Fotografieren lernen: 7 praktische Tipps für Anfänger
Wenn es ums Fotografieren geht, denken viele: »Um richtig schöne Fotos zu machen, brauche ich nur eine professionelle Kamera.« Das sehen wir anders. Die beste Kamera allein macht noch kein gutes Foto. Denn beim Fotografieren ist Ihre Idee zur Bildgestaltung viel wichtiger als die Kamera. Natürlich hilft es Ihnen, wenn Sie Ihre Kamera bedienen können und die Technik für sich zu nutzen wissen. Vor allem kommt es aber auf Sie als Fotografin oder Fotograf und Ihre Kreativität an – auf die Idee zur Gestaltung, die hinter dem Bild steckt.
Damit Ihnen der Einstieg in die Fotografie mühelos gelingt, haben wir auf dieser Seite sieben nützliche Tipps für Anfänger zusammengestellt. Mit den Tricks unserer erfahrenen Fotoprofis machen Sie sich schnell mit den Grundlagen der Fotografie und der Bildkomposition vertraut. Und das Beste: Neben den wichtigsten Einsteiger-Tipps liefern wir Ihnen auch Inspiration für interessante Fotomotive. Legen Sie also gleich mit dem Fotografieren los!
1. Der Goldene Schnitt
Eine der wichtigsten Gestaltungsregeln der Fotografie ist der Goldene Schnitt. Und sie ist einfach erklärt: Das Hauptmotiv sollte sich nicht in der Mitte des Bildes befinden, sondern immer etwas seitlich versetzt. Denn ein symmetrischer Bildaufbau wirkt schnell statisch und langweilig.
Eine vereinfachte Form des Goldenen Schnitts ist die Drittelregel. Dabei unterteilen Sie das Bild horizontal und vertikal in drei gleich große Bereiche, indem Sie sich je zwei waagerechte und zwei senkrechte Linien denken. Das entstehende Gitternetz können Sie bei den meisten Kameras sogar nach Bedarf ein- und ausblenden.
Platzieren Sie Ihr Hauptmotiv möglichst entlang der Linien oder auf den Schnittpunkten des Gitternetzes – so wirkt das gesamte Bild sowohl harmonischer als auch spannender.
2. Spielen Sie mit den Perspektiven
Die Bildperspektive trägt maßgeblich dazu bei, wie das Foto wirkt. Normalerweise machen Sie nichts falsch, wenn Sie jedes Motiv auf Augenhöhe fotografieren, also weder von unten hinauf noch von oben herab. Vor allem Porträts wirken authentisch, wenn Sie die Person auf Augenhöhe einfangen.
Regeln sind aber auch immer dazu da, gebrochen zu werden. Beispielsweise können Sie Ihren Bildern auch mit extremen Frosch- oder Vogelperspektiven das gewisse Etwas verleihen. Experimentieren Sie hier ruhig ein wenig mit den Kameraperspektiven und ihrer Wirkung.
3. Die besten Tageszeiten zum Fotografieren
Das Licht zur Goldenen Stunde verleiht dem Bild eine warme und gemütliche Stimmung. Beim Fotografieren im Freien wirkt sich die Tageszeit stark auf die Belichtung und somit auch auf die Stimmung des Bildes aus.
Besonders tolle Aufnahmen mit natürlichem Licht machen Sie in der Goldenen Stunde – damit ist die Zeit kurz nach Sonnaufgang oder kurz vor dem Sonnenuntergang gemeint. Das Sonnenlicht ist in diesen Zeitspannen deutlich goldener, weicher und weniger grell als mitten am Tag. So wirken Ihre Fotos gleich wärmer und ausgeglichener. Wenn Sie am liebsten nachts mit Ihrer Kamera losziehen, um die Milchstraße, Polarlichter oder Startrails zu fotografieren, empfiehlt sich ein Blick auf unsere Seiten zur Astrofotografie und Mondfotografie.
