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Farbiges Kunstwerk

Assoziationstechnik mit KI: So entstehen überraschende Ideen

Neue und unerwartete Ideen entstehen oft dann, wenn wir gewohnte Denkmuster verlassen. Genau hier setzt die Assoziationstechnik an: Durch zufällige Begriffe, ungewöhnliche Verknüpfungen und Perspektivwechsel lassen sich mit KI überraschende Konzepte und Ansätze entwickeln.

In diesem Artikel zeigt Autorin Jenny Habermehl, wie Sie die Assoziationstechnik mit KI und ChatGPT für die Ideenfindung nutzen können – von ersten Zufallsassoziationen bis hin zu Kampagnenvisuals. Sie lernen, wie Random Input dabei hilft, neue Denkwege zu entwickeln und kreative Prozesse in Design, Branding, Storytelling oder Strategie gezielt zu unterstützen.

Assoziieren Sie, um neue Ideen zu entwickeln

Wie verschiedene Studien zeigen, ist Künstliche Intelligenz sehr gut im Assoziieren. Aber auch ohne KI ist die von Kreativitätsforscher Edward de Bono entwickelte Assoziationstechnik (auch Random Input oder Zufallsmethode) sehr gut dafür geeignet, neue sowie originelle Ideen zu finden.

Wenn wir die Assoziationstechnik mit KI anwenden wollen, nehmen wir uns ein Thema, das uns gerade beschäftigt, und verknüpfen dieses mit einem zufälligen Begriff. Hier können wir zudem das flexible Denken triggern, indem wir die Art der Begriffe variieren, zum Beispiel:

  • Konkrete Objekte: Tasse, Schlüssel, Hammer, Brille, Smartphone, Stuhl, Schere, Lampe, Buch, Pinsel, Tasche
  • Abstrakte Begriffe: Hilfe, Liebe, Freiheit, Zeit, Erfolg, Wandel, Vertrauen, Hoffnung, Innovation, Mut, Qualität, Abenteuer
  • Emotionen: Freude, Angst, Wut, Begeisterung, Stolz, Neugier, Trauer, Dankbarkeit, Gelassenheit
  • Lebewesen: Löwe, Schmetterling, Baum, Rose, Ameise, Adler, Wolf, Blume
  • Eigenschaften: hart, transparent, mutig, chaotisch, elastisch, leer, offen, warm, leise
  • Farben: Rot, Blau, Gelb, Grün, Schwarz, Weiß, Türkis, Magenta
  • Gegensätze: oben – unten, alt – neu, laut – leise, Ordnung – Chaos, Nähe – Distanz, innen – außen

Sie können aber auch einfach ein Buch aufschlagen, blind mit dem Finger auf eine Seite tippen und das nächstbeste Wort nehmen oder sich von KI einfach eine Liste zufälliger Wörter generieren lassen, so wie im folgenden Beispiel:

Prompt Erstelle mir eine Liste mit 15 zufälligen und voneinander unabhängigen Begriffen in gemischter Reihenfolge. Die Liste soll jeweils fünf Begriffe aus diesen drei Kategorien enthalten: Emotionen, abstrakte Begriffe und konkrete Objekte. Nenne die Kategorien nicht, liste nur die Begriffe untereinander auf.

Die KI wiederholt sich

Die Assoziationstechnik nutze ich in fast jedem Projekt und zeige diese in jedem KI-Workshop. Daher kann ich aus Erfahrung sagen, dass die KI manchmal einen Input an Begrifflichkeiten braucht, denn sie wiederholt sehr gerne bestimmte Begriffe, wenn man nichts weiter vorgibt. Folgende kommen besonders häufig vor:

  • Schach(brett)
  • Kaleidoskop
  • Schmetterling
  • Origami
  • Weltall/Kosmos
  • Brücke
  • Spiegel
  • Puzzle/Mosaik
  • Licht/Lampe

Wenn die KI mal einen dieser Begriffe nutzt, ist das nicht schlimm. Aber Sie werden schnell gelangweilt sein, wenn Sie die Technik ein paar Mal genutzt haben und immer wieder die gleichen Begriffe sehen. Es entstehen zwar immer neue Ideen, indem das Thema wechselt, aber es soll ja auch Ihre kreative Ader inspiriert werden.

