöhe. Liegt das Modell wie im nebenstehenden Bild, sollten Sie sich als Fotograf auch auf den Boden legen.

Froschperspektive


Ein Schwan von unten nach oben fotografiert

Die Kamera befindet sich bei dieser Kameraperspektive unterhalb des Motivs. Je größer der Höhenunterschied zwischen Motiv und Kamera und je weitwinkliger dabei das benutzte Objektiv, desto stärker tritt der Effekt zutage: Das Motiv wirkt dominant, übergroß und möglicherweise sogar bedrohlich. Der Betrachter fühlt sich klein und unterlegen, so als würde man buchstäblich von oben auf ihn herabblicken.

Die Weitwinkelaufnahme vom Boden aus lässt den Schwan im nebenstehenden Bild wie ein riesiges Ungetüm wirken.

Vogelperspektive


Blick von oben auf ein kleines Mädchen

Bei dieser Perspektive befindet sich die Kamera oberhalb des Motivs. Beim Fotografieren von oben blicken wir »von oben herab« auf das Motiv. Das Motiv wirkt klein und unbedeutend, aber gleichzeitig auch zerbrechlich und zart. Nehmen Sie für solche Aufnahmen eine Leiter oder Ähnliches mit, oder suchen Sie sich eine Treppe oder eine Mauer.

Bitte beachten Sie: Gerade kleine Kinder wirken in einer starken Aufsicht noch kleiner und zerbrechlicher als ohnehin schon.

Ungewöhnliche Perspektiven


Andere Sichtweisen auf die alltäglichen Dinge sind immer eine willkommene Abwechslung. Dabei ist alles erlaubt. Sie sollten allerdings nicht krampfhaft nach der ungewöhnlichen Perspektive suchen. Gehen Sie lieber spielerisch an die Sache heran, und akzeptieren Sie eine gewisse Ausschussquote.

Praxistipp: Tiefe im Bild erzeugen


Ein Foto ist stets ein zweidimensionales Medium, das eine dreidimensionale Wirklichkeit abzubilden versucht. Häufig suchen Fotografen nach Möglichkeiten, durch die gezielte Auswahl der Motive und bei der Bildkomposition eine Illusion von Tiefe und Räumlichkeit zu erzeugen. Schärfentiefe, Größenverhältnisse, Linienführung, Helligkeits- und Farbverteilung sowie Schatten spielen hier eine entscheidende Rolle.

Ein paar kurze Tipps, wie Sie Räumlichkeit in Ihren Fotos erzielen können:

  • Nutzen Sie kurze (weitwinklige) Brennweiten.
  • Schaffen Sie unterschiedliche Ebenen in Ihrem Foto durch Schärfeverteilung oder Helligkeitsunterschiede.
  • Erzeugen Sie Tiefe durch sich verjüngende Linien.
  • Beziehen Sie Schatten ins Bild ein, und nutzen Sie möglichst seitlichen Lichteinfall.

Mehr zur Verteilung von Schärfe und zur Schärfentiefe finden Sie in unserem Artikel Technische Grundlagen der Fotografie.

 

Formen, Flächen, Kontraste, Linien und Farben in der Bildkomposition

Formen, Punkte, Flächen, Kontraste, Linien und Farben sind wesentliche Grundbestandteile von Fotos. Sie kommen in unterschiedlichen Kombinationen und Gewichtungen vor, und unsere Wahrnehmung all dieser Elemente ist bei jedem Bild anders. Sie sollten mit diesen Grundelementen und ihrer Wirkung auf den Betrachter vertraut sein und bewusst danach Ausschau halten.

Rechtecke, Dreiecke und Kreise


Geometrische Formen wie Kreise und Rechtecke können höchst interessante oder auch äußerst langweilige Motive ergeben. Erst in Kombination mit anderen Bildelementen werden sie fotografisch wertvoll.

In der Natur finden sich Kreise selten, lediglich die Sonne und der Vollmond bilden eine Ausnahme. Rechtecke kommen in der Natur nicht vor. Bei von Menschen gemachten Objekten sieht das jedoch anders aus.

Spiegelnde Rechtecke in einer Fassade

In der Architektur finden Sie reichlich Rechtecke, speziell in Fassaden. Bei diesem Motiv ist es wichtig, dass die senkrechten Linien wirklich senkrecht und die waagerechten Linien genau waagerecht ausgerichtet sind. Der Wechsel zwischen den Fensterreihen, in denen sich die Umgebung spiegelt, und den blauen Fassadenverkleidungen macht den Reiz des nebenstehenden Bildes aus.