Kreative Ideen für stimmungsvolle Reisefotos finden Sie in unserem Artikel zum Fotografieren im Urlaub.
4. Motive im Bild planen
Machen Sie sich vor dem Fotografieren Gedanken darüber, welche Motive oder Objekte im Bild zu sehen sein sollen. Das Hauptmotiv sollte immer klar zu erkennen sein. Aber ganz wichtig: Es kommt nicht nur auf das Motiv oder die Person im Vordergrund an.
Bilder werden spannender, wenn sie aus mehreren Ebenen bestehen, das heißt dass Ihr Hauptmotiv einen Vorder- und einen Hintergrund hat. Überlegen Sie also möglichst genau, welchen Bildausschnitt Sie wählen, wie Vorder- und Hintergrund aussehen sollen und nehmen Sie testweise ein Foto auf, um Ihre Komposition zu überprüfen. Achten Sie aber darauf, Ihr Bild nicht mit Motiven zu überladen und störende Elemente zu vermeiden.
Wie Sie Hintergründe beim Fotografieren von Menschen für Ihre Bildgestaltung nutzen, erfahren Sie auf unserer Seite mit Tipps für kreative Porträtshootings.
5. Symmetrien
Ist ein Bild symmetrisch aufgebaut, wirkt es stimmig und aufgeräumt. Neben dem Goldenen Schnitt ist auch Symmetrie in der Fotografie ein Gestaltungselement, mit dem Sie ohne großen Aufwand eine besondere Wirkung erzielen. Das erklärt sich damit, dass in der Natur sehr oft Symmetrien vorkommen und wir Menschen diese als geordnet und angenehm wahrnehmen.
Bei symmetrischen Motiven müssen Sie den Bildausschnitt allerdings sorgfältig wählen, damit das Bild nicht langweilig oder unbeholfen wirkt: Entweder lichten Sie die Symmetrie exakt oder stark abweichend ab. Ist zum Beispiel die Mittellinie der Symmetrie nur leicht verschoben, wirkt das Bild schnell unsauber fotografiert.
6. Natürliche Rahmen
Natürliche Rahmen, wie beispielsweise Äste, Fenster oder Häuser, werten die Bildkomposition auf und lassen das Gesamtbild stimmiger wirken. Solche Rahmen können dem Rest des Bildes Halt geben, damit einzelne Motive nicht verloren wirken. Richtig eingesetzt, können Sie das Hauptmotiv stärker in den Fokus rücken und Ihrem Bild mehr Dynamik verleihen.
7. Mit Linien den Blick lenken
Neben natürlichen Rahmen können Sie auch einfache Linien nutzen, um Ihr Hauptmotiv in Szene zu setzen. Ob horizontal, vertikal, diagonal oder kurvig – mit natürlichen oder auch nur gedachten Linien lenken Sie den Blick des Betrachters. Nutzen Sie sie also bewusst für Ihre Fotografie.
Horizontale Linien bringen Ruhe ins Bild, diagonale Linien oder kurvige Linien erzeugen Dynamik und Spannung. Sie können in jeder Szene Linien finden, die Sie nutzen können, wie Bäume, gerade oder geschwungene Straßen oder auch perspektivisch verzerrte Kanten. Zahlreiche Praxisbeispiele, wie Sie den Blick mit Linien gezielt lenken, finden Sie auf unserer Seite zur Foodfotografie.
Wenn Sie jetzt mehr über die technischen Grundlagen der Fotografie erfahren möchten, werfen Sie doch mal einen Blick in unseren Artikel. Oder Sie stöbern in unseren Büchern, in denen viele nützliche Fotografie-Tipps für Einsteiger zu finden sind.
Die Bilder auf dieser Seite stammen aus den Büchern »Fotografie verstehen«, »Fotografieren für Einsteiger« und »Bildgestaltung«. Oben stehende Fotos: © Marion Hogl (1, 2, 3), © Kyra und Christian Sänger (4), © Simone und Rainer Hoffmann (5, 6)