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Variieren Sie die Begriffe beim Prompten

Doch was tun, wenn die KI sich regelmäßig wiederholt? Gehen Sie gerne den Extra-Step und lassen sich eine Liste generieren, oder gehen Sie die Art der Begriffe nach und nach durch, indem Sie die Assoziationstechnik mal mit Objekten, dann mit Emotionen usw. kombinieren. Hier ist ein Prompt, den Sie als Basis verwenden und für Ihr Projekt abwandeln können:

Prompt Ich möchte die Assoziationstechnik anwenden. Mein Thema ist [Thema einfügen]. Verknüpfe dieses Thema mit mehreren zufälligen Begriffen aus den Kategorien [z. B. Objekte, Emotionen und Farben]. Entwickle zu jeder dieser Kombinationen neue, überraschende oder ungewöhnliche Ideen. Erkläre, welche Assoziationen entstehen, wie sie interpretiert werden können und wie sich daraus kreative Ansätze oder Konzepte ableiten lassen. Denke dabei offen, bildhaft und frei, ohne logische Einschränkungen, und beschreibe eine mögliche Richtung oder Anwendung pro Begriffskombination.

Die Assoziationstechnik eignet sich für alle Projekte, für die Sie neue, frische und unerwartete Ideen entwickeln möchten, unter anderem für Kampagnenvisuals, Brandings oder Namensfindung, Storytelling, Strategie und Positionierung, Kreativtraining oder Warm-ups, um in ein Thema zu kommen.

Sie suchen nach neuen Wegen, Ihre Kreativität zu entfachen? In dem Buch »Ideenfindung mit KI« erfahren Sie, wie Sie KI als Kreativbooster in Ihre Ideenfindung integrieren und Ihren Designs so einen neuen Dreh geben. Jenny Habermehl zeigt anhand vieler Beispiele und Übungen, wie Sie kreative Blockaden überwinden, innovative Konzepte entwickeln, Ihren Workflow optimieren und beeindruckende visuelle Ergebnisse erzielen. Mit der KI als Sparringspartner schärfen Sie Ihre Ideen.

Praxisbeispiel: Assoziationstechnik für Kampagnenvisuals

Besonders gerne nutze ich diese Technik für die Ideenfindung für visuelle Konzepte. Dabei geht es mir nicht darum, von der KI ein fertiges Visual zu erhalten, sondern darum, mich selbst zu inspirieren und ganz neue Wege zu finden. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass ChatGPT besonders gut mit dieser Kreativtechnik arbeiten kann.

Diese Technik wende ich gerne an, wenn ich mit der KI bereits Briefing, Zielgruppenanalyse und Persona erstellt habe. Hier ein Beispiel für ein Kampagnenvisual einer Eismanufaktur:

Prompt für ChatGPT Ich entwickle ein Kampagnenvisual mit Headline für eine handwerkliche Eismanufaktur. Wende die Assoziationstechnik an und verknüpfe dieses Thema jeweils mit einem zufälligen Begriff aus den Kategorien Objekte, Emotionen oder Farben. Leite daraus eine kreative, bildhafte Idee für ein Kampagnenmotiv mit passender Headline ab. Erkläre kurz, wie der Begriff eine neue visuelle oder emotionale Perspektive eröffnet und wie er sich im Motiv, in der Farbwelt oder im Storytelling widerspiegeln könnte. Denke frei, humorvoll und assoziativ – das Ziel ist ein überraschendes Visual, das das sinnliche und emotionale Erlebnis von Eis neu interpretiert.

Unter den Ergebnissen wähle ich dieses hier:

ChatGPT

Begriff: Sehnsucht (Emotion)

Headline: »Ein Löffel Sommer, bitte.«
Idee: Ein Mensch sitzt mitten im grauen Winter in einem Parka – vor ihm ein Becher Eis, aus dem warme Lichtstrahlen emporsteigen. Das Motiv spielt mit Kontrasten und emotionaler Wärme.
Perspektive: Die Emotion »Sehnsucht« lenkt den Fokus auf das sinnliche, fast nostalgische Erleben von Eis.
Farbwelt: Kühle Blautöne treffen auf warme Gold- und Apricot-Akzente.

Ich lasse mir dazu einen Bildprompt auf Englisch erstellen, den ich noch anpasse, und erhalte das folgende Bild.
 

Erster Entwurf: Person in Wintermantel mit Eis
Ideogram ist das Tool der Wahl, wenn ich mir erste Ideen aus Bild und Text visualisieren möchte.


Die Idee hat Potenzial, das Ganze bringt aber noch keinen überraschenden Moment mit sich. Doch die Headline »Ein Löffel Sommer, bitte.« hat mich inspiriert, und ich würde die Idee gerne weiterverfolgen.