Berge und Pflanzen bilden zahlreiche Dreiecksformen

Dreiecke wirken durch ihre ungerade Zahl von Ecken fast immer dynamisch. Sie können anders als Kreise oder Rechtecke sowohl symmetrisch als auch asymmetrisch sein. Gute Voraussetzungen für eine interessante Bildkomposition – wie etwa bei Berglandschaften mit ihren natürlichen Dreiecksformen.

Runde Motive wie Teller und Teekanne

In der Foodfotografie finden wir unzählige Kreise. Unsere Infoseite zur Foodfotografie zeigt zahlreiche Beispiele dafür. Und ebendiese – vielen – runden Objekte lassen sich im Sinne einer guten Bildkomposition besonders wirkungsvoll arrangieren, um den Blick des Betrachters zu fesseln und durch das Bild zu lenken.

Das Flächengewicht: Flächen und deren Dominanz erkennen


Nicht immer muss ein Foto eine ausgeprägte räumliche Wirkung haben. Auch das genaue Gegenteil kann wirkungsvoll sein. Wenn Sie mit einfachen geometrischen Flächen in Ihrem Foto arbeiten, sollten Sie allerdings besonders auf eine spannende Komposition achten. Das sogenannte Flächengewicht spielt dabei eine besondere Rolle. Im Gegensatz zu konkreten Motiven, die von einem Umriss begrenzt werden, haben Flächen im Bild keine Konturen. Sie werden lediglich vom Bildrand und von anderen angrenzenden Flächen limitiert. Das Flächengewicht ist eine optische Eigenschaft von Flächen im Bild. Lassen Sie sich nicht von dem Begriff »Gewicht« irritieren. Er bezeichnet lediglich eine gefühlte Wirkung auf den Betrachter. So scheinen große Flächen ein höheres Gewicht zu haben als kleine und dunkle wirken schwerer als helle.

Landschaft mit drei Flächen im Bild: Himmel, Pflanzen und Erde

Interessante Komposition: Eine ungerade Anzahl an Flächen, verschiedene Flächengewichte, unterschiedliche Strukturen mit Unterbrechungen

Interessant wird der Bildaufbau mit drei oder mehr Flächen im Bild. Dabei ist eine ungerade Anzahl besonders attraktiv. Je mehr Flächen Sie im Bild unterbringen, desto anspruchsvoller ist es allerdings, eine ausgewogene Bildkomposition zu finden. Achten Sie besonders auf die Flächengewichte und auf durchgängige Schärfe. Unscharfe Bildbereiche können den flächigen Gesamteindruck erheblich stören.

Apropos durchgängige Schärfe: In unserem Artikel zur hyperfokalen Distanz lernen Sie, wie’s geht.

Kontraste in der Bildkomposition nutzen


Kontraste sind eine Form der Asymmetrie. Dabei wird vielen Objekten ein einzelnes entgegenstellt oder große Dinge werden mit kleinen kombiniert. Durch diese gestalterischen Gegensätze ergeben sich oft spannungsreiche Bilder. Kontraste treten in der Fotografie in vielfältiger Form auf. Am augenfälligsten sind die Kontraste zwischen Licht und Schatten oder zwischen Farben. Daneben gibt es aber noch eine Reihe anderer Gegensätze, die Dynamik in Ihr Foto bringen und fotografisch genutzt werden können.

Beispiel Mengenkontrast


Mengenkontrast: eine rote Tulpe unter vielen gelben Tulpen

Die rote Tulpe ist in der Menge der gelben Tulpen etwas Besonderes – sie ist der Blickfang der Komposition. Aber sie wirkt durchaus nicht wie ein Fremdkörper. Durch ihre andere Farbe ist sie eher eine Prima inter Pares, also durchaus ein Mitglied der Gruppe, das aber eine besonders ehrenhafte Stellung einnimmt.

Beispiel Größenkontrast


Größenkontrast mit kleinen Autos in der riesigen Wüste

Größenkontraste sind besonders interessant, wenn sie sehr deutlich ausfallen. In diesem Bild unterstreichen die winzigen Autos die schiere Unendlichkeit der Wüste. Mit Größenkontrasten können Sie spielen, indem Sie große Elemente durch die perspektivische Verjüngung kleiner erscheinen lassen und umgekehrt. Wir alle kennen das mit dem Daumen und dem Mond ;-)

Praxistipp: Suchen Sie nicht nur visuelle, sondern auch inhaltliche Kontraste wie traditionell und modern, traurig und fröhlich oder schnell und langsam! Vielleicht inspirieren Sie solche Kontraste zu neuen Bildideen.