Autorin Jenny Habermehl

Jenny Habermehl

Die Kreativdirektorin M.A. Jenny Habermehl ist selbstständige Grafikdesignerin, Fotografin und Dozentin und bietet Erfolgstrainings für andere Kreative an. Seit ihrer Masterarbeit hat sie sich intensiv mit den Themen Design, Kreativität und Künstliche Intelligenz beschäftigt und ist seitdem fasziniert von den Möglichkeiten.

Sie möchte besonders Designer*innen mit Büchern, Workshops und Vorträgen den Einstieg in das Thema erleichtern sowie über Chancen, aber auch Risiken aufklären. Auf Jenny Habermehls Website findet sich alles über ihre Arbeit rund um das Thema KI und Design.

Die erste Idee mit ChatGPT und Ideogram verfeinern

Also bitte ich ChatGPT, den Bildprompt zu verändern: Es sitzen zwei Personen auf einer Bank – beide in Sommerkleidung. Es ist Winter, aber um sie herum scheint der Sommer ausgebrochen zu sein. Der Schnee ist geschmolzen, und eine Sommerwiese umgibt die beiden.

Es ist eine fröhliche und ausgelassene Stimmung. Die Headline steht in kreativem Handlettering prominent über den beiden. Den folgenden Prompt habe ich nachträglich noch angepasst und mit Ideogram generiert:

Prompt für Ideogram A woman and a man sitting on a snow-covered park bench in the middle of winter, but dressed in summer clothes — she is wearing a colorful dress, bare legs, sandals. The man is wearing a colorful shirt, shorts and sandals. Around them, the world is cold and frosty: snowflakes falling, icy trees, grey sky. The person holds a cup of handmade ice cream, around the person is a soft circle of green grass and flowers around them and creating a small oasis of warmth and color. The scene symbolizes longing and the return of summer through the simple joy of ice cream. Cinematic fine-art photography, poetic atmosphere, high contrast between cold blues and warm golden light, soft depth of field. The German headline on the image reads "Ein Löffel Sommer, bitte." in a big creative and handwritten overlay font.

Zweiter Entwurf: Zwei Personen im Winter mit Eis
Das ist schon eher ein Motiv, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht.


Was mir besonders gefällt, ist, dass die Personen etwas Schnee auf den Haaren oder der Kleidung haben – was eine Vermischung der Sommer- und Winterwelt zeigt. Das Bild kann jetzt als Vorlage für ein Fotoshooting dienen, oder wir setzen das Motiv direkt mit KI um.

Finetuning mit Nano Banana

Das Eis passt noch nicht, es ist Softeis und im Vergleich zu den Personen überdimensioniert. Auch die Hände sind nicht korrekt. In Adobe Photoshop können wir noch weitere KI-Modelle in der Funktion »Generatives Füllen« nutzen: Neben Firefly Image finden wir hier FLUX Kontext Pro und Gemini 2.5 und 3 (Nano Banana).
 

Dritter Entwurf: Zwei Personen im Winter mit Eis
Die Ergebnisse aus der Bildkorrektur mit Nano Banana sind beeindruckend.


Neben den Eiswaffeln und den Händen habe ich noch die Headline geändert. Probieren Sie auch »unperfekte« Ideen aus, und entwickeln Sie sie weiter – es lohnt sich! Diese hier würde ich zum nächsten Kundengespräch mitnehmen.

 

Weitere klassische Kreativitätstechniken, die sich auch mit Künstlicher Intelligenz anwenden lassen, finden Sie in Jenny Habermehls Buch »Ideenfindung mit KI«: die Sechs Denkhüte, die Provokation, die Synektik, die Walt-Disney-Methode, die Kopfstandmethode/Reverse Thinking und die Analogietechnik.

Die Texte und Abbildungen auf dieser Seite stammen aus dem Buch »Ideenfindung mit KI – Neue Wege für Kreative«.

Noch mehr kostenloses Know-how

Sie möchten wissen, wie Sie Text-to-Image-Prompts bauen? Dann lesen Sie gerne unseren Artikel »Formel für Ihren Bilder-Prompt«. Wie Sie Videos mit Adobe Firefly generieren, erfahren Sie in unserem Gratiskapitel zur Videofunktion von Firefly. Wenn Sie interessiert, wie Farben unsere Wahrnehmung und Emotionen beeinflussen, ist unser Artikel »Farbpsychologie verstehen« das Richtige für Sie.

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