Linien im Bild: Führen Sie den Blick!


Bei der Betrachtung eines Bildes helfen uns Linien bei der Orientierung innerhalb der Komposition. Horizontal, vertikal oder diagonal führen diese Linien durchs Bild und lenken die Aufmerksamkeit auf wichtige Bildelemente.

Unser Auge orientiert sich an den erkennbaren Linien innerhalb des Bildes. Dabei sind nicht nur die tatsächlichen Linien eines Bildes gemeint, sondern auch imaginäre Linien, die sich durch die Positionierung einzelner Bildelemente – wie der Köpfe mehrerer Personen – ergeben können und ein Muster zeichnen.

Waagerechte und senkrechte Linien


Waagerechte bzw. horizontale Linien wirken besonders ruhig, statisch und aufgrund dessen oftmals auch schnell langweilig. Senkrechte bzw. vertikale Linien vermitteln Energie, Stärke und Standhaftigkeit. Sie lenken das Auge des Betrachters von oben nach unten oder umgekehrt. Sie sollten die Linien in Ihrem Foto nach Möglichkeit nicht in der Bildmitte platzieren, sondern im oberen oder unteren bzw. im rechten oder linken Drittel des Bildes verlaufen lassen.

Schräge Linien im Bild


Ein Gebäude vom linken Bildrand endet rechts im Bild mit einem Hauptgebäude

Die Führungslinien beginnen alle am linken Bildrand und enden am Hauptgebäude. So bekommt das Foto einen klaren optischen Mittelpunkt dort, wo die Führungslinien zusammentreffen.

Besonders schön und dynamisch wirken schräge Linien im Bild. Dabei empfindet man in unserem Kulturkreis eine von links nach rechts aufsteigende Achse generell als positiv, absteigende eher als negativ. Vor allem bei Motiven, die von Natur aus waagerecht oder senkrecht sind, wie beispielsweise Blumen, wirkt ein Kippen der Kamera aus der vertikalen oder horizontalen Achse meist sehr ästhetisch.

Merke: Diagonalen schaffen Dynamik

Aufeinander zulaufende diagonalen Linien steuern den Blick des Betrachters und lenken ihn genau auf ihren Schnittpunkt – den Fluchtpunkt. Der Fluchtpunkt kann sich dabei innerhalb des Bildes befinden oder außerhalb. Durch den sichtbaren Fluchtpunkt innerhalb Ihrer Aufnahme erhält das Bild eine besonders starke Wirkung von Tiefe im Raum und führt den Blick zielgenau zum Hauptmotiv.

Zwei Elefanten und die untergehende Sonne bilden eine Dreiecksform

Aus den Verbindungslinien der beiden Elefanten und der untergehenden Sonne ergibt sich ein imaginäres Dreieck, das das Auge des Betrachters im Bild festhält.

Landschaft mit Fluss und Bergen, deren Linien im Zentrum zusammentreffen

Die Linien in dieser Landschaftsfotografie laufen auf einen Punkt im Hintergrund zu und lenken das Auge des Betrachters an diese Stelle.

Mit einem geschicktem Bildaufbau leiten Sie den Betrachter durch das Foto und schaffen im Idealfall eine geschlossene Blickführung. Diese lenkt den Blick mehrmals durchs Bild. Dafür sind Linien und ihre Anordnung das zentrale Mittel in der Bildkomposition.

Farblehre: Bedeutung von Farben als Gestaltungsmittel


Die Wirkung der verschiedenen Farben lässt sich nutzen, um die Bildaussage zu unterstreichen. Manchmal wird sogar die Farbe selbst zum dominanten Motiv. Jeder Mensch verbindet ganz bestimmte Gefühle mit bestimmten Farben. Alle blaustichigen Farben von Violett über Blau bis hin zu Blaugrün wirken kühl und eher distanziert und ruhig. Rottöne von Orange über Rot bis hin zu Pink wirken warm, aktivierend und suggerieren Nähe. Die Assoziationen, die Menschen gewöhnlich mit Farben verbinden, sind einerseits eine Folge unserer kulturellen Prägung, andererseits universell: So entfaltet die Farbe Rot über Kulturgrenzen hinweg eine besondere Signalwirkung. Lesen Sie im Folgenden die kleine Farbenlehre!

Ein Hinweis vornweg: Die Grundlagen zum natürlichen Licht, zur Farbtemperatur und zum Weißabgleich, zur Lichtqualität und -richtungen lesen Sie in unserem Licht in der Fotografie.

Bildleiste mit Fotos in unterschiedlichen Farben: rot, gelb, grün, blau und magenta

Rot – eine Farbe mit starker Wirkung

Die Farbe Rot ist auf weite Distanz hin sichtbar und wird als warme, aktive und energetische Farbe empfunden. Rote Bereiche ziehen das Auge des Betrachters an und können ein Bild stark dominieren.

Gelb erinnert an Sommer, Licht und Sonne

Sie wird als warm und lebendig empfunden und dient als Warnfarbe in der Natur. Gelb ist die hellste Farbe des Farbspektrums und sollte deshalb ähnlich wie Weiß etwas überbelichtet werden, um nicht gräulich zu wirken.

Grün empfinden wir als positiv, natürlich und harmonisch

Verändert sich das Grün zu Cyan (auch als Türkis, Aquamarin und Blaugrün bezeichnet), erinnert uns diese Farbe an Urlaub, tropische Gewässer, Frische und Klarheit. Cyan liegt im Farbspektrum zwischen Grün und Blau.

Blau wirkt kühl, klar, ruhig und distanziert

Und blau wirkt seriös. Blaues Licht ist das kurzwelligste Licht, und es wird wesentlich stärker gestreut als andere Wellenlängen des Lichts. Deshalb erscheint der Himmel blau wie auch weit entfernte Berge. Aus diesem Grund assoziieren wir Blau mit großen Entfernungen.

Magenta oder auch Pink

Magenta ist eine Mischung aus Blau und Rot und ist in reiner Form im Lichtspektrum nicht vorhanden. Diese Farbe kann also nur durch die Mischung anderer Farben entstehen. In der Natur kommt sie häufig als Farbe von Blüten vor. Sie strahlt Fröhlichkeit, Idealismus und Weiblichkeit aus, kann aber auch schrill wirken.

Weiß und schwarz – genau genommen keine eigenen Farben

Weiß steht für Unschuld, Reinheit, Medizin und natürlich für die Hochzeit. Schwarz hingegen wird assoziiert mit Trauer, Furcht und dem Geheimnisvollen, aber auch mit Würde und Feierlichkeit.

Farbkreise mit dem Farbspektrum

Der Farbkreis teilt Farben in warme und kalte Farben ein und bestimmt durch die Position im Kreis die Komplementärfarben. Diese liegen genau gegenüber und bilden einen besonders starken Kontrast, wie beispielsweise Cyan und Rot.

Interessant für die Bildkomposition ist die Wirkung von Farbtönen im Zusammenspiel.

Schließlich wirkt Gelb neben Grün völlig anders als Gelb neben Rot – der Farbkontrast hat also einen erheblichen Einfluss darauf, wie wir ein Bild wahrnehmen. So können Sie die Bildwirkung durch eine geschickte Kombination aus Farben verstärken. Vor allem Komplementärfarben lassen sich für die Bildkomposition nutzen. Damit sind solche Farben gemeint, die gemischt Grau ergeben und sich dadurch aufheben. Auf dem Farbkreis liegen sie sich genau gegenüber.

Farbharmonie


Bilder, die nur wenige unterschiedliche Farbtöne aufweisen, haben eine ganz außergewöhnliche Anmutung. Ton in Ton oder von Natur aus bereits beinahe schwarzweiß, wirken sie besonders edel und harmonisch.

Brauner Leopard vor brauner Natur

Der Leopard ist farblich perfekt an seine natürliche Umgebung angepasst.

Gebäude in weiß und blau

Harmonische Blautöne auf der griechischen Insel Santorini.

Oftmals nimmt der Betrachter erst auf den zweiten Blick wahr, dass es sich um eine Farbaufnahme handelt. Da hier die Wirkung der Farben fehlt, kommt der Gestaltung eines solchen monochromen Fotos besondere Bedeutung zu. Vor allem klare Strukturen, Muster und grafische Elemente sind für solche Kompositionen gut geeignet. Halten Sie ganz gezielt nach solchen Motiven Ausschau, und nutzen Sie dieses reduzierte Farbspektrum für besonders ruhige und schlichte Fotos.

Die Natur macht es uns vor, »Tarnung« heißt hier das Zauberwort. Sehr oft werden Sie in der Natur Motive entdecken, die Ton in Ton sind.

Mehr in unseren Büchern:

Dieser Artikel erläutert und zeigt viele Aspekte einer gelungenen Bildkomposition. Alle diese Beispiele stammen aus unseren Büchern, speziell denen zur Bildgestaltung. Und über diese Techniken und Zusammenhänge hinaus können Sie mit dem Know-how aus diesen Fotoschulen noch tiefer in die Bildgestaltung und in die Fotografie einsteigen.